Komm, Pamela! Jaa, Komm! |
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| Pamela Anderson | ||
Von Richard Oehmann
Filmstart 17.10. war versprochen. Was haben wir uns alle gefreut. Pamela Anderson, die heilige Johanna der plastischen Chirurgie, wollte pünktlich zur einkehrenden Herbstlangeweile wonnig auf uns niederprallen und uns mit segensreichen Gaben großzügig eindecken in Form von einem abendfüllenden Farbfilm namens Barb Wire, einem wahren Meilenstein der medizinalen Geschichte.
Das pathologische Museum in Wien hatte bereits Sondervorführungen angekündigt, um dem Ereignischarakter dieses Filmes gerecht zu werden, denn wahrhaft Gigantisches war zu erwarten:
Detailgenaue Großaufnahmen, geöffnete Lippen, nervenzerrüttendes Wimpernaufschlagen, Zellklumpengewabbel im THX-Sound, all dies wurde auch spannend erwartet von den traditionell kunstsinnigen Münchnern. So manchem aufgeschlossenem Politologiestudenten ließ es schon das Wasser im
Munde gerinnen, der Ford Escort-Club war schon seit Wochen tagungsunfähig, in den Bundeswehrkasernen erigierte sich die Vorfreude in nie gekannte Rekordhöhen hinein. Der FC Bayern geriet im Vorfeld in eine neue Krise aufgrund eines Kinoverbots durch Präsident Beckenbauer, der um die Kondition seiner Spieler bangte (»Freunde, da geht’s ihr mir nicht hin!«), worauf Assistenztrainer Augenthaler sich von dem Verein verabschiedete. Jürgen Klinsmann geriet in ein neuerliches
undurchschaubares Formtief, Christian Ziege und Mehmet Scholl wurden aus noch ungeklärten Gründen von Freundin bzw. Frau verlassen. Der bayrische Ministerpräsident Edmund, genannt „Bay Watch“, Stoiber sag te alle Termine zur Startwoche ab, und erhielt zur Strafe von seiner Gattin (Beim Sex nennt er sie Pamela!) nurmehr Schinkennudeln als Abendessen.
Doch Fassungslosigkeit war das Resultat, als sich herausstellte: Der Starttermin wird verschoben.
Ausgerechnet bei uns!
In der Filmstadt!
In MÜNCHEN!
Blicken wir doch einmal zurück: Sybille Rauch, Ingrid Steeger, Margot Mahler u.v.a., die unterschiedlichsten Größen konnten schon bestaunt werden in der bayrischen Landeshauptstadt, viele erotische Meister haben im hiesigen Filmbusineß ihr berufliches Handwerkszeug gelernt, von Uschi Glas über Uschi Buchfellner und Uschi Obermeier bis hin zu Konstantin »Uschi« Wecker. War es die Angst vor der Überfrachtung des kulturellen Lebens, die keinerlei Raum mehr lassen könnte für kleiner geratene Events, oder vor den Protesten der immer noch mächtigen kirchlichen Gruppen oder vor dem sagenhaften Fischgeruch, den die Sogwirkung Pamelas in den Kinosälen hinterlassen könnte? Warum haben die Kinobetreiber zurückgeschreckt vor einer der ganz, ganz Großen am amerikanischen Filmhimmel?
Doch, Gott sei Dank, ein paar wackere Individualisten der Münchner Kinoszene haben sich zusammengetan, das Werk den Münchnern zugänglich zu machen. Das schmucke »Stachus-Kino-Center«, das engagierte »Marmorhaus« und der gepflegte, charmante »Mathäser-Palast« retten ab Donnerstag, den 24.10. wieder einmal Münchens Ruf als Kulturmetropole; und das ist gut so: Ein Ort aus dem ein Frank Wedekind, ein Oskar Maria Graf, ein Patrick Süskind oder ein Florian Stieglbauer hervorgegangen sind, darf nicht einfach die Augen verschließen vor den dicken Plastktitten einer Pamela Anderson.