24.07.1997

Die Nacht der schreienden Portemonnaies

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!!!!

Von Regine Welsch & Thomas Willmann

Rainer Stefan ist zurück, und mit ihm das Zelluloid gewordene Grauen; Rosebud Enter­tain­ment veran­staltet auch dieses Jahr wieder das Fantasy Filmfest.
Wo? In Cinema, City und Cinerama. (Zufall oder ein Fall für Agent Moulder? Und wo bleibt das Cincin­nati?)
Wann? Vom 30. Juli bis zum 6. August 1997.
Warum? Weil’s Geld bringt.
Und zwar nicht wenig. Der wahre Horror beginnt nämlich mal wieder an der Kinokasse: Bei DM15,- (respek­tive DM14;- in City und Cinerama) pro Film sieht das Port­mohnäh (recht­schreib­re­for­miert) schnell aus, als hätte es einen Auftritt in Tanz der Vampire hinter sich. Wer da mit seinen Klonen (oder anderen Freunden) anrückt, ist leicht den Gegenwert eines Gebraucht­lei­chen­wa­gens los.

Da bleibt zu hoffen, daß wo für 15 Knochen­mark Grusel drauf­steht, auch für 15 Mark of the Devil Grusel drin ist. Wir haben aber gerade zum Haru­spek­tieren ein Zicklein geopfert, und können Euch verkünden, daß die Zeichen dieses Jahr immerhin gut stehen.
Im Programm gibt es deutlich weniger ameri­ka­ni­sche Splatter-Ware und wesent­lich mehr inter­es­sante Entde­ckungen aus asia­ti­schen und europäi­schen Ländern. Das wird die pavlov­schen Zuschauer (Kondi­tio­nierter Reiz = Anblick von Kunstblut oder nackten Titten, Kondi­tio­nierte Reaktion = Gröhlen und Klatschen) ärgern, aber all dieje­nigen freuen, für die sich die Qualität eines Filmes nicht zwangs­läufig direkt propor­tional zum Gewalt­quo­ti­enten verhält.

Neben den noch körper­warmen Lein­wan­d­er­schei­nungen bietet das FANTASY FILMFEST auch einige cine­ma­ti­sche Wieder­gänger: Retro­spek­tiven sind Dario Argento und Peter Jackson gewidmet. Zwar fehlen bei Argento einige wichtige Werke (Inferno), aber es bietet sich die seltene Gele­gen­heit, seinen barocken Genie­streich Suspiria endlich mal wieder im Kino zu sehen, und von Opera ist eine spezielle Lang­fas­sung angekün­digt. Neben Peter Jacksons allseits bekannten und beliebten Splat­ter­knül­lern Bad Taste und Braindead (uncut!) ist zum ersten (und bis auf Weiteres einzigen) Mal The Frigh­teners auf einer deutschen Leinwand zu bewundern.

Vernich­tender als der hellste Sonnen­strahl, übel­keits­er­re­gender als die größte Knob­lauch­knolle dagegen trifft das anämische Angebot zur soge­nannten Vampir­film-Retro­spek­tive die erwar­tungs­vollen Kinder der Nacht. Pro fünf Dekaden Dracula gerade mal ein Film (macht stolze 2)! Was läßt die übrigen Lein­wand­vam­pire das einla­dende Dunkel der Film­theater scheuen? Fließen unter den Festi­val­kinos viel­leicht Weih­was­ser­adern?
Dafür entschä­digt wenigs­tens die Qualität der Beiträge: Eröffnet wird die „Reihe“ mit Terence Fishers Dracula von 1958, Chris­to­pher Lee steht hier in bester Hammer-Manier als wandelndes Phallus-Symbol seinen Vampir. Bereits am nächsten Tag (dem heiligen Sonntag) folgt dann auch schon der Abschluß, aller­dings mit Stil. Eine bessere Version des Stoker-Stoffes als die von Francis Ford Coppola werden auch die Untoten nicht mehr erleben. (Wer was anderes sagt, den beißen wir, jawohl!)

Da die Phreunde phan­tas­ti­scher Philme bereits seit Montag zum Vorver­kauf strömen wie George Romeros Zombies zum Frisch­hirn, empfiehlt es sich, mit dem Karten­kauf nicht lange zu warten.
Denn merke:

Willst Blut seh’n Du und Eingeweid
brauchst Karten Du zur rechten Zeit!
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa­aargh!!!!