| Deutschland 2025 · 104 min. · FSK: ab 6 Regie: Tim Dünschede Drehbuch: Anil Kizilbuga Kamera: Holger Jungnickel Darsteller: Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl, Jördis Triebel, Momo Beier u.a. |
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| Bald zu alt für diese Art von Abenteuern... | ||
| (Foto: Sony) | ||
Die drei ??? – Toteninsel setzt die erstaunlich stabile Erfolgsgeschichte einer Reihe fort, die man vor wenigen Jahren noch vorschnell als nostalgisches Nebenprodukt abgetan hätte. Regisseur Tim Dünschede bleibt auch im dritten Kinofilm der aktuellen Iteration bei einem Ansatz, der im deutschen Jugendkino alles andere als selbstverständlich ist: Er nimmt sein Zielpublikum ernst – und seine jungen Darsteller ebenso.
Der neue Fall beginnt klassisch und bewusst altmodisch: ein anonymer Anruf, eine verzerrte Stimme, das Rätsel der Sphinx. Von dort führt die Spur zum Geheimbund rund um den Archäologen Professor Phoenix und schließlich auf die Vulkaninsel Makatao, die als »Toteninsel« nicht nur archäologisches Begehren, sondern auch einen Fluch verspricht. Das ist Abenteuermaterial mit deutlicher Schlagseite Richtung Indiana Jones, allerdings bleibt es – wie schon im Karpatenhund – bei Zitaten und Anspielungen. Zum großen, entfesselten Abenteuer fehlt dem Film letztlich der Mut zur Übertreibung, vielleicht auch das Budget, sicher aber der Wille zur formalen Grenzüberschreitung.
Was Die drei ??? – Toteninsel jedoch deutlich besser beherrscht als viele vergleichbare Produktionen, ist das Zusammenspiel seiner jungen Hauptdarsteller. Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl brillieren erneut als Justus, Peter und Bob und man muss das im deutschen Kino für ein junges Publikum ausdrücklich betonen. Gute Kinder- und Jugenddarsteller sind hierzulande keine Selbstverständlichkeit, sondern eher die Ausnahme, oft genug werden sie von hölzernen Dialogen und pädagogischer Überfrachtung erdrückt. Umso erfreulicher, dass diese drei nicht nur funktionieren, sondern ihre Figuren mit Timing, Präsenz und spürbarer Spielfreude tragen. Weckaufs Justus ist längst mehr als ein schlauer Stichwortgeber, Wendt verleiht Peter physische Glaubwürdigkeit ohne bloße Sportlichkeit, und Brandls Bob bleibt das emotionale wie intellektuelle Korrektiv des Trios. Gleichzeitig wird deutlich: Diese Darsteller werden bald zu alt für diese Art von Abenteuern – eine Herausforderung, der sich die Reihe in absehbarer Zeit stellen muss.
Erzählerisch bleibt der Film im sicheren Fahrwasser. Die bekannten Elemente kehren zuverlässig zurück: Inspektor Cotta (Philipp Christopher) darf am Ende loben, Tante Mathilda (Jördis Triebel) und Onkel Titus (Florian Lukas) sind entsetzt über das, was wieder einmal hinter ihrem Rücken geschehen ist. Das ist routiniert, sauber gebaut – und natürlich vorhersehbar. Gerade hier meldet sich eine pochende Sehnsucht nach einem deutschen Familienfilm von einem deutschen Großregisseur (so wie halt Spielberg oder Scorsese in den USA), der sich einmal traut, wirklich neu zu denken, statt Bewährtes lediglich zu veredeln.
Was natürlich eher unwahrscheinlich ist, denn der Markt spricht nicht nur in diesem Fall eine deutliche Sprache und die ist von bitterer Komik. Die Drei ??? – Erbe des Drachens war 2023 der besucherstärkste deutsche Film des Jahres. 2025 folgte Die Drei ??? und der Karpatenhund mit rund 1,2 Millionen Besuchern auf Platz vier der deutschen Jahrescharts – hinter Das Kanu des Manitu, Schule der magischen Tiere 4 und Wunderschön 2. Ein Ranking, das weniger über die Qualität einzelner Filme aussagt als über den Zustand des deutschen Kinomarktes insgesamt: Fortsetzungen, Marken, Wiedererkennbarkeit – und möglichst wenig Risiko. Dass Die drei ??? in diesem Umfeld fast schon als Qualitätsanker durchgehen, ist grotesk, aber bezeichnend.
Visuell bleibt Die drei ??? – Toteninsel solide. Kameramann Holger Jungnickel, der das Doppelpack von Februar bis Juni 2024 auf der spanischen Kanareninsel Gran Canaria back-to-back drehte, sorgt für eine stimmige, übersichtliche Bildsprache, die die Vulkaninsel als Bedrohungsraum ernst nimmt und sie nicht zum Freizeitpark degradiert. Action und Spannung sind klar lesbar, nie überfordernd, was einem jungen Publikum entgegenkommen soll, ohne es zu unterfordern.
Am Ende ist Die drei ??? – Toteninsel kein großer, riskanter Wurf, sondern ein professionell gemachter, verlässlicher Jugendkriminalfilm. In einem Kinoumfeld, in dem Erfolg allzu oft mit geistiger Bequemlichkeit verwechselt wird, ist das fast schon ein Qualitätsmerkmal.