06.02.2020
21 films

Die Listen der anderen

Mein Leben als Zucchini
Claude Barras' Mein Leben als Zucchini
(Foto: Polyband)

Kann alles so schlecht nicht gewesen sein: »21 films« – der fünfte Teil unserer überaus subjek­tiven, viel­stim­migen Bilanz des Kinos der Zehner­jahre. Mit Sedat Aslan, Isabelle Bertolone, Stefan Butz­mühlen, Ella Cies­linski, Tim Fehlbaum, Christoph Gröner, Timm Kröger, Sarika Lakhani, Laura Mahlberg, Axel Timo Purr, Alexandra Rilli, Elena von Saucken, Frieder Schlaich, Rike Schmid, Rüdiger Suchsland

Von Rüdiger Suchsland

»Das war's, oder das wär's gewesen.«
Günther Koch

»Solang uns Liebe lockt mit Lust und Plagen/
Solang Begeist­rung wechselt und Verzagen,/
Solange wird auf Erden nicht die Zeit,/
Die schreck­liche, die dich­ter­lose tagen.«

Hugo von Hofmanns­thal

Ganz objektiv betrachtet, sind Dekaden natürlich reine Illusion. Nicht nur Astro­logen und andere Psycho­logen erzählen einem, dass mensch­liche Maße anderen Rhythmen folgen, als jenen des Dezi­mal­sys­tems: Dreier- Siebener- oder Zwölfer-Struk­turen stehen hier besonders hoch im Kurs.
Beim nächsten Mal.

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Beginnen wir mir einer Ankün­di­gung, die zugleich die Antwort auf Leser-Fragen ist, die mich öfters erreicht haben. Die heutigen Listen sind die letzten, aller­dings, da Konse­quenz ja ungemein lang­weilig ist, könnte es sein, dass nächste Woche noch eine Handvoll folgen. Die, die es angeht, wissen, dass sie gemeint sind. Was in jedem Fall kommende Woche folgt, ist die Super­Me­gaÜ­berListe, will sagen: Die bilan­zie­rende Gesamt­aus­wer­tung, very nerdy, die alle Listen nach Film­ti­teln, Regis­seuren, Premie­ren­jahren und Ländern zusam­men­führt, eine Art Mosaik des subjek­tiven filmi­schen Kollek­tiv­be­wußt­seins.
Und damit verbunden wollen wir einen Blick auf ein paar Listen anderer werfen, verglei­chen, und Schlüsse ziehen.

+ + +

Was auch folgt, sind einige Gedanken, die ich mir in den letzten Wochen, beim Lesen der Listen der anderen, beim Erinnern, beim Nach­denken über Titel und Tendenzen gemacht habe.
Denn worum es mir eigent­lich bei alldem ging, beim ursprüng­li­chen Impuls, Freunde und Bekannte und Geschätzte um eine Filmliste zu bitten, und nach Gedanken dazu zu fragen, war, heraus­zu­finden, was eigent­lich gerade los ist? Was ist der Stand der Dinge? Was ergibt eine Orts­be­stim­mung unserer filmi­schen Gegenwart?

Es geht darum, Kate­go­rien zu entwi­ckeln, in denen wir weiter­denken, oder überhaupt denken können. Eine Wanderung in schwin­del­erre­gender Höhe und in Nebel­land­schaft, bei dem die Filme, die man gesehen hat, und die die man gesehen haben könnte, sehen sollte, nicht sehen will, ein Geländer bilden.

Die Kate­go­rien, die sich bei mir bis jetzt im Kopf drehen, und mit denen ich in den nächsten Tagen arbeiten will, lauten zum Beispiel: Der Abstieg Asiens. Oder sein uner­war­teter Nicht­auf­stieg. Das merk­wür­dige Beharren Holly­woods. Aber wie beharrt es? Die Forma­tie­rung. Die unserer Wahr­neh­mung. Die der Filme.
Die Finanz­krise: Hat sie nicht eine extrem nach­hal­tige Wirkung auf unsere Gegenwart gehabt?
Die Folgen der Digi­ta­li­sie­rung. Denn Digi­ta­li­sie­rung ist zunächst mal eine Kino­ver­nich­tungs­ge­schichte. Dann auch ein Regime, ein Rein­re­gieren in bisher unab­hän­gige Bereiche. Wer von Digi­ta­li­sie­rung redet, kann von Kapi­ta­lismus also nicht schweigen. Sollte aber auch über Kunst reden. Denn mit Digi­ta­li­sie­rung erleben wir auch die Wieder­kehr der Illusion. Kino ist nicht mehr Photo­gra­phie, es wird zu Malerei.
3-D hat sich als der Fake entpuppt, der es von Anfang an war. Inno­va­tion? Fort­schritt? Wo findet er statt? Welche Regis­seure entwi­ckeln das Kino weiter?
Wer mir dazu noch etwas schicken will, ist will­kommen.

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Was viele Listen­schreiber auf die eine oder andere Weise fest­stellen, ist: Die Zehner waren vergleichs­weise unspan­nend. Geradezu lang­weilig.
So wie es artechock-Kollege Sedat Aslan weiter unten schreibt: »Diese Arbeit machte mir auch klar, dass die 10er Jahre trotz einiger Perlen für mich ein ähnlich stagnie­rendes oder gar abwärts gerich­tetes Kino­jahr­zehnt waren, wie die mitt­ler­weile nost­al­gisch verklärten 80er.« Das geht mir ähnlich.

Ande­rer­seits: Wenn ich die Listen der anderen gelesen, wenn ich die eigene mir schmerz­haft abrang, dachte ich: Wow wie viele super, tolle, sehr gute Filme gab es, wie viele mehr über die zumindest Streit und Debatte lohnen. Kann also alles so schlecht nicht gewesen sein.

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21 films von: Sedat Aslan, Film­kri­tiker, München

21 Filme für das zweite Jahrzehnt des 21. Jahr­hun­derts. Es versteht sich von selbst, das dies ein ewiges Work-in-Progress bleiben wird, da ich viele großar­tige Filme dieses Jahr­zehnts mutmaß­lich noch nicht einmal entdeckt, geschweige denn gesehen habe und viel­leicht auch nie sehen werde. Aber ist dies nicht sowieso nur eine Moment­auf­nahme?

Die Arbeit an dieser Liste hat meine Perspek­tive verschoben und mir gezeigt, dass sich das Kino wesent­lich weniger radikal entwi­ckelt hat, als man etwa nach dem Siegeszug der Smart­phones und dem Wechsel vom analogen zum digitalen Kino in den ausge­henden 00er Jahren gedacht hätte. Viele der meist­ge­lobten Filme der letzten Jahre wie Roma oder The Irishman sind so nost­al­gi­scher Färbung, dass sie auch im letzten Jahr­hun­dert hätten entstanden sein können und dort nicht besonders aufge­fallen wären, und trotzdem haben junge Menschen nicht das Gefühl, totes Material zu sehen. Das moderne Kino ist zäh und langlebig; wir sehen immer noch die Bild­sprache von Hitchcock und Godard, bloß mit schnel­lerer Schnitt­fre­quenz. Wie lange wird das so bleiben?

Diese Arbeit machte mir auch klar, dass die 10er Jahre trotz einiger Perlen für mich ein ähnlich stagnie­rendes oder gar abwärts gerich­tetes Kino­jahr­zehnt waren, wie die mitt­ler­weile nost­al­gisch verklärten 80er. In meiner Lebens­zeit bleiben die über­bor­dend viel­sei­tigen und dyna­mi­schen 90er unüber­troffen, auch die 00er hatten als Schwel­len­jahr­zehnt deutlich mehr zu bieten. Wie leicht könnte ich jeweils dreißig, vierzig, fünfzig unent­behr­liche Titel nennen! In den 10ern zeigten sich die späten Auswir­kungen des 11. Septem­bers und des Sieges­zugs des Neoli­be­ra­lismus, wie sie sich in der Kunst verankert haben. Ich finde in diesem Jahrzehnt (mit einer signi­fi­kanten Ausnahme) keinen Film, der mir so teuer ist wie Pulp Fiction, Fight Club, Lost in Trans­la­tion oder Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Keinen deutschen Film, der es mit Lola rennt, Gegen die Wand oder Sehnsucht aufnehmen könnte, kein Drama, das The Thin Red Line, In the Mood for Love oder Dancer in the Dark über­trifft, keinen Franchise-Film, der The Matrix, Lord of the Rings: The Fellow­ship of the Ring oder Casino Royale das Wasser reichen kann. Zudem hat die erste Hälfte des Jahr­zehnts bei mir ein deut­li­ches Über­ge­wicht. Ist all das ein verklärter, rück­wärts­ge­wandter Blick als Folge des Älter­wer­dens, oder Ausdruck der zuneh­menden Ideen­armut im Kino?

Dennoch konnte ich 21 Filme auftreiben, die zumindest mir unver­gess­lich geblieben sind, was mein einziges Kriterium war.
Ich wünsche mir, dass die »neuen« 20er Jahre uns künst­le­risch ebenso über­for­dern und beglücken wie die »alten« unsere Vorfahren. Ich wünsche mir auch, dass sie dabei politisch stabil bleiben, denn die 90er haben bewiesen, wie sehr das die Kunst beflügelt. Wir sollten die selben Fehler 100 Jahre später nicht unbedingt noch einmal machen.

PS: Ich wünschte auch, ich könnte Danny Boyle nomi­nieren für die Insze­nie­rung der Eröff­nungs­feier der Olym­pi­schen Spiele 2012 in London. Sein bester »Film« seit Train­spot­ting!

In chro­no­lo­gi­scher Reihen­folge:

Cave of Forgotten Dreams (CDN/USA/F/D/GB 2010)
Einer der wenigen Filme mit 3D-Mehrwert; man hat den Eindruck, tatsäch­lich in dieser Höhle zu stehen, kann die Struktur des Marmors geradezu fühlen. Umso tiefer treffen einen die beglei­tenden anthro­po­zen­tri­schen Reflek­tionen Werner Herzogs.

A Sepa­ra­tion (IRN/F 2011)
Der Höhepunkt der Iranian New Wave dieses Jahr­zehnts kommt von Asghar Farhadi, der ein neorea­lis­ti­sches Schei­dungs­drama spannend wie einen Thriller insze­niert, und dabei ein bemer­kens­wertes Ensemble gleich­be­rech­tigt führt.

The Turin Horse (H/F/CH/D/USA 2011)
Eine filmische Fuge der wortlosen Hoff­nungs­lo­sig­keit als würdiger Schluss­punkt von Bela Tarrs Schaffen.

The Tree of Life (USA 2011)
Terrence Malick leitet die Phase seiner Laufbahn ein, in der er über das ganze Jahrzehnt versuchen wird, das Göttliche visuell einzu­fangen. Keiner seiner nach­fol­genden Filme scheitert daran mit so viel Grandezza wie diese Medi­ta­tion über Anfang und Ende des Lebens.

Searching for Sugar Man (S/GB/FIN 2012)
Für diesen doku­men­ta­ri­schen Crowd Pleaser, der leider der einzige Film von Malik Bend­jelloul geblieben ist, habe ich einige profi­lier­tere Filme von der Liste genommen; weil er jeden Menschen anzu­spre­chen vermag, weil er kühn konstru­iert ist und weil er einem unbe­kannte Ever­greens ans Herz legt.

Holy Motors (F/D 2012)
Filmische Liebes­er­klä­rung, Teil I: Leos Carax' verspielte Hommage ans Kino lotet in mehreren Episoden sowohl erzäh­le­risch als auch visuell ein schräges Genre-Potpourri aus und beweist dabei, dass das Ganze in der »Siebten Kunst« immer mehr als die Summe seiner Teile ist.

The Act of Killing (GB/DK/N 2012)
Ein Genozid als Film-im-Film-Burleske: Joshua Oppen­hei­mers kontro­verser Doku­men­tar­film beugt die Grenzen seiner Gattung und erwirkt eine Katharsis, wie sie keiner der Filme in dieser Liste schafft.

The Master (USA 2012)
Paul Thomas Anderson erzählt eine mani­pu­la­tive Männer­be­zie­hung zurück­hal­tend und dennoch voll innerer Wucht.

Frances Ha (USA 2012)
Noah Baumbach und die fantas­ti­sche Greta Gerwig nehmen einen von der ersten Minute an mit ihrem Charme gefangen. Ein Slice-of-Life-Film, von dem man nicht genug bekommt.

Harmony Lessons (KZ/D/F 2013)
Das Debüt von Emir Baighasin wandelt sich von einem skurrilen Coming-of-Age-Drama zu einer wuchtigen Anklage eines menschen­ver­ach­tenden Systems. Eine bemer­kens­werte Symbiose aus Para­dschanow und Kafka.

Ödland – Damit keiner das so mitbe­merkt (D 2013)
Anne Koduras bild­ge­wal­tiger Doku­men­tar­film zeigt Jahre vor Merkels Gren­zöff­nung die graue, aber nicht humorlose Realität von Flücht­lings­kin­dern in der deutschen Ödnis.

Thou Gild'st the Even (TR 2013)
Entzü­ckender Liebes­film von Onur Ünlü, der den magischen Realismus mit der Extra­va­ganz der Moderne wieder­auf­leben lässt.

La Grande Bellezza (I/F 2013)
Paolo Sorren­tino insze­niert die ewige Stadt als Mittel­punkt eines opulenten Festmahls für die Augen. Das müde Gefühl, von dem er erzählt, ist aber nicht auf Rom beschränkt, sondern bezeich­nend für so viele alte euro­päi­sche Metro­polen.

Boyhood (USA 2014)
Ein zeitloser Film über die Zeit: Richard Linklater ist ein Alchimist, der aus einer expe­ri­men­tellen Versuchs­an­ord­nung etwas schafft, das niemals so kalku­liert werden konnte und dessen Ergebnis nicht in Gold aufzu­wiegen ist. Der Film lässt einen wort- und fassungslos ob seiner zärt­li­chen Größe zurück, und ab hier müsste das Kino eigent­lich etwas anderes sein.

Ich will mich nicht künstlich aufregen (D 2014)
Max Linz' diskurs­freu­diges Debüt voll ener­vie­render Chuzpe tanzt frech auf der Rasier­klinge, ohne auch nur den geringsten Hauch von Gefahr zu verun­fallen.

Winter Sleep (TR/F/D 2014)
Nuri Bilge Ceylan hat sich in den 10er Jahren mit einer bemer­kens­werten Reihe dreier epischer Meis­ter­werke selbst über­troffen. Stell­ver­tre­tend dafür steht sein exis­ten­zi­eller »Palme d'Or«-Sieger.

Citi­zen­four (USA/D/GB 2014)
Hoch­span­nender Doku­men­tar­film von Laura Poitras, bei dem es an ein Wunder grenzt, dass er in dieser Form veröf­fent­licht werden konnte, und nach dem man unsere Schöne Neue Welt unwei­ger­lich mit anderen Augen sieht. Zudem der einzige Film auf dieser Liste, der nur aus diesem Jahrzehnt hätte stammen können.

Toni Erdmann (D/A 2016)
Maren Ade braucht nicht mehr als zwei fantas­ti­sche Schau­spieler und ein paar falsche Zähne, um den am weitesten reichenden deutschen Film der 10er zu schaffen.

Roma (USA/MEX 2018)
Filmische Liebes­er­klä­rung, Teil II: Ästhe­tisch wie aus der Zeit gefallen, stellt Alfonso Cuarón eine übliche Neben­figur ins Zentrum und setzt ihr ein elegi­sches und zutiefst mensch­li­ches Denkmal aus profunder Sympathie und Dank­bar­keit.

Parasite (COR 2019)
Jetzt schon ein moderner Klassiker, in dem Bong Joon-Ho einmal mehr Ober- auf Unterwelt prallen lässt, hier in Form einer vergnü­g­li­chen schwarz-sati­ri­schen Operette.

The Irishman (USA 2019)
Martin Scorseses Ballade von einem irischen Mann ist nicht nur eine bittere Tragödie um starr­köp­fige Loyalität, Schuld und Reue, sondern auch der unro­man­ti­sche Schwa­nen­ge­sang auf ein Genre, welches der Meister entschei­dend mitge­prägt hat.

Trotz der gerade nicht hier­ar­chi­schen Auflis­tung erlaube ich mir folgenden Kommentar: mein Joker, also Film Nummer 21, von dem ich bis heute nicht weiß, ob ich ihn großartig oder peinlich finden soll, ist The Tree of Life.
Jeden anderen Film dieser Aufzäh­lung finde ich unein­ge­schränkt hervor­ra­gend bis tran­szen­dental; für mich über allen thront aber als einziger Film der 10er, von dem ich mir sicher bin, dass er in 50 Jahren noch Erwähnung finden wird, Boyhood.

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21 films von: Isabelle Bertolone, Produ­zentin, München

Die langen hellen Tage (Nana Ekvti­mish­vili & Simon Groß, 2013)
Lazzaro felice (Alice Rohr­wa­cher, 2018)
Fragmente meiner Mutter (Britta Schöning, 2015)
Nader und Simin – Eine Trennung (Asghar Farhadi, 2011)
Ava (Léa Mysius, 2017)
Something Better to Come (Hanna Polak, 2014)
Stella (Sanna Lenken, 2015)
Der Wert des Menschen (Stéphane Brizé, 2015)
Only Lovers Left Alive (Jim Jarmusch, 2013)
Jack (Edward Berger, 2014)
Renn, wenn du kannst (Dietrich Brüg­ge­mann, 2010)
Marija (Michael Koch, 2016)
L'avenir (Mia Hansen-Løve, 2016)
Le passé (Asghar Farhadi, 2013)
Of Fathers and Sons (Talal Derki, 2017)
Oh Boy (Jan-Ole Gerster, 2012)
Lore (Cate Shortland, 2012)
Schlaf­krank­heit (Ulrich Köhler, 2011)
The Tree of Life (Terrence Malick, 2011)
Manchester by the Sea (Kenneth Lonergan, 2016)
Der Räuber (Benjamin Heisen­berg, 2010)

Für diese Liste leider ein Jahr zu früh erschienen:

Alle Anderen (Maren Ade, 2009)
Das Summen der Insekten (Peter Liechti, 2009)
Nothing Personal (Urszula Antoniak, 2009)
Das weiße Band (Michael Haneke, 2009)

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21 films von: Stefan Butz­mühlen, Filme­ma­cher, Verleiher, Nürnberg

Adolescentes / Sebastian Lifshitz 2019
Die Sehnsucht der Schwes­tern Gusmão / Karim Aïnouz 2019
Ich war zuhause, aber... / Angela Schanelec 2019
O Que Arde / Oliver Laxe 2019
»Mir ist es egal, ob wir als Barbaren in die Geschichte eingehen« / Radu Jude 2018
Drift / Helena Wittmann 2017
Félicité / Alain Gomis 2017
Zama / Lucrecia Martel 2017
Il cratere / Silvia Luzi, Luca Bellino 2017
And-Ek Ghes / Philip Scheffner, Colorado Velcu 2016
Die Geträumten / Ruth Becker­mann 2016
Eden / Mia Hansen-Løve 2015
Le meravi­glie / Alice Rohr­wa­cher 2014
P'tit Quinquin / Bruno Dumont 2014
L'inconnu du lac / Alain Guiraudie 2013
Like Rats Leaving A Sinking Ship / Vika Kirchen­bauer 2012
Schlaf­krank­heit / Ulrich Köhler 2011
Attenberg / Athina Rachel Tsangari 2010
Orly / Angela Schanelec 2010
Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives / Apichat­pong Weeras­ethakul 2010
Shit Year / Cam Archer 2010

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21 Filme von: Ella Cies­linski, Filme­ma­cherin, München

Filme, die mich angefasst, berührt, inspi­riert haben. Filme, über die ich noch länger nach­ge­dacht, über die ich viel gespro­chen und gestritten habe, die irgendwie hängen geblieben sind, für ihre Bilder, Szenen, Figuren, ihre Form... Filme, die mich über­rascht und heraus­ge­for­dert haben. Filme, die Spaß gemacht haben.

Lieb­lings­filme 2010-2019 – die ersten 21

Wild – Nicolette Krebitz
So Long, My Son – Wang Xiaoshuai
Atlan­tique – Mati Diop
Viktoria – Maja Witkowa
Liberté – Albert Serra
Malgré la nuit – Philippe Gran­drieux
Climax – Gaspar Noé
Suspiria – Luca Guada­gnino
Tabu – Miguel Gomes
Closeness – Kantemir Balagow
Sier­ane­vada – Cristi Puiu
Laurence Anyways – Xavier Dolan
Portrait de la jeune fille en feu – Céline Sciamma
Western – Valeska Grisebach
Die langen hellen Tage – Nana Ekvti­mish­vi­limon und Simon Groß
Ich war zuhause, aber... – Angela Schanelec
Asche ist reines Weiß – Jia Zhangke
Zama – Lucrecia Martel
Glücklich wie Lazzaro – Alice Rohr­wa­cher
Ava – Léa Mysius
Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot – Philip Gröning

Weitere 21

L'inconnu du lac – Alain Guiraudie
Maman, maman, maman – Lucia Margarita Bauer
The human surge – Eduardo Williams
Once upon a time in Hollywood – Quentin Tarantino
My Joy – Sergei Loznitsa
Vor der Morgen­röte – Maria Schrader
Toni Erdmann – Maren Ade
A girl walks home alone at night – Ana Lily Amirpour
Alles, was kommt – Mia Hanse-Love
Neigh­bou­ring Sounds – Kleber Mendonça Filho
Post Tenebras Lux – Carlos Reygadas
Mommy – Xavier Dolan
Nocturama – Bertrand Bonello
Kohlhaas oder die Verhält­nis­mäßig­keit der Mittel – Aron Lehmann
Wild Tales – Damián Szifron
Die Wolken von Sils Maria – Olivier Assayas
The Favourite – Giorgos Lanthimos
Angelo – Markus Schleinzer
Burning – Lee Chang-dong
The House that Jack built – Lars von Trier
Blau ist eine warme Farbe – Abdellatif Kechiche

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21 films von: Tim Fehlbaum, Regisseur, München, Schweiz

Meine drei absoluten Favoriten:

Under the Skin
Arrival
Melan­cholia

Dicht gefolgt von den Nolans:

Inception
Inter­stellar
Dunkirk

Drive
The Revenant
Amour
The Social Network
Ex Machina
Mein Ende. Dein Anfang.
Spring Breakers
The Tree of Life
Toni Erdmann
Zero Dark Thirty
Victoria
Another Earth
Der Räuber
Beasts of the Southern Wild
The Master

*zählt Titanic im Re-Release auch? ;)

+ + +

21 films von: Christoph Gröner, Programm­leiter Filmfest München, München

oje, meine erste Liste überhaupt, und dann stehen da plötzlich viel zu viele Filme, und einige davon fühlen sich pflicht­schuldig an, und was können überhaupt Kriterien sein? Viel­leicht: Von einem Film völlig erwischt sein, geschockt mitunter, geprägt mit Erin­ne­rungs­frag­menten. Dann sind es diese hier.

Poetry, Changdong, 2010
A Sepa­ra­tion, Farhadi, 2011
Drive, Refn, 2011
The Tree of Life, Malick, 2011
Melan­cholia, Von Trier, 2011
Brides­maids, Feig, 2011
Spring Breakers, Korine, 2012
Wie der Wind sich hebt, Miyazaki, 2013
Only Lovers Left Alive, Jarmusch, 2013
L'inconnu du lac, Guiraudie, 2013
La Grande Bellezza, Sorren­tino, 2013
Inter­stellar, Nolan, 2014
Bone Tomahawk, Zahler, 2015
Mad Max – Fury Road, Miller, 2015
The Bad Batch, Amirpour, 2016
Loveless, Zvyag­intsev, 2017
Shoplif­ters, Kore-Eda, 2018
Lazzaro felice, Rohr­wa­cher 2018
First Reformed, Schrader, 2018
Leid und Herr­lich­keit, Almodovar, 2019
Une fille facile, Zlotowski, 2019 Aus nahe­lie­genden Gründen kein deutscher Titel, und doch:

Western, Grisebach, 2017.

+ + +

21 films von: Timm Kröger, Filme­ma­cher, Berlin

The Human Surge (Eduardo Williams)
The Master
Poetry (Lee Chang-dong)
Under the Skin
Nuestro tiempo
Inherent Vice
Once Upon a Time in Anatolia
Heimat ist ein Raum aus Zeit
The Irishman
Das Gelände (Martin Gressmann)
Once Upon a Time... in Hollywood
The Tree of Life
Es werde Stadt – Zum Zustand des Fern­se­hens in Deutsch­land (Dominik Graf)
Good Time (Safdie Bros.)
Burning
Manchester by the Sea
Phantom Thread
First Reformed
Western
Cave of Forgotten Dreams
Roma

+ + +

21 films von: Sarika Lakhani, Produ­zentin, Berlin

Viele »wichtige« Filme der letzten Dekade habe ich schlichtweg einfach nicht gesehen. Ich war viel unterwegs und habe zwei Kinder bekommen. Aber dank Deiner Recher­che­auf­gabe habe ich eine neue »to watch« Liste.

Und mir ist auch aufge­fallen, dass man sich an Filme von der großen Leinwand einfach besser erinnert. Die hinter­lassen wahr­schein­lich einen tieferen Eindruck, auch wenn ich gerne auf dem ipad oder im Flugzeug schaue.

Als ich die Liste so sah, dachte ich, dass all diese Filme doch etwas Zärt­li­ches an sich haben. Manchmal in roher Form, manchmal ganz sanft, oft herzlich und lustig. Es sind nicht immer Meis­ter­werke, aber Filme die mich berührt haben, auf ganz unter­schied­liche Weise.

Ja, einen der Filme habe ich produ­ziert. Weil ich denke, dass dieser Film wichtig ist und sich so wunderbar einreiht in die Liste und mir so nah ist.

Am außer­ge­wöhn­lichsten ist wahr­schein­lich »Faultier« – ein Kurzfilm, den ich mit meinen beiden kleinen Kindern beim inter­film­fes­tival geschaut habe und der meinen Kindern einfach nicht aus dem Kopf geht. Und mich also oft umgibt und in seiner kleinen Form doch die Essenz der Drama­turgie hat, mit Anfang – Mitte – Ende und vor allem: viel Eis!

Un prophète (2009) – Jacques Audiard
Winter­dieb (2012) – Ursula Meier
Polisse (2011) – Maiwenn
Faultier/Sloth (2018 Animation Kurzfilm) – Julia Ocker
Beautiful Boy (2018)
The Florida Project
Blue Valentine (2011)
Darkest Hour
Moneyball (2011)
Timbuktu
Biutiful (2011)
A Sepa­ra­tion (2012)
Fire in the blood
Supa Modo
Parasite
Up (2009)
Flesh Out (2019)
Paradise: Love 2012
Django Unchained (2013)
Samson & Delilah (2009)
Blau ist eine warme Farbe (2013)

+ + +

21 films von: Laura Mahlberg, Regis­seurin, Stuttgart

Parasite – Bong Joon-ho, 2019
Once Upon a Time... in Hollywood – Quentin Tarantino, 2019
Space Dogs – Elsa Kremser, Levin Peter, 2019
The Favourite – Giorgos Lanthimos, 2018
Roma – Alfonso Cuarón, 2018
Der Hauptmann – Robert Schwentke, 2017
War Machine – David Michôd, 2017
Dunkirk – Chris­to­pher Nolan, 2017
Moonlight – Berry Jenkins, 2016
Slow West – John Maclean, 2015
The Lobster – Giorgos Lanthimos, 2015
Knight of Cups – Terrence Malick, 2015
The Rover – David Michôd, 2014
A Girl Walks Home Alone At Night – Ana Lily Amirpour, 2014
Under the Skin – Jonathan Glazer, 2013
Nebraska – Alexander Payne, 2013
Spring Breakers – Harmony Korine, 2012
Holy Motors – Leos Carax, 2012
Paradies: Liebe – Ulrich Seidl, 2012
Melan­cholia – Lars von Trier, 2011
We Need to Talk About Kevin – Lynne Ramsay, 2011

+ + +

21 films von: Axel Timo Purr, Film- und Lite­ra­tur­kri­tiker, Afri­ka­nist, München

Mein Stück vom Kuchen (2011), Cédric Klapisch
Meek's Cutoff (2011), Kelly Reichardt
Looper (2012), Rian Johnson
Searching for Sugar Man (2012), Malik Bend­jelloul
Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (2013), Edgar Reitz
Stories We Tell (2014), Sarah Polley
Die Legende der Prin­zessin Kaguya (2014), Isao Takahata
Sicario (2015), Denis Ville­neuve,
Der Marsianer (2015), Ridley Scott
Inherent Vice (2015), Paul Thomas Anderson
Leviathan (2015), Andrei Petro­witsch Swja­ginzew
Unsere kleine Schwester (2015), Hirokazu Koreeda
American Honey (2016), Andrea Arnold
The Big Short (2016), Adam McKay
20th Century Women (2016), Mike Mills
Zoomania (2016), Byron Howard, Rich Moore
Hell or High Water (2017), David Mackenzie
Mein Leben als Zucchini (2017), Claude Barras
Manchester by the Sea (2017), Kenneth Lonergan
Der Hauptmann (2018), Robert Schwentke
Bis dann, mein Sohn (2019), Wang Xiaoshuai

21 Filme brennen ein ganzes Jahrzehnt auf gefühlte 21 Tage zusammen, alles andere, das ganze Leben ist wie ausgelöscht – der tolle Fußball, die wenigen, aber großen Momente im Theater (zuletzt »Dionysos Stadt«), eine der besten Video­in­stal­la­tionen des Jahr­zehnts (Lisa Reihanas Mehrkanal-Video­ar­beit »In Pursuit of Venus (infected)«) und natürlich die Literatur, das Jahrzehnt der großen auto­bio­gra­fi­schen Literatur von Ernaux bis Knausgard. Und dann wurde das serielle Erzählen für das Fernsehen (fast) neu erfunden, die »Kinematik des Erzählens«, wie es Helmut Müller-Sieverts das in seinem großar­tigen Aufsatz genannt hat, mit Bezügen bis ins tiefe 19. Jahr­hun­dert. Serien wie „Breaking Bad“ (2008-2013) und die erste Staffel von „True Detective“ (2014) gehören für mich zu den großen filmi­schen Momenten des Jahr­zehnts, sind so intensive Erin­ne­rungen, dass ich nicht nur die Folgen und Staffeln wie ein Daumen­kino abrufen kann, sondern auch mich immer in den Räumen sehe, in denen ich gesessen und gesehen habe, auch das so klar, wie ich mich noch nie zuvor als Betrachter gesehen habe, mit einer Ausnahme viel­leicht – meiner jahre­langen filmi­schen Reise durch die großen alten Kino­paläste Kairos und Nairobis.

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21 films von: Alexandra Rilli, Produ­zentin, Stuttgart

Ich bin über­rascht, wie schnell ich mich für 21 inter­es­sante Filme der letzten 10 Jahre entscheiden konnte. Das hatte ich mir zunächst schwie­riger vorge­stellt.
Es sind meines Erachtens alles inter­es­sante Arbeiten, die man gesehen haben sollte. Nichts davon hat mich jedoch besonders geprägt oder verändert (Ausnahme: die Filme Costas (die Mehrzahl leider vor 2010) und The Lobster).
Spannend war für mich oft das Visuelle (Obscuro Barroco, Leviathan, Roy Anderson), aber auch der schräge Sinn für Humor (Swiss Army Man, The Lobster). Ich habe das Gefühl, dass sich die Kinowelt gerade wieder stark verändert und das fühlt sich gut an. Außerdem bin ich sehr gespannt darauf, wie der filmische Raum weiter­ge­dacht wird.
Was war bei mir eigent­lich 2011 los?

Der Tag des Spatzen – Philip Scheffner 2010
Melan­cholia – Lars von Trier 2010
Boxing Gym – Frederick Wiseman 2010
Spring Breakers – Harmony Korine 2012
Leviathan – Lucien Castaing-Taylor, Véréna Paravel 2012
The Canyons – Paul Schrader 2013
Horse Money – Pedro Costa 2014
The Lobster – Giorgos Lanthimos 2015
Right Now, Wrong Then – Hong Sang-soo 2015
En duva satt på en gren och funderade på tillvaron (Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach) – Roy Anderson 2015
Paterson – Jim Jarmusch 2016
Aloys – Tobias Nölle 2016
Moonlight – Barry Jenkins 2016
Swiss Army Man – Daniel Kwan, Daniel Scheinert 2016
The Florida Project – Sean Baker 2017
Untitled – Michael Glawogger 2017
Obscuro Barroco – Evangelia Kranioti 2018
Transit – Christian Petzold 2018
Roma – Alfonso Cuarón 2018
Our madness – João Viana 2018
The Light­house – Robert Eggers 2019

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21 Filme von: Elena von Saucken, Dreh­buch­au­torin, Berlin

1,2 WIE DAS JAHRZEHNT BEGANN UND ICH NOCH NICHT DIE WAR DIE ICH HEUTE IMMER NOCH NICHT BIN
Winter's Bone D/W: Debra Granik 2010
A Sepa­ra­tion D/W: Asghar Farhadi 2011

3 UNVERGESSEN
Boyhood R/D: Richard Linklater 2014

4 ÜBER KUNST
Gerhard Richter – Painting R/D: Corinna Belz 2011

5 ÜBER CHINA
Ai Weiwei Never Sorry R/D: Alison Klayman 2012
Asche ist reines Weiß R/D: Zhangke Jia 2018

6 ÜBER HEUTE
Citi­zen­four R/D: Laura Poitras 2014

7 ÜBER MUT
Born in Evin R/D: Maryam Zaree 2019

8 COMEDY
The Square R/D: Ruben Östlund 2017

9,10,11 MEISTE TRÄNEN
120 BPM R: Robin Campillo D: Robin Campillo, Philippe Mangeot 2017
Manchester by the Sea, R/D: Kenneth Lonergan 2017
Wild R: Jean-Marc Valley, D: Nick Hornby, Chery Strayed 2014

12 BESTES COMEBACK
Birdman R: Alejandro González Iñárritu D: Iñárritu, Nicolas Giao­co­bone, Alexander Dinelaris Armando Bo 2014

13 14 15 VIRTUOS
Roma R/D: Alfonso Cuarón 2019
The Favourite R: Jorgo Lathimos D. Deborah Davis, Tony McNamara 2019
La La Land R/D: Damien Chazelle (*1985) 2016

18 GERMAN PRIDE
Toni Erdmann R/D: Maren Ade 2016

17 LIFE CHANGING EXPERIENCE
Carne y arena R/D: Alejandro González Iñárritu 2017

18 COMING OF AGE FOREVER
Lady Bird R/D: Greta Gerwig 2019

19 MUTTERLIEBE
Félicité R/D: Alain Gomis 2017

20 NOCH MEHR LIEBE
Amour R/D: Michael Haneke 2012

21 FRISCHE LIEBE (MEINE)
Queen & Slim R: Melina Matsoukas D: Lena Waithe 2019

22 VERPASST. STELLVERTRETEND FÜR ALLE ANDEREN. UND DAMIT NICHT TEIL DER 21 FILME. STAND: 05.02.2019 22:36
Call Me by Your Name

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21 films von: Frieder Schlaich, Produzent, Verleiher, Regisseur, Berlin

2010
Fish Tank von Andrea Arnold
The Yellow Sea von Na Hong-Jin
Herzens­bre­cher von Xavier Dolan (stell­ver­tre­tend für alle seine Filme!)

2011
Timbuktu von Abder­rah­mane Sissako

2012
Holy Motors von Leos Carax
Conti­nuity – Kurzfilm von Omer Fast

2013
Aus dem Leben eines Schrott­samm­lers von Danis Tanovic

2014
Die Wolken von Sils Maria von Olivier Assayas
Mord in Pacot von Raoul Peck
Land der Wunder von Alice Rohr­wa­cher
Geschichte meines Todes von Albert Serra (stell­ver­tre­tend für alle seine Filme!)
Under the Skin von Jonathan Glazer

2016
Ich, Daniel Blake von Ken Loach

2017
Blind & Hässlich von Tom Lass
Félicité von Alain Gomis
Cocote von Nelson Carlo de los Santos Arias

2018
Der Hauptmann von Robert Schwentke
Border von Ali Abbasi
Suspiria von Luca Guada­gnino

2019
The Mule von Clint Eastwood
Oleg Juris Kursietis

Bonus:

2010
La Pivellina von Tizza Covi und Rainer Frimmel

2011
Nader und Simin von Asghar Farhadi
Blue Valentine von Derek Cian­france

2015
Leviathan von Andrey Zvyag­intsev
Das Wetter in geschlos­senen Räumen von Isabelle Stever

2017
Felicité von Alain Gomis

2018
Sister Brothers Jacques Audiards

2019
Portrait einer jungen Frau in Flammen von Céline Sciamma
Die Sehnsucht der Schwes­tern Gusmao von Karim Ainouz

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21 films von: Rike Schmid, Schau­spie­lerin, Berlin

Meine 21 Lieb­lings­filme der letzten Dekade. Kein Problem, dachte ich. Und dann dachte ich: Um Himmels willen, wie soll ich mich entscheiden!?!? So viele Filme haben mich begeis­tert, bedrückt und aufgeregt.

Es gab jetzt schon Klassiker wie »Grand Budapest Hotel« (2014), » Boyhood« (2014) oder »Three Bill­boards Outside Ebbing, Missouri« (2017).
Große Schau­spie­le­rin­nen­filme wie 2010 »Winter's Bone« (Jennifer Lawrence!), 2011 »Margaret« (Anna Paquin!) oder 2016 »Toni Erdmann« (Sandra Hüller!).
Neue Regiew­under wie Xavier Dolan (u.a. »Mommy«), Jan-Ole Gerster mit »Oh Boy«, Nora Finger­scheidt mit » System­sprenger«.

Mir fiel auf, wie viele großar­tige Doku­men­tar­filme ich, insbe­son­dere auch aus Deutsch­land, gesehen hatte. Etwa »Vater­lands­ver­räter« von Anne­katrin Hendel (2011), » Gerhard Richter – Painting« (2011) von Corinna Belz oder »Hitlers Hollywood« (2017) von Rüdiger Suchsland.
Dann kühne deutsche Filme wie »Victoria« (eine Einstel­lung) oder »Mackie Messer – Brechts Drei­gro­schen­film« (ein poli­ti­scher Film, in dem getanzt wird). Aus Europa zum Beispiel den aufwüh­lenden »Son of Saul« des Ungarn Laszlo Nemes Jeles oder eines der tollsten Debüts, »Nach dem Urteil«, vom fran­zö­si­schen Schau­spieler Xavier Legrand. Perlen des Weltkinos wie »Shoplif­ters« aus Japan oder »Die Sehnsucht der Schwes­tern Gusmão« aus Brasilien. Außerdem gefeierte Filme wie »Grande Bellezza«, »Birdman«, »Call Me by Your Name« oder »Joker«, die mich seltsam zwie­ge­spalten nach­denk­lich gemacht haben. Und noch so so vieles mehr, das ich gesehen und nicht gesehen habe.

In jedem Fall war es eine schöne Aufgabe, über meine Kino­er­leb­nisse des letzten Jahr­zehnts nach­zu­denken. Denn bei allem berech­tigten und wichtigen Ärger über die Industrie und das System, und der Invasion der Strea­ming­dienste, der auch ich mit ihren vielen tollen Serien erlegen bin, ist mir wieder bewusst geworden, wie groß und beglü­ckend das Kino ist. Hier die Filme, die mir in unter­schied­li­cher Hinsicht und im besten Sinne beson­deres Herz- und Kopf­zer­bre­chen bereitet haben:

Renn, wenn du kannst (2010) R: Dietrich Brüg­ge­mann
Nein, das ist kein fran­zö­si­scher Film. Das sind Anna und Dietrich Brüg­ge­mann.

Nader und Simin – Eine Trennung (2011) R: Asghar Farhadi
Schlicht und ergrei­fend.

Die Unsicht­bare (2011) R: Christian Schwochow
Feinste filmische Beob­achter sozialer (Macht-) Struk­turen: Heide und Christian Schwochow

Der Fall Chodor­kovsky (2011) R: Cyril Tuschi
Einblicke in Paral­lel­welten, dank solch mutiger Doku­men­ta­tionen.

Django Unchained (2012) R: Quentin Tarantino
Meines Erachtens der klügste Tarantino. Und: Leo!

Frances Ha (2012) R: Noah Baumbach
Alle lieben Greta Gerwig. Ich auch.

Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) R: Jacques Audiard
Schönste Liebes­ge­schichte ever. Cotillard und Schoe­na­erts sind zum Nieder­knien .

The Wolf of Wall Street (2013) R: Martin Scorcese
Nie werde ich verstehen, warum Leo nicht dafür schon den Oscar bekam.

Alphabet (2013) R: Erwin Wagen­hofer
Hat jemand den Film zwecks Bildungs­re­form schon an den Bundestag geschickt?

Citi­zen­four (2014) R: Laura Poitras
Die unfassbar wahre Geschichte über einen mensch­li­chen Über­men­schen. Danke, Laura Poitras.

Mon roi (2015) R: Maïwenn
Glän­zendes Portrait einer ganz bestimmten Sorte Mann, einge­fangen von Regis­seurin Maïwenn.

The Diary of a Teenage Girl (2015) R: Marielle Heller
»I am a fucking woman and it is my life.«

Tommaso (2016) R: Kim Rossi Stuart
Ein Schau­spieler in der Midlife­crisis. Herrlich.

Raving Iran (2016) R: Susanne Regina Meures
Not macht erfin­de­risch.

Denial (2016) R: Mick Jackson
Gegen Verleug­nung, Verdrän­gung, Vergessen.

Fuocammare (2016) R: Gian­franco Rosi
Schmerz­volle euro­päi­sche Wirk­lich­keit.

Detroit (2017) R: Kathryn Bigelow
Aufrüt­telnd: die histo­ri­schen Fakten, der Film und die Debatte über beides.

Blind & Hässlich (2017) R: Tom Lass
Ein Film, der findet, dass sich Zärt­lich­keit und Humor nicht ausschließen. Das finde ich gut.

Mandy – Das Sozi­al­drama (2017) R: Aron Craemer
Revo­lu­tion, Baby

Sulla mia pelle (2018) R: Alessio Cremonini
»Unter meiner Haut« wird seinem Titel gerecht, absolut eindring­lich. Perfektes Drehbuch von Cremonini und Lisa Nur Sultan.

Parasite (2019) R: Bong Joon-ho
Mein Liebling 2019

»Was Menschen mit Menschen tun«. Ich werde die Bilder nie vergessen. Dieser Film steht für sich:
Night Will Fall (2015) von André & Linette Singer
https://www.spiegel.de/kultur/tv/auschwitz-night-will-fall-von-hitchcock-ueber-holocaust-und-kz-a-1014970.html

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21 films von: Rüdiger Suchsland, Film­kri­tiker, Regisseur, Berlin

Mission: Impos­sible – Fallout

Den Begriff Lieb­lings­filme kann man hier gar nicht ernst genug nehmen. Dass die persön­li­chen »Guilty Pleasures« da eine wesent­liche Rolle spielen müssen, ist essen­tiell. Rein »objektiv« betrachtet, in Begriffen heraus­ra­genden, souver­änen Filme­ma­chens, müsste natürlich irgendein Film von Lanthimos (vermut­lich »The Killing of a Sacred Deer« noch eher als »The Lobster«) auf diese Liste, wenn sie die Höhe­punkte, die objek­tiven, »des« Kinos der Zehner reprä­sen­tieren soll. Genauso wie »Sier­ane­vada« (vom Rumänen Cristi Puiu), der 2016 die Goldene Palme hätte gewinnen MÜSSEN, nicht etwa »Toni Erdmann«, aber genauso wie dieser komplett übersehen wurde gegenüber einem mediokren Film des eh schon banalen Jacques Audiard. Beide Filme schätze ich ungemein, aber am Ende, so großartig sie sind, reprä­sen­tieren sie einfach nicht so sehr »mein Kino«, das was ich vom Kino ganz am Ende des Tages will. Das reprä­sen­tieren »Valerian« von Luc Besson und »Mission: Impos­sible« von Chris­to­pher McQuarrie, die nicht weniger großartig sind, aber in ganz anderer Weise, schon weitaus mehr.
Das tut auch Gaspard Noe und die Wucht und riefen­stah­leske »Bosheit« von Climax ist benei­dens­wert, so sehr, dass sie am Ende alle Zweifel hinweg­fegt. Darum geht's.

Also musste ein Gleich­ge­wicht gefunden werden, das die verschie­denen Gelüste glei­cher­maßen abdeckt, und das nur in einem wirklich verbunden ist: Dass alle genannten Filme mich im Augen­blick des Sehens ungemein glücklich gemacht haben, dass das Gefühl danach nicht nachließ, und dass dieser Eindruck stand­hielt bis heute, wenn ich an sie zurück­denke.

Dazu: Im Zweifel für den Zweifel.
Im Zweifel wurde der Zeitraum verengt, also keine Festi­val­pre­mieren 2009, darum kein Haneke, kein »White Material«, kein »Summer Wars« und damit doch gar kein Anime.

Im Zweifel auch gegen alte Verdienste, darum keine Claire Denis, kein Scorsese, kein Tarantino, kein Coppola Vater/Tochter, kein De Palma.

Es ist keine Absicht, dass kein einziger deutscher darunter ist. Aber es stört mich auch nicht.

Und: Dürfen Regis­seure doppelt sein? Ich habe mich entschieden, das auszu­schließen, das erleich­tert die Sache.

Kino für mich sind am Ende des Tages Bilder, nicht Handlung; visuelle Chocs, nicht Medi­ta­tion; Verfüh­rung, nicht Über­re­dung; nicht Plot, aber Gedanken.

Adieu au langage; Jean Luc Godard; 2014
Arrival; Denis Ville­neuve; 2016
Ava; Léa Mysius; 2017
»Belle Epine«; Rebecca Zlotowski; 2010
Burning; Lee Chang-dong; 2018
»Childhood of a Leader«; Brady Corbet; 2015
Climax; Gaspard Noe; 2018
Drive; Nicholas Winding Refn, 2011
»L'empire de la perfec­tion«; Julien Faraut; 2018
Inter­stellar; Chris­to­pher Nolan; 2014
Leto; Kiril Sere­bren­nikov; 2018
Mission: Impos­sible – Fallout Chris­to­pher McQuarrie; 2018
Song to Song; Terrence Malick; 2017
Spring Breakers; Harmony Korine, 2012
Still the Water; Naomi Kawase; 2014
»Trois Souvenirs de ma Jeunesse«; Arnaud Desplechin; 2015
Valerian; Luc Besson; 2017
La vie d'Adèle; Abdellativ Kechiche; 2013
The Yellow Sea; Na Hong-Jin, 2010
Zama; Lucretia Martel; 2017
»Zombie Child«; Bertrand Bonello; 2019

»The Shadow Play«; Lou Ye, 2018
= der 22. Film. Der eine, der nur deshalb raus­ge­flogen ist, weil es nur 21 sein durften und aus keinem anderen Grund.
Es standen zwei andere Filme am Schluss noch auf der Kippe, nämlich Zama und Climax. Die blieben drin. Climax weil... s.o.

Zama weil er ein wunder­barer Rumhänger-Film ist, passi­vis­tisch, weil er einfach da ist, und den Zuschauer zufrieden lässt, weil er unglaub­lich viele Facetten hat, die er alle nur andeutet, weil in seinem Kern ein großes Rätsel steckt, weil er den Teil des »medi­ta­tiven« und »mini­ma­lis­ti­schen« Kinos reprä­sen­tiert, den ich lieben kann, und auf eine ganz sonder­bare Art Verständnis, ja sogar: Nostalgie für den Kolo­nia­lismus formu­liert. Das war mir sympa­thisch.
Und es spielt in meiner Lieb­lings­epoche: Der von Napoleon, Hegel und Kleist.

Weitere 25:

»Apres May«
»Bande des Filles«
»Sier­ane­vada«
»Suspiria«
»It Follows«
»Miss Bala«
»Mustang«
»Elle«
»The Canyons«
»Django Unchained«
»Nocturnal Animals«
»Mate me por favor« Anita Roche da Silveira Brasilien 2015
»My Little Sister« (Hirokazu Kore-eda)
»Sunset«
»Die Taschen­spie­lerin« Park Chan-wook
»Melan­cholia«
»Atlan­tique«
»Wolf of Wall Street«
»Spotlight«
»The Untamed«
»Roma«
»Lawinen der Erin­ne­rung«, Dominik Graf
»Zerrum­pelt Herz«
»Drift«
»Wild«

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