23.07.1998

Bye-bye, Breitwand

Abschied von einem Stück Kinokultur vor Münchens Toren

Von Thomas Willmann

Wenige kleine Kinos schaffen es dieser Tage noch, sich in den kleineren Gemeinden um München gegen die gefräßigen Mäuler der Megaplexe à la Maxx zu behaupten; noch weniger von ihnen gelingt es, sich durch ein Programm zu profi­lieren, das sogar Publikum aus der Großstadt lockt. Die Breitwand Gilching hat es in den letzten 12 Jahren dank enga­gierter Betreiber zu Wege gebracht, bravourös den schmalen Grat zwischen notwen­diger Popu­la­rität und Begeis­te­rung für’s Cine­as­ti­sche zu wandern und sich einen ebenso guten, wie weit­rei­chenden Ruf, sowie eine treue Publi­kums­ge­meinde zu erspielen.
Damit ist nun ein für allemal Schluß: Der Gebäu­de­kom­plex, samt Café und Bier­garten, muß einem neuen Bau weichen; schon stehen von dem Haus nur noch spärliche Reste.

Dort ist nur noch ein paar Tage Spiel­be­trieb möglich, aber diese werden fleißig genutzt. Wer wenigs­tens mit Stil Abschied nehmen möchte, dem bietet sich folglich diese Woche mehrfach Gele­gen­heit: Zunächst am Wochen­ende (Sa 25. und So 26.) mit zwei Tagen vollem Kino­pro­gramm (diverse Kinder­filme, Manche mögen’s heiß, Spiel mir das Lied vom Tod, Casablanca, Down By Law, Local Hero und – ganz zum Schluß – Cinema Paradiso), Bier­garten, Grill und Verlosung einer 1-wöchigen Toskana-Reise. Dann kann man am Montag von 17 bis 19 dabei sein, wie Kino-und Café-Inventar abgeholt wird und eventuell Reste davon selbst käuflich erwerben. Und schließ­lich findet am Mittwoch, den 29. Juli, ab 21 Uhr die ulti­ma­tive und definitiv aller­letzte Breit-End-Party statt, mit Live-Musik und »Best of Breitwand – Sound« zum Abtanzen. (Genauere Infos in unserem Kino­pro­gramm, in der Tages­presse oder unter 08105-9417.)

Also, noch einmal (oder viel­leicht auch zum ersten Mal) auf zum Gilchinger S-Bahnhof, damit wir dereinst – wenn wir uns alle nur noch im inner­s­täd­ti­schen Myriad-plex wieder­finden, wo wir, intra­venös mit Popcorn und Cola zwangs­ernährt, auf Leinwände mit Stand­lei­tungen zu von Roland Emmerich beherrschten Special-Effects Computern starren – damit wir also in jener Zeit von umso schöneren Erin­ne­rungen zehren können.