02.04.2026

Wir feiern 30 Jahre artechock!

Artechock-Trailer
Der brandneue artechock-Trailer!
(Foto: artechock)

Eine kleine Chronik des ältesten deutschen und immer noch aktiven Filmmagazins im Internet. Mit Original-Stimmen aus den Anfangsjahren

Von Redaktion

Kaum zu glauben: Seit 30 Jahren kümmern wir uns um den guten Film und das Kino­pro­gramm in München. Das gibt Anlass für ein artechock-Special aus Erin­ne­rungs-Podcast und Retro-Texten. Alles, was Ihr schon immer über artechock wissen wolltet!

Hier versam­meln wir aus den Anfängen von artechock das rege Pres­se­echo, das die Gründung eines Film­ma­ga­zins, das ausschließ­lich im Internet exis­tierte, hervor­rief. Es war 1996! Kaum einer hatte eine E-Mail-Adresse! Nur »ein paar Tausend Münchner«, wie ein Leser im damals exis­tie­renden artechock-Forum schreibt, hatte Internet. Man wählte sich damals über ein soge­nanntes Modem ein. Das machte zunächst Wahl­geräu­sche wie bei einem Fest­netz­te­lefon, die sich zu sphäri­schen Klängen stei­gerten. Kein Zweifel, man war im Cyber­space ange­kommen. Das war maximal extra­ter­res­trisch!

21.03.1996 · artechock, Diskus­si­ons­forum (einge­stellt)

artechock historisch
So sah 1996 einmal das artechock-Logo aus
artechock_fotoshoot
Über den Dächern von München: Das histo­ri­sche artechock-Logo im Foto-Shoot (Foto: artechock)

21.03.1996 Stephan Hermelink (Mitbegründer): Nachdem jetzt schon zahlreiche Internet-Besucher hier waren, aber immer noch keiner ein Thema eingegeben hat, müssen wir zur Selbsthilfe greifen: ARE YOU GETTING SHY? Ich gebe ja zu, es ist auch nicht ganz einfach, mit einem interaktiven Medium umzugehen – viele werden sagen »jetzt lassen die sich schon ihre Zeitung von uns schreiben!« Doch darum geht es ja gerade: Hier könnt Ihr mitmachen, Meinungen und Wünsche äußern – oder seid Ihr gar wunschlos? Falls Euch gar nichts einfällt, könnt Ihr ja auch Eure Meinung zum Start von Artechock hier loswerden. Wir haben uns einige Mühe damit gemacht zu erraten, was der Münchner Kinogänger so alles brauchen könnte. Was fehlt noch?

Elmar Bartel: Ja, ganz einfach, das Feld, wo ich was rein­schreiben konnte. Jetzt kann ich das ja tun: Auf den ersten Blick ein prima gemachtes Magazin. Hoffent­lich koennt Ihr das aufrecht­erhalten. Am Anfang bringt jeder eine Menge Enthu­si­asmus mit, aber spaeter kann sich das drama­tisch aendern. Oder wollt Ihr jemand bezahlen? Momentan ist ja noch nirgends Werbung drin, aber das muss dann ja mal sein – wann wollt Ihr das aendern? Wir werden’s ja sehen …

Stephan: Wie Du siehst, lieber Elmar, sind wir wirklich noch etwas beim Expe­ri­men­tieren … Was den Enthu­si­asmus angeht, so gibt’s den gott­sei­dank jederzeit ausrei­chend, obwohl es jede Menge Arbeit bedeutet. Das Netz ist groß und unsere Mitar­beiter koennen ja überall auf der Welt sitzen. Es ist faszi­nie­rend, wieviel »selbst­loser« goodwill und Einsatz sich dort akti­vieren läßt, wo man etwas aus Lust und Laune tut. Schließ­lich soll es sogar Leute geben, die im Fitness­center Geld dafür ausgeben, Gewichte tragen zu dürfen … Alles nur eine Frage des Stand­punktes. Mir gefällt das.

27.03.1996
Frank: Hallo, Ihr lieben Leute von Artechock, es ist schon bewun­derns­wert, wieviel Arbeit Ihr Euch macht, um die wenigen Tausend Münchner mit einem Internet-Anschluß zu bedienen – Ihr macht es nämlich wirklich profes­sio­nell. Hoffent­lich bleibt es so, ich bin nämlich ein regel­mäßiger Nutzer Eures Services und werde jede Verän­de­rung genau beob­achten.

06.04.1996
VW-Käfer: Liebes Artechock-Team, immer öfter nutze ich Euren Online-Service, anfangs nur zur Info, jetzt auch zum Zeit­ver­treib. Und das nicht ohne Grund, denn es tut sich was bei Euch. Es ist erfri­schend, Eure Seiten zu lesen. Ich finde es toll, was Ihr da aufgebaut habt und hoffe, dass Ihr Euren eigenen Geist und Stil beibe­halten und auf Dauer durch­halten könnt.

27.04.96
rogl: Hallo Arrrt­echock-Team … grad zum ersten Mal Eure Seiten visua­li­siert … und – oh staun­mit­dem­mund­weit­offen – sollte es in der effekt­ha­schenden, infor­ma­ti­ons­losen WÄB-Land­schaft ein intel­li­gentes Magazin geben? Tatsäch­lich! Ist ja eine Menge Arbeit, sowas auf die Beine zu stellen, Applauz! 8^} Bin zwar nur ein einfacher Kino­gänger, haben mich Eure frischen Seiten doch gleich um ne satte halbe Stunde unver­dienten Schlaf gebracht … ein goldenes Kopf­kissen damit an die Redaktion. Die Seite, die merk ich mir …

24.08.1997 Grün­dungs­sit­zung von Artechock e.V.

Grün­dungs­mit­glieder: Stephan Hermelink, Max Herrmann, Christian Rechmann, Rainer Schmitz­berger, Fiona Seidler, Rüdiger Suchsland, Nicole Wallraff, Thomas Willmann

01.01.1998 Artechock e.V. erlangt die Gemein­nüt­zig­keit

Artechock Logo Versuche
artechock hätte anfäng­lich auch »arte­schock« oder »artechoc« heißen können. Außerdem wollte man es kalli­gra­phisch (Zeichnung: artechock)

07.09.1998, Flyer (heute nicht mehr existent)

Kino im Internet Artechock, so heißt das Magazin, wurde vor etwa zwei­ein­halb Jahren von Studenten und Berufs­tä­tigen gegründet. Die 14 Mitar­beiter verbindet eine Leiden­schaft zum Film und allem, was damit zu tun hat. Sie kommen aus den verschie­densten Bereichen – vom Jour­na­listen bis zum Film­vor­führer ist alles dabei – und haben deshalb natürlich unter­schied­liche Schwer­punkte. Aber ihr Ziel ist klar: Film als festen Bestand­teil von Kunst und Kultur ernst zu nehmen und ihm mehr Gewicht zu verleihen. Ihrer Meinung nach sollte seine wichtige Stellung innerhalb der Popkultur und auch außerhalb nicht unter­schätzt werden. Außerdem halten sie die Trennung von O-Kultur und U- bzw. Trash-Kultur für veraltet und Blödsinn.
Die Autoren sind mit soviel Über­zeu­gung und Idea­lismus bei der Sache, daß sie alle ehren­amt­lich arbeiten. Wie jedem klar sein dürfte, gibt es kaum ein Spon­so­ring, das unab­hän­gige Inhalte hervor­bringt. Um sich die Unab­hän­gig­keit zu bewahren, haben sie kein Geld. Eine Privat­person zahlt die Provi­der­kosten, die Räume und das nötige Equipment stellt das Medi­en­forum der Stadt München zur Verfügung.

12.06.1996, Münchner Film­zen­trum

Münchner Film­zen­trum goes online. Koope­ra­tion mit Artechock. Münchner Kino­ma­gazin im Internet
(…) Deshalb haben sich die beiden Insti­tu­tionen zu einer engen Zusam­men­ar­beit auf nicht­kom­mer­zi­eller, gemein­nüt­ziger Basis entschlossen. Schnelle, ausführ­liche Kino-Infor­ma­tionen und lebendige Diskus­sionen speziell über das Programm des MFZ im Film­mu­seum, über sämtliche Münchner Kinos und alle aktuellen Film­themen sind das gemein­same Ziel – in München und Umland, per Internet aber auch weltweit. Kommen Sie und erleben Sie in Groß­pro­jek­tion das MFZ und Artechock.

24.06.1997, Abend­zei­tung

Kinotips gibt es auch im Internet Das Internet ist weit. Und glück­li­cher­weise nicht nur voller Müll. Dafür sorgt beispiels­weise das Projekt Artechock. Dessen 20 Mitar­beiter produ­zieren seit einem Jahr das gleich­na­mige Münchner Kino­ma­gazin im Internet. Es sind ein Wochen­pro­gramm der Münchner Licht­spiel­häuser, Infor­ma­tionen über aktuelle Filme und deren Darsteller, von den Mitar­bei­tern erstellte Kritiken, ein Diskus­si­ons­forum und eine direkte Verbin­dung zur »Internet Movie Database«, jenem riesigen Archiv zu Kino und Film, geboten.

24.06.1999, IN München

kino im netz (…) Besonders gelungen sind die Seiten von www.artechock.de. Das Kino­ma­gazin listet die Münchner Kinos, aktuelle Filme und Vorstel­lungs­zeiten auf. Dazu gibt es redak­tio­nell gut aufbe­rei­tete Inhalts­an­gaben und Links zu Stars und Sternchen der Filmszene. Gleich­zeitig kann man sich Pres­se­mel­dungen und Kritiken zu Filmen anschauen.

2000-2001 Der Film­freund rät (2019 wieder­auf­ge­legt als FOMO)

Wöchent­liche Filmtipps der Redaktion.

08.12.2004, Süddeut­sche Zeitung

Kunst, leider brotlos – Das Internet-Magazin »Artechock« stellt sein Erscheinen ein
Am Anfang war es vor allem die Aufbruch­stim­mung, von der das Münchner Online-Kunst­ma­gazin Artechock getragen wurde. Damals, 1997, hatten viele Museen und Ausstel­lungs­räume einfach noch keine Homepage. (…) Jeden Montag traf sich eine Handvoll Kunst­ge­schichte-Stun­denten im Medi­en­forum im Lite­ra­tur­haus, um neue Termine, Tipps und Ausstel­lungs­kri­tiken ins Netz zu stellen. Eine Zeit lang tippten sie auch das Ausstel­lungs­pro­gramm für den Inter­net­auf­tritt der Stadt. (…) Vom Kunst­ma­gazin bleibt im Netz nur noch das Archiv. Und eine Lücke, die schon lange beklagt wird: Noch immer gibt es in München kein ernst zu nehmendes Kunst­ma­gazin – auch offline nicht.

13.12.2004, Süddeut­sche Zeitung

Film läuft weiter
»Artechock« bleibt im Netz
Das Münchner Internet-Kunst­ma­gazin »Artechock« wird zwar einge­stellt, das gleich­na­mige, sehr erfolg­reiche Film-Magazin bleibt jedoch weiterhin im Netz. Dies teilte nun die Film­re­dak­tion von »Artechock« mit. Das Inter­net­an­gebot für Film­freunde und Cineasten habe in Spit­zen­zeiten bis zu einer Million Seiten­zu­griffe; das bedeute umge­rechnet bis zu 100.000 Nutzer.

09.10.2005-08.06.2008 Filmreihe »artechock präsen­tiert«

Die monat­liche Mati­neen­reihe von artechock zeigte an 26 Sonntagen Filme im Arena-Kino, die in Deutsch­land noch keinen Verleih gefunden hatten. Darunter: Nackt­schne­cken (R: Michael Glawogger), Hotel (Jessica Hausner), Profil Paysan: Le quotidien (Raymond Depardon), Der rote Rausch (Wolfgang Schleif), Manzan Beigaki (Shinsuke Ogawa und Peng Xiaolian)

Das Ende der BMW Group als Sponsor von Film­ver­an­stal­tungen brachte das Aus der Filmreihe.

2006 bis 2007: artechocks kleines Bestia­rium der Kinogeher

Bestiarium der Kinogänger, Zeichnung von Rattelschneck
Monatlich gab ein Cartoo­nist seinen Senf dazu (Zeichnung: artechock · Rattel­schneck)

»Eine Reise in die erstaun­liche Arten­viel­falt des Kino­bio­tops. Lernen Sie schritt­weise Ihre zukünf­tigen Sitz­nach­barn anhand von artechocks kleinem Bestia­rium verläss­lich zu bestimmen!«

Seit 2012: Bezu­schus­sung durch das Kultur­re­ferat

artechock erhält einen Zuschuss für »Werbe­maß­nahmen für die Münchner Kinos« durch das Kultur­re­ferat der Landes­haupt­stadt München

2012 Start der Arti­kel­serie: »Kinos in München – eine Bestands­auf­nahme«

Portrai­tierte Kinos: Monopol, Cinema, Arena (2x), Maxim (2x), Theatiner, Kuchen­reu­ther-Kinos, Film­theater Send­linger Tor, Film­mu­seum München, Cincin­nati, Rio Film­pa­last, Eldorado, Neues Rex (2x), Werk­statt­kino, Gabriel Film­theater (3x), Astor Film­lounge im Arri, Museum Licht­spiele, Studio Isabella
Außerdem portrai­tieren wir die Kino-Betreiber Markus Eisele und Christian Pfeil, Bastian Hauser und Claire Schleeger, Michael Hehl und Daniela Bergauer.
Wir berichten über die Kino­pro­gramm­preise, den Starter Filmpreis und den Münchner Film­gipfel.

Seit 2012: Kinder­film und Kinder­kri­tiken

Die artechock-Kinder und die Kinder­re­porter des JFF/Medi­en­zen­trum München verfassen Kinder­kri­tiken. Der Kinder­film ist seitdem ein wichtiges Thema für artechock.

2018: artechock expanded

Nur von kurzer Dauer war das Bemühen von artechock, Veran­stal­tungen im analogen Raum abzu­halten. Unver­gessen die »Anhörung« von Pico Be zu Apichat­pong Weer­a­set­hakul

Seit 2019: »arteshots«-Video­kritik auf Youtube

Wöchent­liche Kurz­be­spre­chungen aktueller Kinostarts im Video­kanal.

Seit 2020: artechock Seiten­blick

In beson­deren Fällen berichten wir über Thea­ter­auf­füh­rungen, Ausstel­lungen und das Kaffee­haus­sterben. Voraus­set­zung: Es muss mit Film und Kino zu tun haben.

Seit 2025: artechock-Podcast »Das Film­quar­tett« (auf Spotify und anderen Podcast-Kanälen)

Monatlich sprechen wir in entspannter Runde über ein Thema. Mal sind wir mehr als vier, mal weniger, manchmal tatsäch­lich ein Quartett. Specials gibt es zur Berlinale, zum DOK.fest München und zum Filmfest München.

Januar 2026: Der artechock-Trailer ist da!

Gemeinsam hat die artechock-Redaktion das Konzept ersonnen. Der Trailer ist eine Hommage an Luis Buñuels Der anda­lu­si­sche Hund und das artechock-Auge. Umgesetzt haben sie Nora Moschüring, Paula Ruppert (Kauf und Animation der Arti­schocke) und Philipp Thurmaier (Montage). Die Musik kompo­nierte Jascha Nakladal.