23.05.2019

Lust auf Wirklichkeit

Peter Heller
»Gegen heiße Luft«: Der fidele Peter Heller mit einem seiner Protagonisten. (Foto: Filmkraft)

Eine Hommage an den umtriebigen Münchner Filmemacher Peter Heller zeigt bei »Dok around the clock« sechs seiner Werke

Von Dunja Bialas

Eine Hommage an den umtrie­bigen Münchner Filme­ma­cher Peter Heller stellt jetzt in sechs Filmen sein Wirken vor. Sechs von sechzig, muss man hinzu­fügen, denn in vierzig Jahren Film­schaffen hat Peter Heller in jedem einzelnen Jahrzehnt bis zu 15 Filme gemacht, kraft­volle Bestands­auf­nahmen von der Welt und dem Leben.

Die Hommage, vom Dokfest in seiner ganz­jäh­rigen Reihe »Dok around the clock« orga­ni­siert, zeigt im City Kino (28.5. bis 2.6., jeweils 21 Uhr) Peter Hellers viel­leicht bekann­teste Werke. Dschun­gel­burger – Hack­flei­sch­ord­nung Inter­na­tional, der 1986 entstand und die neue Bewegung und Partei der Grünen erahnen lässt, wurde mit dem Preis der Fipresci als bester Doku­men­tar­film ausge­zeichnet und zeigt erstmals die globalen Verzah­nungen zwischen unserem Essen und dessen Produk­tion. Damit wir einen Burger essen können, wird woanders Urwald gerodet. Das wäre ein schöner Volten-Film für das (jetzt einge­stellte) Kuli­na­ri­sche Kino von Berlinale-Dieter-Kosslick gewesen! (Dienstag, 28.5.)

Die Achtziger waren aber nicht nur das Jahrzehnt des ökolo­gi­schen Erwachens. In ihm wurde auch der Femi­nismus richtig stark, nach seinen noch suchenden, sexuell befrei­enden Anfängen in den 1970er Jahren. Alice Schwarzer startete ihre PorNo-Kampagne erst 1987, Peter Heller machte zwei Jahre später einen irri­sie­renden Film über einen »Porno­jäger«, der sich aller­dings als ein weniger femi­nis­ti­scher denn erzka­tho­li­scher Moral­apostel entpuppt. Der Porno­jäger – Eine Hatz zwischen Lust und Politik, wie der Film nach seinem Prot­ago­nisten heißt, zeigt so immer auch die Kehrseite des guten Anliegens. Denn hier wie dort, bei den Porno-Machern und –Guckern wie auch bei denen, die sie bekämpfen, ist eine eigen­ar­tige Sexfi­xiert­heit fest­zu­stellen. »Eine bizarre Real­sa­tire«, schrieb einst der »Spiegel«. Der Porno­jäger jagt in Wien, Öster­reich, was eine schön deftige Ulrich-Seidl-Note erhält. (Mittwoch, 29.6.)

Mama General (Co-Regie: Sylvie Banuls) zeigt zehn Jahre später ein anderes Kapitel, mit dem Peter Heller sich seit den 1970er Jahren befasst hat. Mama General geht der Armut in diesem unseren reichen Lande nach und portrai­tiert in einer Lang­zeit­per­spek­tive eine Kölner Familie, die den Aufstieg aus einem Obdach­lo­sen­asyl geschafft hat. Eine Chronik aus dem Wirt­schaft­wun­der­land, die 1976 beginnt und Ende der 1990er Jahre endet, und die auch das Versagen unserer Gesell­schaft zeigt. In diesem Zusam­men­hang sei auch auf den aktuellen Film Super Friede Liebe Love des Münchner Doku­men­tar­fil­mers Till Coester hinge­wiesen, der ein Münchner Wohnungs­lo­sen­heim portrai­tiert (bundes­weiter Kinostart: 20.6.). Es gibt sie also immer noch, die Armut aus reichem Hause. (Freitag, 31.5.)

Vor zwei Jahren hatten bereits die verdienst­vollen Ethno­lo­gi­schen Filmtage von Peter Neugart dem Münchner Filme­ma­cher eine umfas­sende Werkschau gewidmet. Darin ging es vor allem um dessen afri­ka­ni­schen Schwer­punkt, Afrika ist Peter Hellers zweiter Kontinent. Von seinen über sechzig Filmen hat er ihm einen großen Teil gewidmet, und dabei nie den Blick verleugnet, den er als Weißer auf den schwarzen Kontinent hat, oder die Geschichte, die er als Erbe der Historie zwangs­läufig mitbringt. Post­ko­lo­niales und die Kritik von »Entwick­lungs­hilfe« zeigt er in seinem 2012 entstan­denen Süßes Gift – Hilfe als Geschäft auf (Sonntag, 2.6.).

Einen Tag zuvor wird einer seiner popu­lärsten Filme gezeigt: Plattln in Umtata (2007), in dem die »Biermösl Blosn« nach Südafrika reisen, um dort mit Alphorn, Tuba und Trompeten auf musi­ka­li­schen Austausch mit dem rhyth­mi­schen Kontinent zu gehen, der sich als bester musi­ka­li­scher Battle in den Straßen­ecken des schwarzen Teils von Kapstadt vollzieht. (Samstag, 1.6.)

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Lust auf Wirk­lich­keit
Hommage Peter Heller
28.5. bis 2.6.2019
City Kinos München, 21 Uhr
Zu allen Filmen gibt es Gespräche mit dem Regisseur Peter Heller und anderen Gästen. Mode­ra­tion: Ludwig Sporrer