»Kinder sind kein Genre« |
![]() |
|
| »Checker Tobi« Tobias Krell | ||
| (Foto: Hans F. Hopfner) | ||
Tobias „Tobi“ Krell (*29. April 1986 in Mainz) ist ein deutscher Fernsehmoderator, Reporter und Redakteur, bekannt als Moderator und Namensgeber der Kinderwissenssendung Checker Tobi, die seit 2013 regelmäßig im KiKA und im Ersten ausgestrahlt wird. Nach dem Abitur arbeitete Krell in verschiedenen Medien und studierte Soziologie, Politikwissenschaft sowie Medienwissenschaft, letztere mit Abschluss 2014 an der Konrad-Wolf-Hochschule für Film und Fernsehen . Von 2013 bis 2021 hat er über 130 Themen für Kinder gecheckt. Seine Kinofilm-Reihe startete 2019 mit Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten, gefolgt 2023 von Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen; 2026 erscheint der dritte Kinofilm. Krell führte Rollen in Kinofilmen und publizierte Sachbücher für Kinder. Seit 2021 leitet er das CineKindl des Filmfest München.. Er lebt in München und wurde 2025 Vater.
Axel Timo Purr traf Krell im SAX im Münchner Glockenbachviertel anlässlich seines neuen Films, Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde.
artechock: Ich möchte mit einer Frage anfangen, die mein 15-jähriger Sohn gestellt hat. Ihn interessiert ganz grundsätzlich, wie weit die Person Tobias Krell und die Figur Checker Tobi eigentlich identisch sind. Wie viel von dir selbst steckt in dieser Rolle? Reist du privat genauso gern? Und lässt sich deine Persönlichkeit tatsächlich eins zu eins in den Film übertragen? Das ist ja immer die zentrale Frage bei so stark personen-zentrierten Filmen.
Tobias Krell: Eins zu eins würde ich sagen: eher nicht. Aber dadurch, dass es das Format jetzt schon seit 13 Jahren gibt und ich 39 bin, heißt das natürlich auch, dass ich ein gutes Drittel meines Lebens diese Kunstfigur Checker Tobi bin. Und in so einem Zeitraum lässt sich das irgendwann kaum noch trennen. Das ist längst miteinander verschmolzen.
Und das ist auch gut so. Ein großer Teil der Persönlichkeit, die ich als privater Mensch
habe, ist ganz selbstverständlich in diese Sendung eingeflossen. Ich wäre nicht schon so lange diese neugierige Entdeckerfigur, wenn ich nicht im echten Leben neugierig wäre. Das könnte man nicht spielen. Ich bin ja kein Schauspieler, überhaupt nicht, sondern komme aus dem Journalismus.
Insofern ist das alles sehr eng miteinander verwachsen. Gleichzeitig würde ich schon sagen: Der private Tobias Krell ist noch einmal anders als der neugierige Entdecker für Kinder. Er ist
vielleicht komplexer, auch widersprüchlicher. Aber umgekehrt gäbe es den Entdecker für die Kinder nicht, wenn ich nicht so wäre, wie ich bin. Das bedingt sich gegenseitig.
artechock: Ist diese Rolle manchmal auch ein Korsett? Würdest du dir gelegentlich wünschen, aus dieser Figur herauszutreten, die du ja schon sehr lange mit dir trägst? Das kennt man ja auch von großen Komikern, die sich irgendwann bewusst ernstere Rollen schreiben wollten. Woody Allen hat sich irgendwann gefragt: Ich möchte jetzt traurige Filme machen – und hat dann September gedreht.
Tobias Krell: September ist ein toller Film, völlig unterschätzt. Und Mia Farrow ist großartig darin. Ein Korsett ist meine Rolle für mich persönlich eigentlich nicht. Zumindest fühlt es sich nicht so an. Du hast ja vorhin auch gefragt, ob ich privat gern reise. Alles, was der Checker mitbringt – Neugier, Unterwegssein, Lust auf neue Erfahrungen –, entspricht ziemlich genau dem, was ich privat gut finde und wie ich mich auch beruflich entfalten möchte. Insofern empfinde ich das nicht als Einengung. Wenn überhaupt, dann entsteht dieses Korsett durch die Wahrnehmung von außen. Also durch Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, denen es manchmal schwerfällt, sich einen Tobias Krell vorzustellen, der nicht für ein Kinderpublikum arbeitet. Das ist vielleicht das Korsettigste daran. Das kennt man von vielen Marken oder Figuren. Du hast es ja angesprochen: bei Komikern, bei Schauspielern, bei Figuren wie Mutter Beimer, die nie wieder etwas anderes spielen konnte. Oder auch Tatort-Kommissare, denen es nach Jahren schwerfällt, aus dieser Rolle herauszukommen. Ich glaube für uns alle, die lange im Kinderfernsehen arbeiten, ist es schwieriger, im Erwachsenenfernsehen Fuß zu fassen, weil viele Verantwortliche gar keinen wirklichen Blick für unsere Arbeit haben. Und das hängt damit zusammen, dass Kinder oft mit einem Genre verwechselt werden. Dabei sind Kinder natürlich kein Genre, sondern einfach ein anderes Publikum. Dann heißt es schnell: »Nee, das Genre, das der kann, ist Kinder.« Aber ich mache Reportagen, es gibt Kindernachrichten, es gibt Kinderfiktion – es gibt eigentlich alles. Warum sollten die Menschen, die solche Formate für Kinder entwickeln, diese Genres nicht auch für ein anderes Publikum bedienen können?
artechock: Bei deinen Kinofilmen – auch beim neuen – musste ich an Heinz Sielmann denken, diesen großen Tierfilmer der 1970er-Jahre, der Expeditionen ins Fernsehen gebracht hat. Er hat es geschafft, Kinder wie Erwachsene gleichermaßen anzusprechen: spannend für Kinder, seriös für Erwachsene. Er ist diesem Schubladendenken ein Stück weit entgangen. Anders ist es, wenn ich an die Sendung mit der Maus denke: Christoph und die anderen sind mit der Sendung gealtert. Wäre es für dich auch eine Vision, noch mit 70 oder 80 der Checker zu sein?
Tobias Krell: Bis 70 oder 80 weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass wir aktuell noch eine Staffel produzieren, die bis Ende 2026 läuft. Und der BR – das muss man auch mal sagen – beauftragt immer wieder eine erfreulich große Zahl von Folgen für jeweils zwei Jahre. Das ist ein sehr angenehmes Arbeiten und zeigt großes Vertrauen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich danach unbedingt die Segel streichen möchte. Ob ich mit 50 noch Checker Tobi bin, weiß ich nicht. Ich werde jetzt bald 40. Aber man sieht ja bei der Sendung mit der Maus, dass man auch älter werden kann und trotzdem glaubwürdig Jugendarbeit leistet. Man muss nicht jung sein, um ein junges Publikum zu erreichen. Entscheidend ist die Haltung. Es geht darum, Kinder ernst zu nehmen und ihnen nicht das Gefühl zu geben, da versucht jemand krampfhaft, jünger zu sein, als er ist. Dieses „Forever Young“-Ding funktioniert nicht. Kinder merken das sofort.
artechock: Absolut. Dann verlieren sie sofort das Interesse – und das ist auch verständlich. Was mich noch interessiert: Beim neuen Film, der ja Madagaskar, Spitzbergen und Mexiko ins Zentrum stellt – wie viel Mitspracherecht hattest du eigentlich bei Drehbuch und Regie? Regie und Buch sind ja offiziell Antonia Simm zugeschrieben. Ist das eine echte Zusammenarbeit oder eher etwas Monolithisches?
Tobias Krell: Überhaupt nicht monolithisch. Es ist inzwischen der dritte Kinofilm, und alle Regisseurinnen und Autoren – jetzt eben Antonia – sind keine extern hinzugeholten Leute, sondern im Checker-Tobi-Fernsehformat groß geworden. Antonia hat sogar ihr Volontariat bei uns gemacht. Die Filme entstehen im Prinzip genauso wie die Sendung: in einem Miteinander. Ich habe alle drei Filme mitgeschrieben oder zumindest miterdacht. Jetzt, beim dritten Film hatten wir sogar erstmals einen Writers’ Room mit fünf weiteren Autorinnen und Autoren, in dem wir die Handlung gemeinsam entwickelt haben.
artechock: Das hatte ich mir gedacht. Das Narrativ ist deutlich komplexer: die Kindheitsebene, das Alter Ego, das sind Dinge, die es vorher so nicht gab. Man spürt einen Drang zu mehr. Auch dieses ausgiebige Indiana Jones-Zitat …
Tobias Krell: Ja, die Handlung ist komplexer, und sie ist im Writers’ Room entstanden. Ich bin da natürlich beteiligt, führe aber nicht Regie. Weil ich das Format bin und die Kinoformate mitgeprägt habe, und weil die Menschen, mit denen ich arbeite, eher Freunde als Kollegen sind, ist das Arbeiten sehr offen. Wenn ich eine Idee habe, probieren wir sie aus. Die Indiana-Jones-Anspielung war so ein Einfall. Ich habe diese Filme als Jugendlicher geliebt, und als klar war, dass wir im mexikanischen Dschungel vor diesen Pyramiden stehen würden, dachte ich: Das müssen wir machen. Ich bin keiner, der ein fertiges Buch bekommt, es liest und sich dann etwas für seine Rolle überlegt. Ich weiß gar nicht, ob ich das könnte. Für externe Regisseure wäre es wahrscheinlich eher anstrengend, mit mir zu arbeiten. Aber wir sind seit Jahren ein eingespieltes, sehr durchlässiges Team.
artechock: Im Zentrum steht klar der Umweltaspekt, also ein Bewusstsein für unseren Planeten zu schaffen. Was mir bei Madagaskar gefehlt hat, ist das Politische – genauso wie in Mexiko oder auf Spitzbergen mit der russischen Einflussnahme. Jeder dieser Orte ist ja hochpolitisch. Warum erzählt ihr das nicht stärker?
Tobias Krell: Aus mehreren Gründen. Erstens wollten wir den Film nicht überfrachten. Wir wussten, dass wir neben dem Metathema Kindheit, Jugend, Erwachsenwerden und der äußeren Abenteuerhandlung im Grunde nur einen weiteren großen Strang erzählen können: die Klimakrise – fossile Energieträger, Permafrost, Boden. Wenn wir dann noch eine weitere Ebene aufgemacht hätten – Madagaskar als eines der ärmsten Länder der Welt, Russlands Nähe zu Longyearbyen, die Situation indigener Gemeinschaften in Mexiko –, hätten wir vier weitere Filme machen können. Das ist alles hochspannend, da bekomme ich sofort Lust auf mehr. Wir haben das nicht ausgelassen, weil es uns zu komplex wäre. In den Fernsehsendungen gehen wir sehr schwere Themen an, wir haben sogar schon über den Holocaust für Grundschulkinder gearbeitet. Aber hier hätte es schlicht den Rahmen gesprengt. Gleichzeitig war Madagaskar für mich persönlich die prägendste Erfahrung überhaupt. Eine solche Armut habe ich noch nirgendwo gesehen. Kinder, die auf dem Mittelstreifen einer Autobahn leben – das vergisst man nicht. Und darüber spreche ich auch mit Kindern auf den Kinotouren, wenn sie Fragen stellen.
artechock: Der Film ist ohnehin narrativ extrem anspruchsvoll – mit Rahmenhandlung, Kindheits-Alter-Ego, fast schon ein Schritt vom Dokumentarischen ins Spielfilmhafte.
Tobias Krell: Alle Szenen mit dem kleinen Tobi sind Spielfilm. Gleichzeitig haben wir – stärker als beim zweiten Film mit Checkerin Marina – bewusst wieder mehr dokumentarische Situationen gesucht, etwa in Madagaskar mit echten Protagonistinnen. Aber es bleibt ein riesiger Spagat: Unsere Filme sollen Vier- oder Fünfjährige mitnehmen, Grundschulkinder begeistern, Zwölfjährige nicht verlieren, im besten Fall auch Teenager erreichen – und die Eltern nicht langweilen. Diese Balance nicht zu über- und nicht zu unterfordern, ist ein ständiger Drahtseilakt.
artechock: Das ist die große Kunst des Familienfilms.
Tobias Krell: Die meistens die Amerikaner perfektioniert haben. Pixar zum Beispiel.
artechock: artechock: Oder Spielberg, E.T. – Der Außerirdische, Scorsese mit Hugo Cabret. Dein Film wird sicher die Millionengrenze überschreiten – auch wegen der Kombination aus TV-Marke und Kino. Gleichzeitig laufen herausragende Jugenddokumentarfilme wie Zirkuskind nur ein, zwei Wochen im Kino – und das war’s dann. Kinos trauen sich oft nicht, solche Kinder- oder Jugendfilme länger zu zeigen, selbst wenn sie ausgezeichnet sind, meinetwegen vom Verband der deutschen Filmkritik oder Zirkuskind auf dem tollen Doxs-Ruhr Festival mit dem Preis der ECFA. Weil sie natürlich das Gefühl haben: Da kommt niemand. Und in vielen Fällen stimmt das ja leider auch. Und ich frage mich dann: Verändern Filme wie deiner – und mehr noch so etwas wie Die Schule der magischen Tiere, also diese großen Blockbuster-Kinderfilme – nicht die Sehgewohnheiten nachhaltig? Kinder werden dann sehr früh an ein bestimmtes Tempo, an einen bestimmten „Event“-Charakter, an eine bestimmte Dramaturgie gewöhnt. Und danach ist es schwer, überhaupt noch zurückzukehren zu ruhigeren, dokumentarischen, vielleicht auch sperrigeren Formen, die weniger Spektakel anbieten, dafür aber andere Qualitäten. Da du ja das Cinekindl beim Münchner Filmfest leitest und einen guten Überblick hast: Wie siehst du die Situation? Wie kann man diesem Mechanismus entgehen – oder anders herum: Wie kann man gezielt fördern, dass solche kleineren Filme eine Chance bekommen?
Tobias Krell: Das ist eine sehr gute Frage. Als wir vor sechs Jahren mit dem ersten Kinofilm angetreten sind, hätten wir ehrlich gesagt nicht gedacht, dass das so ein breites Publikum finden würde. Wir dachten eher: Wir machen aus einer 25-minütigen Reportage-Fernsehsendung einen 90-minütigen Kinofilm, der immer noch viel Dokumentarisches hat – nur eben länger und mit einem größeren Bogen. Dass es dann so groß geworden ist, ist am
Ende, wie du sagst, der Fernsehmarke geschuldet. Und damit sind wir natürlich längst auch eine IP geworden – so wie Die Schule der magischen Tiere, Die Drei ??? und wie sie alle heißen. Das ist für den Verleih, aber auch für die Kinos ein ganz anderes Ausgangsniveau: Man kann sich publikumstechnisch ein
Stück weit darauf verlassen, dass viele das kennen und deshalb kommen.
Und natürlich haben es andere Filme ungleich schwerer. Ich glaube, bei uns passiert vielleicht zweierlei gleichzeitig: Einerseits sind wir, was die Bekanntheit angeht, „groß“ und dadurch kinotauglich im klassischen Sinne – mit Touren, mit medialer Aufmerksamkeit, mit einem Wiedererkennungswert. Andererseits ist unser Film in seiner Grundidee immer noch vergleichsweise altmodisch. Auch
wenn er groß produziert ist, bleibt er im Kern ein Reporter, der sich auf den Weg macht, Orte kennenlernt und Menschen begegnet. Das ist nicht einfach nur ein reines Plot-Feuerwerk.
artechock: »Wer, wie, was – wer nicht fragt, bleibt dumm«: die gute alte Sesamstraße. Das war ja im Kern die große Reform in den 1970er-Jahren, dieser Gegenentwurf: neugierig sein, Wissen nicht als Belehrung, sondern als Abenteuer. Und wenn man dann an bestimmte Filme denkt, die daraus auch hervorgegangen sind oder in dieser Reformpädagogik mitgedacht wurden – Hark Bohms Nordsee ist Mordsee etwa – dann hatte das eine enorme kulturelle Wirkung. Und heute wirkt es manchmal so, als sei davon ganz viel weg, als würde es in ganz viel Nichts verpuffen.
Tobias Krell: Ich finde, das ist tatsächlich eine sehr große Frage, ein großes Thema. Und ich glaube, wir sind im Fernsehen mit unserem Format immer noch relativ altmodisch – auch im besten Sinne. Wir machen eine 25-minütige Sendung, die einem Reporter dabei folgt, irgendwo hinzugehen, etwas herauszufinden, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu begreifen. Nur haben sich die Sehgewohnheiten in den 13 Jahren, in denen ich das mache, extrem verändert – sogar bei Grundschulkindern. Durch soziale Medien, durch TikTok, aber auch durch andere Kindersendungen und Formate, die drumherum entstanden sind und die Kinder vorher schauen. Im Vergleich dazu sind wir fast radikal langsam. Und ich meine das nicht nur als Kritik, sondern auch als Beschreibung: Wir nehmen uns Zeit, wir erklären, wir bleiben an Dingen dran.
artechock: Aber bedient ihr das Insta-Format oder TikTok nicht trotzdem irgendwie? Ich meine: Die Schnitte sind doch relativ schnell, die Welten, die ihr zeigt, sind extrem, und ihr springt mit einem Schnitt von einer Welt in die nächste.
Tobias Krell: Die Schnitte sind schnell? Ich würde sagen: im Vergleich zu TikTok oder vielen anderen Formaten eigentlich nicht. Für mich ist das eher wie die Filme, die es vor 20 Jahren gab – so etwas wie Snatch von Guy Ritchie oder Requiem for a Dream von Darren Aronofsky, die ja auch mit sehr schnellen Montagen arbeiten. TikTok macht das natürlich auch, aber es ist noch einmal eine andere Logik, weil dort praktisch alles in diesen Rhythmus gepresst wird.
artechock: Genau. TikTok macht es halt ausschließlich. Die haben dieses Tempo kultiviert. Und dann seid ihr im Vergleich natürlich wirklich langsam...
Tobias Krell: Mich treibt aber weiterhin die Frage um: Wie bekommt man Kinder dazu, Zirkuskind im Kino zu sehen – und ähnliche Filme? Mission Ulja Funk fand ich zum Beispiel auch großartig, Barbara Kronenberg, die Regisseurin, fantastisch. Ich glaube, da spielt viel mit rein, womit ich mich ehrlich gesagt zu wenig auskenne: Wie Kinos gefördert werden, damit sie solche Filme überhaupt länger im Angebot halten können, ohne dass sie ständig um ihre wirtschaftliche Existenz bangen müssen. Wenn ein Film nach einer Woche nicht funktioniert, fliegt er raus – das ist für viele Häuser eine Überlebensfrage. Aber mindestens genauso wichtig ist die Kommunikation nach draußen. Kleine Filme haben oft weder die Budgets noch die Reichweite. Ich versuche das mit meinen bescheidenen Mitteln über Instagram: Ich habe Zirkuskind zum Beispiel beworben, einfach, weil ich den Film wirklich gut finde. Und ich würde mich sehr freuen, wenn es noch häufiger gelingen würde, kleineren Filmen – die keine Marken sind, die keine großen IPs sind, die nicht schon „eingepreist“ sind – eine echte Chance zu geben. Ich versuche das auch über das Festival in München, zusammen mit Tobias Obermeier: Räume zu schaffen, Sichtbarkeit herzustellen, und wenigstens einen Moment zu erzeugen, in dem diese Filme wahrgenommen werden.
artechock: Vielleicht müsste man große Regisseure verpflichten, wenigstens einmal im Leben einen Kinderfilm zu drehen. Seriöse Kinderfilmkritik ist ja fast ein Tabu, da sie keine Reichweite hat, weil es ja oft nur – ich nenne es mal: „B-Film-Regisseure“ sind, die sich mit Kinderfilm beschäftigen.
Tobias Krell: Ein paar Ausnahmen gibt es schon. Der Regisseur von In den Gängen hat den guten Spuk unterm Riesenrad gemacht – und viel Aufmerksamkeit bekommen, aber kein großes Publikum.
artechock: Vielleicht liegt es ja eben auch an dem von dir erwähnten Publikum: In Ländern wie Dänemark kommen Kinder, also „das Publikum“, über die Schule schon sehr früh, sehr nachhaltig und pädagogisch toll aufbereitet mit Film in Berührung. Was sich ja nicht nur in der überaus guten Kinderfilmproduktion aus diesen Ländern zeigt, sondern auch an den Erwachsenenfilmen; allein dieses Jahr, was kam da nicht alles aus Skandinavien und hat auf großen Festivals abgeräumt.
Tobias Krell: Da ist was dran. Bei uns verlieren wir mehr und mehr den Bezug zum Kino als Kulturort. In München, einer Millionenstadt, gibt es nur noch wenige Programmkinos, schau nur gegenüber, wo wir jetzt sitzen, das Neue Arena, das ist eines der wenigen, das es noch gibt. Auf dem Land gibt es fast nur Multiplexe. Deshalb müssen wir unbedingt etwas tun.