10.10.2019

Jenseits von Afrika

The Burial of Kojo
Blitz Bazawules The Burial Of Kojo

Unter dem Motto „beyond“ zeigen die diesjährigen, 9. Münchner Afrikanischen Filmtage ein Afrika jenseits standardisierter Erwartungshaltungen

Von Axel Timo Purr

Wie wichtig der afri­ka­ni­sche Filmmarkt inzwi­schen geworden, zeigt nicht nur der rege Zuspruch der »African Hub«- Veran­stal­tungen auf den letzten Berli­nalen, sondern auch ein vermehrtes Interesse der großen Streaming-Platt­formen. Netflix etwa erweitert nicht nur konse­quent seinen Bestand großer afri­ka­ni­scher »Main­stream«-Produk­tionen, sondern produ­ziert inzwi­schen auch selbst – der mit Nollywood-Star­be­set­zung reali­sierte CHIEF DADDY wurde mit großem Pomp letzten Dezember in Lagos released.

Diese Aufmerk­sam­keit wünscht man sich auch den beschei­denen Münchner Afri­ka­ni­schen Filmtagen, die seit 2011 jeden Oktober im Carl-Amery-Saal der Münchner Stadt­bi­blio­thek/Gasteig statt­finden. Ausgehend von der Annahme, dass gelebte kultu­relle Diver­sität durch das Aufbre­chen und den Abbau von Stereo­typen gestärkt wird, versuchen die Afri­ka­ni­schen Filmtage vor allem Einblicke in afri­ka­ni­sche Realitäten zu ermög­li­chen, um sich damit auch als Plattform für die Annähe­rung an ein fried­li­ches und viel­fäl­tiges Zusam­men­leben in München anzu­bieten.

Gezeigt werden pro Veran­stal­tungs­reihe im Zeitraum von vier Tagen durch­schnitt­lich sieben bis acht Filme – über­wie­gend Spiel-, doch zunehmend auch Doku­men­tar­filme – allesamt von afri­ka­ni­schen Regis­seurInnen. Dabei bemühen sich die Veran­stalter, die Vielfalt des afri­ka­ni­schen Konti­nents abzu­bilden, indem Filme aus unter­schied­li­chen Ländern und Regionen ins Programm aufge­nommen werden. Der Fokus liegt dabei auf aktuellen Produk­tionen.

Unter dem Motto „beyond“ zeigt die 9. Ausgabe der Afri­ka­ni­schen Filmtage vor allem aktuelle Spiel- und Doku­men­tar­filme, deren Blick sich über gängige, medial präsente Themen hinweg auf afri­ka­ni­sche Realitäten richtet, die sich „hinter“ dem offen­sicht­lich Wahr­nehm­baren eröffnen.

So beleuchtet der Doku­men­tar­film Buddha in Africa den wach­senden, kulturell-wirt­schaft­li­chen Einfluss Chinas auf afri­ka­ni­sche Staaten wie Malawi, lässt jedoch die Möglich­keiten, die sich hierbei ergeben, keines­wegs außer Acht.

Während sich das tune­si­sche Fami­li­en­drama Regarde-moi der Annähe­rung eines Vaters und seines autis­ti­schen Sohnes über Blick­kon­takt widmet, erzählt Sew the Winter to my Skin die Geschichte des „südafri­ka­ni­schen Robin Hoods“ mit eindrück­li­cher Bild­sprache – beide Filme thema­ti­sieren nonver­bale Kommu­ni­ka­ti­ons­formen auf höchst unter­schied­liche Weise. Im Anschluss an Sew the Winter to my Skin findet außerdem ein Gespräch mit dem südafri­ka­ni­schen Haupt­dar­steller Ezra Mabengeza statt.

Demge­genüber verweisen die magisch-realis­ti­schen Erzähl­weisen der Spiel­filme Mabata Bata und The Burial Of Kojo inhalt­lich auf Zwischen­welten – auf ästhe­ti­scher Ebene verdeut­li­chen sie die oftmals enge Verflech­tung zwischen künst­le­ri­schen Ausdrucks­formen und einem Bewusst­sein für makro­kos­mi­sche Zusam­men­hänge.

Und während der Doku­men­tar­film Talking About Trees vier ältere Herren begleitet, die sich für die Wiederer­öff­nung eines alten Open-Air-Kinos in Khartum und somit für mehr Freiheit im Sudan einsetzen, erzählt Maki'la von jungen Menschen, die sich auf den Straßen Kinshasas nach Freund­schaft und Liebe sehnen.

Weitere Infor­ma­tionen zum Programm und dem Veran­stal­tungsort unter http://www.aft-munich.com.

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