21.11.1996

Warum wir nicht auf dem Verzaubert-Festival waren

Von Christian Rechmann & Thomas Willmann

So geht es also vorbei, das Schwulen/Lesben-Filmfest von München, und wir haben dort keinen einzigen Film geguckt. Wieso denn bloß? Sind wir homophob? Hat uns Mami zurück­ge­halten? Mußten wir auch diese Woche wieder 5x Barb Wire anschauen?
NEIN!!

Die Antwort auf unsere Frage lautet: (Lippen in Groß­auf­nahme) Rosebud! Als veran­stal­tende Agentur zeichnet sich Rosebud Enter­tain­ment bundes­weit nicht nur für das Verzau­bert-Festival, sondern auch für das ebenso gruselige Fantasy-Filmfest verant­wort­lich. Dabei geht es uns hier nicht um die Gestal­tung des Programms, das immerhin Gele­gen­heit bietet, einige Entde­ckungen zu machen, die dem Zuschauer in Deutsch­land sonst vorent­halten bleiben, sondern um die der Eintritts­preise.

Mit durch­schnitt­lich DM 14,- pro Film sind die sonst eher günstigen Festival-Kinos für das studen­ti­sche Stamm­pu­blikum fast nicht mehr bezahlbar. Da erreicht selbst das schnu­cke­lige Arena-Kino an einem schnöden Mittwoch Nach­mittag die Wochen­end­spit­zen­preise eines MaxXs oder Royals. Und das, obwohl nicht wenige Werke gezeigt werden, die bereits in den folgenden Wochen regulär in eben diesen Programm­kinos zu sehen sind – für deutlich weniger Geld.

Als das Publikum sich beim letzten Fantasy Filmfest in einer Umfrage über genau diesen Punkt einhellig beschwerte, versuchten die Veran­stalter den Eindruck zu erwecken, selbst bei dieser Preis­ge­stal­tung quasi nichts zu erwirt­schaften. Doch wenn diese Festivals tatsäch­lich lediglich ihre Unkosten einspielen, also sozusagen aus Nächs­ten­liebe veran­staltet werden, wie erklärt sich dann die immense Expansion der letzten Jahre? Woher kommt das Geld? Wohin fließen die Eintritts­gelder?

Besonders ärgerlich ist die Preis­stei­ge­rung dabei für die treuen Fans der Festivals, die täglich mehrere Filme gucken, für die sich aber dennoch eine Dauer­karte nicht rechnet. Denn auch hier haben die Veran­stalter die Preise so sehr angezogen, daß nur der Konsum nahezu aller Filme den Schnäpp­chen-Charakter einer solchen Karte noch bewahrt. Damit stellt Rosebud sich faktisch auf eine Ebene mit dem angeblich so gierigen Filmfest München, das mit der Abschaf­fung der Block­karten auch seine Vielseher verprellte.

Bleibt nur zu hoffen, daß das verär­gerte Publikum seinem Unmut auch Taten folgen läßt und die Veran­stalter damit zwingt, ihre Margen noch einmal zu über­denken. Dann könnten auch wir nächstes Jahr wieder die Festivals besuchen und uns, von homo­ero­ti­schen Splat­ter­filmen erbaut, an der Hand nehmen und glücklich in den Sonnen­un­ter­gang reiten...