| Deutschland/Ö 2025 · 89 min. · FSK: ab 0 Regie: Gregor Schnitzler Drehbuch: Bettina Börgerding Kamera: Ralf Noack Darsteller: Nala, Carla Demmin, Philomena Amari, Fia-Marie Lin, Rosalie Thomass u.a. |
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| Einer der wenigen Lichtblicke: Heike Makatsch als Hexe Servera... | ||
| (Foto: Leonine) | ||
Es gibt Kinderfilme, die wachsen mit ihren Figuren (z.B. Sieger sein von Soleen Yusef) – und es gibt jene, die stehen bleiben, obwohl sie rennen. Der neue Bibi-Blocksberg-Film gehört leider zur zweiten Sorte: eine laute, zuckrige Mischung aus Hexensprüchen, Musical-Elementen und Dauerhektik, der man den Wunsch nach Magie zwar ansieht, aber nicht abnimmt. Die Prämisse – der legendäre Hexenkongress auf dem Blocksberg, an dem Bibi, Schubia und Flauipaui (!) erstmals als Helferinnen teilnehmen dürfen – wäre stark genug gewesen, um ein Weltöffnungsabenteuer zu erzählen. Doch kaum landen die ersten Hexen, löst sich der erzählerische Zauber in dünnem Nebel auf.
Zwar geht sofort alles drunter und drüber, die älteren Hexen verhalten sich merkwürdig, Zauber misslingen im Minutentakt – doch das Chaos erzeugt keine echte Spannung. Es ist dieser oft zu beobachtende Fehler: Man ersetzt Dramaturgie durch Daueranimation. Die Kamera springt, die Figuren stolpern, die Effekte blitzen – und trotzdem bleibt der Film merkwürdig unbewegt, dramaturgisch wie emotional.
Dabei zeigt Heike Makatsch als Hexe Servera, wie es hätte laufen können. Ihre Figur ist ambivalent und präzise gespielt, verschmitzt, leicht ironisch und dennoch mit einer echten Innerlichkeit ausgestattet – Makatsch versteht die Balance aus Überzeichnung und Herz, die die Blocksberg-Welt eigentlich braucht. Jede Szene mit ihr hat so viel Präsenz, dass der Rest des Ensembles – vor allem leider auch fast alle Kinderschauspieler – eher blass wirkt. Servera ist so etwas wie der Beweis, dass dieser Film lebendiger hätte sein können, hätte er mehr Mut zu individuellen Tönen und weniger Angst vor Stille gehabt.
Dabei hat auch hier Bettina Börgerding das Drehbuch geschrieben, jene Bettina Börgerding, die die erfolgreiche und immer wieder sehr kluge, witzige und überraschende Bibi & Tina-Reihe für Detlef Buck geschrieben hat. Man denke nur an den tollen zweiten Teil, Bibi & Tina: Voll verhext! Auch hier erkennt man Börgerdings Handschrift sofort: jugendliche Sprüche, ein Hin und Her von Musik und Text, ein bisschen Chaos, ein wenig weibliches Empowerment und am Ende ein pädagogisch abgerundeter Lernmoment. Doch was bei Bibi & Tina von Buck immer funktionierte, wirkt hier nur wie ein Reflex. Liegt das daran, dass dieses einst originelle Konzept inzwischen zur Stangenware geworden ist, die Prämissen einfach nur noch ausgeleiert wirken? Ebenso plausibel ist, dass Schnitzler – anders als Detlef Buck – nicht den Mut hatte, diese Prämissen weiterzubiegen, zu brechen oder wenigstens zu rhythmisieren.
Buck inszenierte mit anarchischem Witz, mit Brüchen, mit echten Popmomenten – Schnitzler, obgleich er im ersten Film der Schule der magischen Tiere durchaus überzeugte, scheint hier nur einen Bauplan übernommen zu haben, aber nicht dessen Energie. Die Inszenierung bleibt brav, narrativ glattgezogen, stets darauf bedacht, niemandem zu viel zuzumuten. Dabei lebt die Blocksberg-Welt gerade von ihrer Reibung: von Temperament, Trotz, Widerstand. Hier aber wirken selbst die kleinen Konflikte pädagogisch vorsortiert.
Dabei funktionieren die Junghexen Bibi, Schubia und Flauipaui als Figurenensemble durchaus, doch ihre Konflikte sind so berechenbar wie ihre Lösungen. Statt charakterlicher Entwicklung gibt es Teamwork nach Handbuch. Statt magischer Atmosphäre gibt es grelle Effekte. Statt erzählerischer Neugier eine Art Serienroutine, die einmal mehr zeigt, wie schwer es ist, aus einer langlebigen Marke neues Kino zu machen.
Die älteren Hexen in ihrem konservativen Impetus sind dramaturgisch kaum ausgearbeitet. Ihre eigenartige Verwandlung bleibt ein Funktionsplot ohne emotionale Wirkung. Das drohende Scheitern des Hexenkongresses interessiert den Film selbst kaum; er nutzt es lediglich als Uhrwerk, das die drei Junghexen in Bewegung hält.
Am Ende retten Bibi, Schubia und Flauipaui natürlich alles, doch der Triumph fühlt sich eher nach Konvention als nach Konsequenz an. Kein Staunen, keine Überraschung keine echte Gefahr, keine Verdichtung. Der Film läuft ab, wie er begann: hübsch, laut, leer und ganz ohne viel Hexhex ist er auch schon wieder verpufft.