Von Regine Welsch & Thomas Willmann
Rainer Stefan ist zurück, und mit ihm das Zelluloid gewordene Grauen; Rosebud Entertainment veranstaltet auch dieses Jahr wieder das Fantasy Filmfest.
Wo? In Cinema, City und Cinerama. (Zufall oder ein Fall für Agent Moulder? Und wo bleibt das Cincinnati?)
Wann? Vom 30. Juli bis zum 6. August 1997.
Warum? Weil’s Geld
bringt.
Und zwar nicht wenig. Der wahre Horror beginnt nämlich mal wieder an der Kinokasse: Bei DM15,- (respektive DM14;- in City und Cinerama) pro Film sieht das Portmohnäh (rechtschreibreformiert) schnell aus, als hätte es einen Auftritt in Tanz der Vampire hinter sich. Wer da mit seinen Klonen (oder anderen Freunden) anrückt, ist leicht den Gegenwert eines
Gebrauchtleichenwagens los.
Da bleibt zu hoffen, daß wo für 15 Knochenmark Grusel draufsteht, auch für 15 Mark of the Devil Grusel drin ist. Wir haben aber gerade zum Haruspektieren ein Zicklein geopfert, und können Euch verkünden, daß die Zeichen dieses Jahr immerhin gut stehen.
Im Programm gibt es deutlich weniger amerikanische Splatter-Ware und wesentlich mehr interessante Entdeckungen aus asiatischen und europäischen Ländern. Das wird die pavlovschen Zuschauer (Konditionierter Reiz = Anblick von
Kunstblut oder nackten Titten, Konditionierte Reaktion = Gröhlen und Klatschen) ärgern, aber all diejenigen freuen, für die sich die Qualität eines Filmes nicht zwangsläufig direkt proportional zum Gewaltquotienten verhält.
Neben den noch körperwarmen Leinwanderscheinungen bietet das FANTASY FILMFEST auch einige cinematische Wiedergänger: Retrospektiven sind Dario Argento und Peter Jackson gewidmet. Zwar fehlen bei Argento einige wichtige Werke (Inferno), aber es bietet sich die seltene Gelegenheit, seinen barocken Geniestreich Suspiria endlich mal wieder im Kino zu sehen, und von Opera ist eine spezielle Langfassung angekündigt. Neben Peter Jacksons allseits bekannten und beliebten Splatterknüllern Bad Taste und Braindead (uncut!) ist zum ersten (und bis auf Weiteres einzigen) Mal The Frighteners auf einer deutschen Leinwand zu bewundern.
Vernichtender als der hellste Sonnenstrahl, übelkeitserregender als die größte Knoblauchknolle dagegen trifft das anämische Angebot zur sogenannten Vampirfilm-Retrospektive die erwartungsvollen Kinder der Nacht. Pro fünf Dekaden Dracula gerade mal ein Film (macht stolze 2)! Was läßt die übrigen Leinwandvampire das einladende Dunkel der Filmtheater scheuen? Fließen unter den Festivalkinos vielleicht Weihwasseradern?
Dafür entschädigt wenigstens die Qualität der
Beiträge: Eröffnet wird die „Reihe“ mit Terence Fishers Dracula von 1958, Christopher Lee steht hier in bester Hammer-Manier als wandelndes Phallus-Symbol seinen Vampir. Bereits am nächsten Tag (dem heiligen Sonntag) folgt dann auch schon der Abschluß, allerdings mit Stil. Eine bessere Version des Stoker-Stoffes als die von Francis Ford Coppola werden auch die Untoten
nicht mehr erleben. (Wer was anderes sagt, den beißen wir, jawohl!)
Da die Phreunde phantastischer Philme bereits seit Montag zum Vorverkauf strömen wie George Romeros Zombies zum Frischhirn, empfiehlt es sich, mit dem Kartenkauf nicht lange zu warten.
Denn merke:
Willst Blut seh’n Du und Eingeweid
brauchst Karten Du zur rechten Zeit!
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!!!!