Feuerwerk der Kino-Vielfalt |
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| Film-Rarität: Heidi Genées 1 + 1 = 3 galt als lange verschollenes Werk des Jungen deutschen Films. Jetzt ist es auf dem Dachboden des Produzenten wieder aufgetaucht | ||
| (Foto: Veith von Fürstenberg · Heidi Genée) | ||
Von Dunja Bialas
Kino live erleben, das steht dieses Jahr im Mittelpunkt der traditionsreichen Filmkunstwochen München. Das Bollerwagen-Kino geht wieder auf Tour. Diesmal leuchtet Bettina Steininger mit ihrem Beamer in die verborgenen Winkel in Laim. Restkarten gibt es nur noch für den 2. Termin der Tour. (30.7., 21:00 Uhr)
Wer traurig ist, am ersten Termin keinen Platz ergattert zu haben, sollte zur Late Night Film Lecture »Magic Moments« mit Anna Edelmann und Thomas Willmann in die City-Kinos kommen. In einem rasanten Ritt durch die Filmgeschichte geht es diesmal in kurzweiligen Film-Auszügen um die bunte Tierwelt, die uns so possierlich zu begeistern vermag. (23.7. 21:00 Uhr, City-Kinos)
Und gleich am ersten Wochenende startet im Neuen Maxim ein Experiment. Das Untergeschoss wird freigemacht für die Ausstellung »Licht-Spiel-Kunst« von den Anmut-Studios. Dazu zeigt an mehreren Terminen die Münchner Tänzerin Katrin Schafitel ihre Performance »Auge um Auge«. Es geht um die Schnittstellen und Begegnungsräume zwischen darstellender Kunst, Musik und bildender Kunst – Kino wird hier zum vielbesprochenen und sehr zeitgemäßen »dritten
Ort«. Wie das aussieht, lässt sich bei der Vernissage und in den kommenden drei Wochen erleben. Eröffnung: So 26.7. Eröffnung mit Performance ab 17:00 Uhr.
Genaues Programm
Andere Kino-Live-Acts werden wir in den nächsten drei Sommerwochen ankündigen.
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Kommen wir nun zu »Kino pur«, denn schließlich stehen nach wie vor die Filme im Mittelpunkt der Filmkunstwochen. Das Sommer-Festival der Münchner Arthouse-Kinos ist bundesweit einmalig: In keiner anderen Stadt gibt es ein gemeinsames Programm der Kinos, und in keiner anderen Stadt halten die Kinobetreiber*innen und Theaterleiter*innen so sehr zusammen, wenn es um ihre Kinos geht. Da ist die Sorge um die Kinos ganz allgemein, die unter dem Druck eines immer größer werdenden Freizeitsektors zusammenrücken, die vor allem aber den Immobiliendruck einer Stadt wie München zu fürchten haben. Im Zentrum ihrer Kino-Arbeit aber stehen die Liebe zum Kino und die Begeisterung für gute Filme – woraus auch die Sorge erwächst, ob die guten Filme ihr Publikum finden – kleine Verleiher haben gute Filme, aber auch ein kleines Marketing-Budget. Schlimm ist auch die Angst vor der Filmflaute, wenn sich so gar kein attraktiver Titel im Verleihangebot finden lässt.
In dieser Richtung gibt es dieses Jahr wohl nichts zu befürchten.
Vor wenigen Tagen vermeldete die »Süddeutsche Zeitung«, dass mit der Schubkraft des neuen Films von Christopher Nolan, Die Odyssee ein sehr starkes Kinojahr zu erwarten ist. Die Autorin dieser Zeilen versuchte vor ein paar Tagen, einen Platz für die täglich stattfindende 70mm-Vorführung des Films im mit über 300 Plätzen ausgestatteten Astor-Arri zu ergattern – vergebens. Das lässt hoffen. Nicht nur wissen die Nolan-Fans ganz genau Bescheid, was sie von 70mm haben – hier sitzen Connaisseure in den Sesseln –, auch wir wissen seit dem Barbenheimer-Effekt, dass ein oder zwei einzelne Filme einen Booster auf die gesamte Kinokultur zu erzeugen vermögen.
Die Filme von Christopher Nolan haben den neuen Trend im Kino begonnen, die Zeit außer Kraft zu setzen, das machen z.B. auch die Filme von Tim Kröger, Sandra Wollner oder der bald startende Funeral Casino Blues von Roderick Warich. Die Homer’sche »Odyssee« vom verhinderten Heimkehrer passt deshalb auch so gut ins Portfolio des Kino-Megalomanen Nolan. Die 74. Filmkunstwochen München zeigen im Leopold mit Interstellar, Dunkirk und Tenet eine »Best of Nolan«-Auswahl.
Das deutsche Kino ist derzeit auch international erfolgreich. Wie gut, dass wir die Hüller haben! Sandra Hüller revolutioniert durch ihr Schauspiel auch das internationale Kino. Im ABC wird neben Thomas Stubers In den Gängen (2018) eine Auswahl der erfolgreichsten internationalen Filme der Thüringerin gezeigt: Jonathan Glazers The Zone of Interest, Justine Triets Anatomie eines Falls und Pawel Pawlikowskis Vaterland.
Die Münchnerin Caroline Link ist, an Oscars gemessen, die erfolgreichste Regisseurin Deutschlands. Was kaum einer präsent hat: Sie hat in einer Szene in Pünktchen und Anton dem Arena-Kino ein Denkmal gesetzt. Im Kino in der Hans-Sachs-Straße werden in einer Hommage noch einmal die wichtigsten Filme von Caroline Link gezeigt, die an drei Terminen (28.-30.7.) persönlich für ein Publikumsgespräch anwesend sein wird.
Deutsches Kino spielt traditionell eine große Rolle bei den Filmkunstwochen. Eine ganz besondere Rarität des Jungen deutschen Films ist 1 + 1 = 3 (1979) von Heidi Genée, der mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnet wurde. In eine der Rollen ist der junge Dominik Graf zu sehen, der auch zu Gast sein wird, neben dem Produzenten Veith von Fürstenberg, auf dessen Dachboden sich der verschollen geglaubte Film befand. Zu Gast ist neben den Kindern von Heidi Genée auch Robert Fischer, der die Restaurierung begleitet hat. (Mi 29.7. 20:15 Theatiner)
Bei den Filmkunstwochen lässt sich auch Kino-Geschichte erleben: Das Theatiner eröffnete vor 70 Jahren unter dem Namen Film-Cabinett (der Betreiber war Hanns Luttner), erst ein Jahr später übernahm Kirchner. Luttner hatte ein besonderes Faible für den Western, ließ deshalb im neu errichteten Kino die erste CinemaScope-Leinwand Münchens einbauen und liebte außerdem Musicals. Das Jubiläumsprogramm zum 70-jährigen Bestehen zeigt eine Auswahl beider Genres aus allen Jahrzehnten,
darunter Die Männer um Hilda Crane, mit dem das Film-Cabinett 1956 eröffnete (23.7. 18:15), Chantal Akermans Golden Eighties (24.7. 18:15) oder Nur für einen Tag, den
Eröffnungsfilm von Cannes 2025 (4.8. 18:15). Außerdem im Western-Genre 3:10 to Yuma (1957), Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada oder El
Topo des 97-jährigen Alejandro Jodorowsky.
Übersicht über das Musical- und Western-Programm.
20 Jahre Cinema Español / Cinema Latino feiert das Studio Isabella. Ganz besonders kann man sich auf den Beitrag von Lafita aus der Filmstadt München freuen, die den Dokumentarfilm Gaucho Gaucho bekommen konnten. (29.7. 18:30)
Übersicht über das Español- / Latino-Programm.
Mit über 130 Filmen ist das Programm der 12 teilnehmenden Kinos natürlich wieder ein einziges, unbändiges Feuerwerk. Wir werden in den nächsten drei Wochen weitere Highlights hervorheben.
Die Autorin ist organisatorische Leiterin der Filmkunstwochen München.