05.07.2018
36. Filmfest München

Kurz & knapp 2

Glücklich wie Lazzaro
Der beglü­ckendste Film aus CineMas­ters: Alice Rohr­wa­chers gefei­erter Glücklich wie Lazzaro

Tipps und Kurz­kri­tiken zum 36. Filmfest München für die 2. Halbzeit

Von der artechock-Redaktion

Neues Deutsches Kino

WACKERSDORF

Wie so oft ist die Geschichte der beste Lehr­meister (auch wenn dann doch niemand drauf hört) – und Oliver Haffners Wackers­dorf der perfekte Kommentar zur gegen­wär­tigen baye­ri­schen Politik von Söder und Seehofer (und popu­lis­ti­scher Politik an sich). Aber Haffners Wackers­dorf ist nicht nur deswegen ein wirk­li­ches Highlight der Sektion Neues Deutsches Kino: Denn Haffner gibt mit seiner Mischung aus fein dosiertem Humor und bissiger poli­ti­scher Analyse auch eine Nach­hil­fe­stunde in Sachen Wider­stand, eine Sprache mit einem zwar schwie­rigen Vokabular, die dennoch jeder lernen kann. Haffner erinnert mit seinem histo­risch akkuraten Ritt durch diese Klimax der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung aber auch daran, dass es viel­leicht mal wieder an der Zeit ist Wider­stand zu leisten, und zwar nicht nur gegen banal-blöde-baye­ri­sche Politik, sondern schon wie damals in Wackers­dorf, um das retten, ohne das gar nichts geht – unseren Planeten. (Axel Timo Purr)
Wackers­dorf – D 2018 – R: Oliver Haffner – 120 Min
Do. 10:00 Uhr, HFF 1

WIR HABEN NUR GESPIELT

Nicht nur im Vergleich mit dem bizarren Dystopie-Witz von Ulrich Köhlers IN MY ROOM ist Ann-Kristin Reyels WIR HABEN NUR GESPIELT ein wahrer Segen. Pointiert und poetisch zugleich zeigt sie, dass die wahren Dystopien in unserer Kindheit und an den Grenzen unseres Landes liegen. Im Kleinen liegt hier auch das Dilemma des Großen verborgen, die Probleme, mit denen Europa im Moment ringt. Dabei erzählt Reyels vorder­gründig nur von dem 10-jährigen Jona, den es mit seiner Mutter und dem neuen Stief­vater an die tsche­chi­sche Grenze verschlagen hat, wo er den 13-jährigen Russen Miro kennen­lernt, und um dessen Freund­schaft Jona kämpft und dabei nur ahnt, dass die Welt Miros auf der andern Seite der Grenze eine Paral­lel­welt ist, die abgrün­diger kaum sein könnte. Wie Reyels mit ihren jugend­li­chen Haupt­dar­stel­lern Finn-Henry Reyels und Roman Bkhavnani arbeitet, sie zu einem vibrie­renden, völlig über­zeu­genden Spiel führt, erinnert an den jungen Wenders und und natürlich an Hark Bohms Nordsee ist Mordsee. (Axel Timo Purr)
WIR HABEN NUR GESPIELT – D 2018 – R: Ann-Kristin Reyels – 86 Min
Fr 15:00 Uhr, HFF 1

ALLES IST GUT

Alles ist gut, der Debüt-Film von Eva Trobisch, scheint auf den ersten Blick nur ein weiterer, stiller, fast unschein­barer Film des neuen deutschen Kinos, doch schon während des Sehens und fast mehr noch nach seinem Ende entfaltet Trobischs Film eine immense Kraft. Dazu trägt sicher­lich nicht nur die große schau­spie­le­ri­sche Leistung von Aenne Schwarz bei, sondern auch ein kluges Dreh­buch­buch und eine über­zeu­gende Insze­nie­rung, die das Thema Verge­wal­ti­gung im bekannt-beruf­li­chen Umfeld erheblich komplexer erzählt, als es gemeinhin üblich ist und es vor allem glaub­würdig mit der detail­lierten Schil­de­rung eines langsam erodie­renden Bezie­hungs- und Berufs­alltag verknüpft. (Axel Timo Purr)
ALLES IST GUT – D 2018 – R: Eva Trobisch – 93 Min
Mi, 22:30 Uhr, HFF AudimaxX

CineMe­ritAward Terry Gilliam

Es laufen auf dem Filmfest so knapp an die 200 Filme – und das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was pro Jahr weltweit produ­ziert wird. Dennoch ist im Grunde die Nicht-Existenz eines Films ungleich wahr­schein­li­cher; jedes poten­ti­elle Werk ist den Unwäg­bar­keiten der Finan­zie­rung und des Drehs ausge­setzt, absurden Widrig­keiten abge­trotzt. Wohl nie wurde das orga­ni­sierte Chaos einer Spiel­film­pro­duk­tion im Extrem­fall spek­ta­ku­lärer doku­men­tiert als in Lost in La Mancha. Wer dieses »Un-making of« zu Terry Gilliams lang­ge­hegtem Don-Quixote-Projekt noch nicht kennen sollte: Unbedingt nachholen! Eigent­lich als nettes DVD-Bonus­ma­te­rial zur Entste­hung gedacht, konnten damals Keith Fulton & Louis Pepe live miter­leben, wie die Dreh­ar­beiten in einer Serie von Kata­stro­phen schei­terten.
Dazu gibt's nun, sechzehn Jahre später, den im wieder­holten Anlauf doch endlich noch entstan­denen The Man Who Killed Don Quixote zu sehen. (Und Terry Gilliam live im Gespräch zu erleben!) Trotz eines Rechts­streits, der das beinahe nochmal verhin­dert hätte. Ob der Film mit seiner Entste­hungs­ge­schichte mithalten kann? Egal. Haupt­sache: Closure! (Thomas Willmann)
The Man Who Killed Don Quixote – BE, FR, PT, ES 2018 – R: Terry Gilliam – 132 Min

Hommage Lucrecia Martel

Das Münchner Filmfest widmet der argen­ti­ni­schen Regis­seurin Lucrecia Martel eine Werkschau: Gele­gen­heit also, die großar­tigen Lang- und Kurzfilme einer Erneuerin des latein­ame­ri­ka­ni­schen Kinos zu erleben und voll­kommen in ihre intensive Bildwelt abzu­tau­chen. In den drei Filmen ihrer Salta-Trilogie (Salta ist die Provinz im Norden Argen­ti­niens, aus der Martel stammt) sind es Situa­tionen der Stagna­tion und der Krise, die sich in atmo­s­phä­risch genau gezeich­neten Milieus entfalten: Lucrecia Martel versteht es, die Momente der Suspen­die­rung von Zeit zu viel­deu­tigen sinn­li­chen Chiffren zu verdichten.
In La Ciénaga – Morast spiegelt sich die Verkom­men­heit und die Trägheit bei den Erwach­senen in der Unordnung und der Indolenz der Kinder und Jugend­li­chen.
In Das heilige Mädchen (La niña santa) wird der Ärzte­kon­gress in einem herun­ter­ge­kom­menen Hotel zum promisken Umfeld für die sexuellen und reli­giösen Expe­ri­mente heran­wach­sender Mädchen.
In La mujer sin cabeza geht eine Zahnärztin wie eine Fremde durch ihr Leben, nachdem sie mit ihrem Auto einen Hund (oder war es doch ein Junge?) anfuhr: diese Unge­wiss­heit versieht all die Routinen ihres Alltags mit einem schmerz­haften Vorzei­chen der Unwirk­lich­keit.
Ihr neuestes Meis­ter­werk Zama ist ein »period picture« aus der spani­schen Kolo­ni­al­zeit in Latein­ame­rika über den Beamten Zama: er hofft im südame­ri­ka­ni­schen Hinter­land (heute: im argen­ti­nisch-para­gu­ay­ischen Grenzland) auf die Verset­zung nach Buenos Aires. In den Jahren des vergeb­li­chen Wartens zersetzen sich seine Wahr­neh­mungen langsam zu zwei­deu­tigen Hallu­zi­na­tionen, bis er sich einer militä­ri­schen Expe­di­tion in den Urwald anschließt. (Wolfgang Lasinger)

Wett­be­werb CineMas­ters

ASCHE IST REINES WEISS

Erstmals siedelt Jia Zhangke, derzeit einer der einfluss­reichsten chine­si­schen Regis­seure, seinen Film im Milieu der Jainghu an. Jainghu bezeichnet in etwa den Under­ground, das Gangs­ter­mi­lieu, Mafia­gesell­schaften, die einen hohen Ehren­kodex haben. Für Jia Zhangke sind sie Symbol­fi­guren für den Underdog, der gegen den Main­stream lebt, poten­tiell wider­s­tändig und im wahrsten Sinne »inde­pen­dent«. Wie Jia Zhangke als Filme­ma­cher. Sein Epos von »success and failure in life« erstreckt sich über fast 20 Jahre und beginnt in seiner Heimat­pro­vinz Shanxi wie ein Gangs­ter­film, changiert ins Melo­dra­ma­ti­sche, passiert den Jangtse-Fluss am Drei-Schluchten-Stauwerk. Im Zentrum, auch das ist ein Novum bei Jia Zhangke, steht hier die Frau. Ein narra­tiver Stream of images, der sich jedoch niemals in epischer Schönheit verliert, sondern immer das beiläufig streift, was sich nur subkutan erleben lässt: den Wandel. Wir alle sind Reisende in der Zeit. (Dunja Bialas)
ASCHE IST REINES WEISS – China 2018 – R: Jia Zhangke – 141 Min

Do 17:00 Uhr, HFF Audimaxx

GLÜCKLICH WIE LAZZARO

Sie ist die Wieder­gän­gerin der größten italie­ni­schen Volks­re­gis­seure, wie de Sica oder Pasolini: Alice Rohr­wa­cher. Mit Glücklich wie Lazzaro insze­niert sie den bibli­schen Lazarus, der von den Toten aufer­weckt wurde, als Volks­le­gende. Er bildet den (naiven) Licht- und Hoff­nungs­punkt in einer von Sklaverei geknech­teten Gemein­schaft, die von einer habgie­rigen Marquise ausge­beutet wird. Rohr­wa­cher zeigt hier ein Italien, das es erst gestern auf die Seite drei der Süddeut­schen Zeitung geschaft hat: als Land der an den Rand Gedrängten, Verarmten, Geknech­teten, Aussor­tierten. Und das in einer Bilder­kraft, die uns erzählt, was Kino einmal war, bei Rohr­wa­cher ganz und gar vibrie­rend lebendig gehalten. (Dunja Bialas)
GLÜCKLICH WIE LAZZARO – Deutsch­land, Italien, Frank­reich, Schweiz 2018 – R: Alice Rohr­wa­cher – 125 Min
Do 19:30 Uhr, Atelier 1

FOXTROT

In Venedig mit dem Silbernen Löwen ausge­zeichnet, aber nicht nur in Isreal überaus kontro­vers disku­tiert und diskre­di­tiert, ist Samuel Maoz Bestands­auf­nahme israe­lisch-paläs­ti­nen­si­scher Befind­lich­keiten jedoch vor allem eine grandiose thera­peu­ti­sche Achter­bahn­fahrt. Mal zärtlich, mal wuchtig, mal brutal sozi­al­rea­lis­tisch, dann wieder die Ursprünge absurden Theaters refe­ren­zie­rend, gelingt Maoz' Foxtrot, der im Wett­be­werb der Cine­mas­ters läuft, fast das Unmög­liche und formu­liert filmisch, was Amos Oz in seiner »Geschichte von Liebe und Fins­ternis« bereits lite­ra­risch ange­deutet hat: Man muss nicht schweigen, worüber man nicht reden kann. Die Bilder, die Maoz für die Sprach­wer­dung dieser prekären Lage findet, sind schlichtweg atem­be­rau­bend und ganz großes Kino! (Axel Timo Purr)
Foxtrot – DE, IT, IR, CH 2017 – R: Samuel Maoz – 113 Min
Fr 21:00 Uhr, Send­linger Tor

Spotlight

À GENOUX LES GARS

Eine entfes­selte Sprach- und Sexkomödie, die ganz in der Tradition von Marivaux' Sprach- und, nein, Liebes­komö­dien steht. Wie beim Rokkoko-Altmeister wuchern hier die Sprach­spiele und Wort­ver­dre­hungen in jedem Moment, der sich anbietet, garniert mit einer hübschen Portion Argot. Das Komö­dien­schema der Verwechs­lung, Verdre­hung, der Gegen­sätze, hier der Mädels gegen die Jungs und auch des Cultural Clash, treibt Regisseur Antoine Desro­sières tempo­reich zur Perfek­tion. Dabei geht es sehr direkt und unkorrekt um Blowjobs, Selbst­be­frie­di­gung und Homo­se­xua­lität, unter vier Jugend­li­chen in Straßburg. Der Hinter­grund ist dabei, und das erstaunt noch einmal mehr, magre­bi­nisch. (Dunja Bialas)
A GENOUX LES GARS (SEXTAPE) – F 2017 – R: Antoine Desroi­sière – 98 Min
Fr 21:00 Uhr, Gloria Palast

Sa 22:30 Uhr, Theatiner

NAPOLI VELATA

Napoli Velata hat ein wunder­bares Ende. Leider hat er dann auch noch drei weitere, weniger wunder­bare Enden. Weil in Ferzan Ozpeteks Film immer wieder das Konzept, das Kopfige obsiegt über das Geschich­ten­er­zählen, das Sinnliche. An Themen mangelt's wahrlich nicht: Um Kunst, um Masken und Dopp­lungen, um das Sichtbare und das Verbor­gene geht's, unter anderem. Giallo-Elemente verqui­cken sich mit grie­chi­scher Tragödie. Und im Hinter­grund tappen Statisten als Blinde herum, weil: Leitmotiv! Der Film versucht, Neapel nicht wie üblich sozi­al­rea­lis­tisch als Hort von Verbre­chen und Korrup­tion zu zeigen – sondern als mythische Stadt, wie es im italie­ni­schen Kino sonst Rom vorbe­halten ist. Aber im letzten Ende ist alle Kunst immer nur Blendung. Und das, was man an Emotion inves­tiert hat, verpufft. (Thomas Willmann) NAPOLI VELATA – IT 2017 – R: Ferzan Ozpetek – 112 Min
Sa 17:30 Uhr, Münchner Freiheit 1

JUSQU'À LA GARDE (NACH DEM URTEIL)

Jusqu'à la garde (Nach dem Urteil) hat einen wunder­baren Anfang. Wir lernen die Prot­ago­nisten zunächst über Zeugen­aus­sagen bei einer Sorge­rechts-Anhörung kennen. Und bleiben dann, auch wenn wir sie endlich sehen, selbst sprechen hören, wenn wir sie in ihren Alltag begleiten, lang im Zweifel: Ist der geschie­dene Vater wirklich der gewalt­tä­tige Unhold, als den ihn die Mutter darstellt? Lässt sich der elfjäh­rige Sohn von ihr instru­men­ta­li­sieren? Oder hat der seine eigene, mani­pu­la­tive Agenda? Xavier Legrand erzählt das eine gute Weile mit gekonnten Ausspa­rungen, Viel­schich­tig­keit im Detail. Nötigt einen zum eigenen Urteil, zum Abwägen jedes Indizes. Nur, um dann die zweite Film­hälfte immer mehr in platte, genre­hafte Eindeu­tig­keit kippen zu lassen. Diese Eska­la­tion ist nicht nur über­flüssig, kickt einen eher raus aus der Invol­viert­heit. Sie negiert geradezu aktiv die vorhe­rigen Qualitäten des Films. Aus einem Drama über die Schwie­rig­keit eines Urteils wird eine klare Bestä­ti­gung aller Vorur­teile. (Thomas Willmann)
JUSQU'À LA GARDE (NACH DEM URTEIL) – FR 2017 – R: Xavier Legrand – 90 Min

Sa 20:00 Uhr, Theatiner

A CASA TUTTI BENE (ZUHAUSE IST ES AM SCHÖNSTEN)

In der Reihe Spotlight gibt es sicher­lich stärkere Filme als Gabriele Muccinos A casa tutti bene (Zu Hause ist es am schönsten), aber wer an Italien und seinen gegen­wär­tigen popu­lis­ti­schen Isola­ti­ons­be­stre­bungen inter­es­siert ist, wird in diesem sommer­leichten Fami­li­en­drama durchaus fündig. Denn Muccino gelingt es tatsäch­lich, Italien auf das zu redu­zieren, was Italien viel­leicht vor fünfzig Jahren noch war – die Groß­fa­milie und nichts als die Groß­fa­milie, die sich hier durch einen Wetter­um­schwung plötzlich auf Ischia viel länger mitein­ander ausein­an­der­setzen muss als ursprüng­lich geplant. Und auch wenn Muccinos Film wie aus der Zeit gefallen wirkt, entwi­ckelt er im Übergang von flos­kel­haften Nettig­keiten zu gnaden­loser, knaus­gard­scher Ehrlich­keit immer wieder packende, große Momente. (Axel Timo Purr)
A Casa Tutti Bene (Zu Hause ist es am Schönsten) – IT 2017 – R: Gabriele Muccino – 105 Min

Do 21:00 Uhr, Gloria Palast – Sa 18:00 Uhr, Gloria Palast

SHEIKH JACKSON

Wer nur einen Funken Interesse daran hat, einmal alles euro­zen­tri­sche Denken beiseite zu wischen und einen Blick in das Herz isla­mi­schen Denkens und Alltags zu wagen, der sollte sich Amr Salahs Sheikh Jackson ansehen, einen der inter­es­san­testen Filme der Reihe Spotlight. Der von ägyp­ti­schen Film­kri­ti­kern hoch­ge­lobte aber von einer massiv drohenden Facebook-Community ange­fein­dete Film erzählt das Coming-of-Age eines isla­mi­schen Geist­li­chen, der seit seiner Kindheit eine leiden­schaft­liche Lieb­ha­berei für Michael Jackson und dessen Musik entwi­ckelt hat und der durch dessen Tod aus seinem beschau­li­chen Alltag mit seiner Familie und seinem geist­li­chen Umfeld geworfen wird. Nicht nur sind die Anspie­lungen auf die ägyp­ti­sche Geschichte seit den 1980er Jahren und die massiven gesell­schaft­li­chen Trans­for­ma­tionen delikat in den Plot inte­griert, sondern überzeugt auch Ahmed El Fishawy in der Haupt­rolle auf allen Ebenen. (Axel Timo Purr)
(AL SHEIKH JACKSON) (AL SHEIKH JACKSON) – Ägypten 2017 – R: Amr Salama – 93 Min
Fr 17:00 Uhr, City 1

Wett­be­werb CineVi­sion

THE GUILTY

Über Sundance und Rotterdam ist Gustav Möllers düster-beklem­mendes Kammer­spiel The Guilty jetzt in München gelandet. Zwar mit eindeu­tigen Thril­ler­mo­tiven operie­rend, geht es Möller aller­dings um weit mehr als plakative Gewalt. Vor dem Hinter­grund einer Polizei­no­t­ruf­s­chicht, während der einer der dienst­ha­benden Poli­zisten in einen doppel­bö­digen Entfüh­rungs­fall verwi­ckelt wird, entrollt Möller die Lebens­linie des Poli­zisten und seines Umfelds, das allein über die Tele­fo­nate zu einem komplexen Mosaik wird. Ein Mosaik, das sich mehr und mehr in die eska­lie­rende Entfüh­rung drängt und unkon­ven­tio­nelle, über­ra­schende Fragen nach Schuld und Sühne stellt. (Axel Timo Purr)
THE GUILTY (DEN SKYLDIGE)– Dänemark 2017 – R: Gustav Möller – 85 Min
Donnerstag, 19:30 Uhr Münchner Freiheit 2 und Freitag, 20:30 Uhr

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