13.04.2006

Zum Geleit

Eine Einführung in unser „Kleines Bestiarium der Kinogeher

Von Michael Haberlander

Wich­tigste und zentrale Aufgabe eines Film­ma­ga­zins ist es, über Filme zu berichten. Das war und ist die unum­stöß­liche Maxime von artechock und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Film bzw. Kino ist aber immer auch mehr als nur die Summe der einzelnen Werke, weshalb es zahl­reiche inter­es­sante Neben­aspekte gibt, die einer Betrach­tung lohnen. Regel­mäßig kann man deshalb bei artechock z. B. etwas über die Macher der Filme, über Festivals oder die Möglich­keiten und Schwie­rig­keiten des Film­ge­nusses erfahren.

In den kommenden Wochen widmet sich artechock in loser Folge einem weiteren, bisher kaum gewür­digten Gesichts­punkt, der uns doch alle bei jedem Kino­be­such ganz unmit­telbar betrifft. Es sind dies die Zuschauer, die Kinogeher, die Männer, Frauen und Kinder, die vor, hinter und neben uns sitzen, mit denen wir für zwei Stunden einen Raum und ein Film­erlebnis teilen, die wir im besten Fall gar nicht wahr­nehmen, die uns manchmal stören, manchmal zum Schmun­zeln bringen, manchmal verun­si­chern, manchmal ratlos zurück­lassen.

artechock bringt endlich Licht ins Dunkel der Kino­reihen und stellt im Rahmen eines kleinen Bestia­riums einige der inter­es­san­testen und markan­testen Arten der Kinogeher vor. Etwa den Schwarz­au­gen­ring-Cineasten und den Bunt­ge­scheckten Festi­val­gast, den scheuen Alles­gu­cker ebenso wie manch possier­li­chen kleinen Popcorn-Nager, den weit­ver­brei­teten Gemeinen Schwätzer mit all seinen Unter­arten wie dem Grau­me­lierten Klug­schwätzer oder dem Dumm­schwätzer, Sitz­platz­no­maden und Nestbauer, Schäd­linge wie den Rücken­leh­nen­klopfer, Stören­friede wie den Polternden Zuspät­kommer, den unschein­baren Rand­sitzer und den laut­starken Pscht!Pscht!, Exoten wie den bei uns heimisch gewordene Johler, vom Aussterben bedrohte Arten wie den Filmstar-Verehrer und noch manches mehr.

Das Wich­tigste an einem Kino­be­such sind und bleiben natürlich die Filme auf der Leinwand. Doch so lange wir es vorziehen, Filme nicht alleine im sicheren Heim, sondern in einem dunklen Saal, umgeben von wild­fremden Menschen zu sehen, kann es nicht schaden, wenn man weiß, wer diese Leute sind und warum bzw. wie sie mehr­s­tün­diges Dauer­ra­scheln erzeugen, warum sie frei­willig in gesund­heits­ge­fähr­dender Haltung in der zweiten Reihe sitzen oder warum sie hyste­risch auflachen, wenn auf der Leinwand Köpfe explo­dieren. Es ist dabei nicht ausge­schlossen, auch etwas über sich selbst zu erfahren.