28.07.2022

Kinos für die Zukunft

A Page of Madness
Ein Kino-Konzert zum Auftakt
(Foto: Okabre / Leah Hochedlinger)

Die 70. Filmkunstwochen München begehen ein optimistisches Jubiläum in 11 Münchner Arthouse-Kinos. Ein kleiner Ausblick auf das Zukunftsprogramm

Von Dunja Bialas

Mit einem dunkel-expres­sio­nis­ti­schen Auftakt eröff­neten am gestrigen Mittwoch die 70. Film­kunst­wo­chen München. Geboten wurde ein Film­kon­zert im Ober­gie­singer Cincin­nati-Kino zum in expres­sio­nis­ti­schem Schwarz­weiß gehal­tenen Stummfilm A Page of Madness des japa­ni­schen Regis­seurs Kinugasa Teinosuke. Ein inten­siver und beklem­mender Film, der in einer Irren­an­stalt spielt, mit einem Haus­meister, der vergeb­lich versucht, seine dort einge­ker­kerte Frau zu befreien. Begleitet hat die Vorstel­lung im vollen Kino in der Ami-Siedlung das Linzer Ensemble Okabre, die für ein Jahr die Film­rechte erworben haben, und jetzt mit ihrem im wahrsten Sinne aufse­hen­er­re­genden Kino-Konzert touren.

Kino wie noch nie! So war der Eröff­nungs­abend über­schrieben, und in der Tat hatte man derar­tiges weder im Cincin­nati-Kino, eher bekannt für Minions & Co., noch bei den Film­kunst­wo­chen bislang gesehen. Die Arthouse-Kinos, die nun zum 70. Mal für ein Sommer­pro­gramm jenseits von den alle Vorstel­lungen verstop­fenden Arthouse-Block­bus­tern Gugl­hupf­ge­schwader und Monsieur Claude und sein großes Fest sorgen, wollen ein Sommer-Festival des Kinos feiern, das zeigt, was Kino alles kann. Wie aber trotzdem Lust auf Kino machen, wenn die Gassen­hauer nicht gezeigt werden?

Den Betrei­be­rinnen und Betrei­bern der 11 teil­neh­menden Kinos in allen Stadt­teilen – das ABC, Arena, Rio, Maxim, Rottmann, Rex, Museum Licht­spiele (MuLi), Theatiner, Isabella, City Kinos und im S-Bahn-Bereich das Filmeck Gräfel­fing – ist es gelungen, eine beträcht­liche Anzahl einschlä­giger Previews zu sichern. Das verlangt oft Verhand­lungs­ge­schick mit den Verlei­hern, die unter Umständen nicht wollen, dass ihre Filme ohne große Kampagne zu sehen sind – mit den eigenen Augen der Zuschauer*innen. Ein paar Filme waren schon auf dem Filmfest München zu sehen, wie Broker von Hirokazu Kore-eda (ABC 30.7. 20:00 + 31.7. 15:00, OmU), Freibad von Doris Dörrie (ABC 17.8. 15:00 + 20:00), Scarlett von Pietro Marcello (ABC 4.8. 15:00 + 20:00, OmeU) oder Nicht ganz koscher von Stefan Sarazin und Peter Keller (Rex 30.7. 20:30 DF, MuLi 3.8. 20:30 OmeU). Noch nicht in München zu sehen war Peter von Kant (ABC 29.7. 20:00 OmU, Arena 6.8. 19:00 OmU), eine Hommage des Fass­binder-Verehrers François Ozon an Die bitteren Tränen der Petra von Kant.

Die Zukunft verbindet sich mit diesen Filmen natürlich allein schon dadurch, dass es Previews sind. Sonne von Kurdwin Ayub, der ebenfalls in Preview gezeigt wird (ABC 3.8. 15:00 + 20:00) aber zeigt, dass die Zukunft erst gefüllt wird, wenn auch neue Themen oder Ausdrucks­formen kommen. Sonne war einer der meist­ge­fei­erten Filme der Berlinale und über­raschte durch respekt­loses Twerken im Hijab, was zu einer hinter­sin­nigen Geschichte von Rebel­linnen geformt wurde. Auch der goldene Berlinale-Bären­ge­winner Alcarràs der kata­la­ni­schen Regis­seurin Carla Simón ist zu sehen (alle OmU: Rio 1.8. 20:30, City 7.8. 20:00, Isabella 10.8. 18:30, ABC 11.8. 15:00 (dt) + 20:00), mit einem aktuellen Film zum Thema Solar­energie vs. Land­schafts­schutz.

Zur Zukunfts­wei­sung gehört so auch das »Cinema for Future«, das sich mit der Themen­wahl an die »Fridays for Future«-Bewegung anlehnt. Der Bauer und der Bobo des Öster­rei­chers Kurt Langbein (ebenfalls eine Preview) erzählt von einem Twist zwischen einem Bauern und einem Jour­na­listen (Rex 31.7. 18:00, Rottmann 13.8. 20:30), Dear Future Children von Franz Böhm von drei Frauen, die an verschie­denen Punkten der Erde sich für eine bessere Zukunft einsetzen: in Chile, in Hongkong und in Uganda (Rottmann 9.8. 20:00 OmU).
Filmische Narration neu und verspielter einzu­setzen, könnte ebenfalls zukunfts­wei­send sein. Jedermann und Jedermann und ich von Katharina Pethke insze­niert den Schau­spieler und Frontmann von »Die Elek­tro­hand Gottes« Philipp Hochmair als Darsteller seiner Selbst, als veri­ta­blen Jedermann (City 13.8. 21:15, Pethke und Hochmair sind zu Gast).

70. Film­kunst­wo­chen München
27. Juli -17. August 2022

Das Sommer-Festivals der Arthouse-Kinos
Teil­neh­mende Kinos: ABC, Arena, City Kinos, Museum Licht­spiele, Maxim, Rex, Rio, Rottmann, Isabella, Theatiner, Filmeck Gräfel­fing

Program­mü­ber­sicht mit allen Spiel­ter­minen und Gästen

Die Autorin ist leitende Orga­ni­sa­torin des Festivals. Das Programm stammt von den Kino­be­treiber*innen. Mit freund­li­cher Unter­stüt­zung des Kultur­re­fe­rats der Landes­haupt­stadt München.