08.11.2018

Die letzten Tage alter weißer Männer sind ange­bro­chen

Subjektiv - Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert
Rafiki aus Kenia besticht durch seine poppige Ausstat­tung und die frechen Grrrls

Bimovie 24 zeigt zwölf Filme zur weib­li­chen Selbst­be­stim­mung

Von Hanni Beckmann

Frauen machen Musik, über die Schub­laden hinweg. Patti Cake$ zum Beispiel. Sie ist eine Gangster-Rapperin, nichts gerin­geres als the Queen of Rap, und gering schon gleich gar nicht. Höchst massiv schiebt sie ihren Körper und ihre Lieder vor sich her. Außerdem ist sie weiß. Eine rappende, weiße, über­ge­wich­tige Gangsta-Frau? Da lebt es sich wild und gefähr­lich, außerdem selbst­be­wusst. Geremy Jaspers Film­fik­tion Patti Cake$ – Queen of Rap begeis­tert seit dem Sundance Film­fes­tival glei­cher­maßen Publikum und Kritik wegen seiner gran­diosen Schau­spie­lerin, der Austra­lierin Danielle Macdonald, die sich New-Jersey-Slang und das Rappen für die Rolle beige­bracht hat. Bereits jetzt short­listed für die besten Oscar-Songs! (Freitag, 9.11., 21 Uhr / Sonntag, 11.11., 21 Uhr, Neues Maxim)

Das Bimovie – Eine Frau­en­film­reihe ist ein wichtiger Münchner Termin im Jahr, und das nicht nur für Frauen. Junges, freches Kino findet sich diesmal im Programm. Wäre der thema­ti­sche Fokus nicht, den das Begleit­heft immer auch als Problem­feld in Erin­ne­rung ruft (auch die Rapperin hat ein Bündel voller Back­ground-Sorgen, an dem sie schwer schleppt), könnte ruhig erwähnt werden, dass sich hier viel Heraus­ra­gendes finden lässt, das hohen cine­as­ti­schen Genuss verspricht.

Der kenia­ni­sche Rafiki zum Beispiel, jetzt für das Programm des großen Film­fes­ti­vals Rotterdam annon­ciert. Die Regis­seurin Wanuri Kahiu macht seit 2009 preis­ge­krönte Filme, erntete mit ihrem Debüt From A Whisper gleich fünf Africa Movie Academy Awards. Mit ihrem neuesten Film wird ihr das nicht gelingen: Die Coming-of-Age-Story zweier kenia­ni­scher Mädchen, die sich inein­ander verlieben, wurde in ihrem Heimat­land verboten. (Freitag, 9.11., 19 Uhr / Montag, 12.11., 21 Uhr)

Ähnlich und doch anders ist der spanische Carmen y Lola von Arantxa Eche­varría. Ihr Spiel­film­debüt über die Liebe zwischen zwei Roma-Mädchen premierte in der Quinzaine des Réali­sa­teurs und machte sie in der spani­schen Filmszene über Nacht berühmt: als erste spanische Frau, deren Film in der ange­se­henen Cannes-Sektion läuft. Eman­zi­pa­tion und Coming-outs auf allen Ebenen! Carmen y Lola drehte sie mit Laien aus der lokalen Roma-Community. Authen­ti­scher Touch und Realismus schwebt über dem Ganzen. Das Thema behandelt wiederum ein wichtiges Problem, wird doch Homo­se­xua­lität laut Programm­heft »in großen Teilen der Kultur der Roma immer noch als Krankheit betrachtet«. (Samstag, 10.11., 19 Uhr / Mittwoch, 14.11., 21 Uhr)

Die Erbinnen ist sicher­lich der promi­nen­teste Film des dies­jäh­rigen Programms. Kurz vor Start­termin am 29.11. zeigt ihn Bimovie als Festival Opener. Das Lang­film­debüt von Marcelo Martin­essi spielt in der Ober­schicht von Paraguay; ein betuchtes Frau­en­paar lebt über seine Verhält­nisse. Die eine muss ins Gefängnis, die andere verkauft stück­weise das Mobiliar und chauf­fiert ohne Führer­schein ältere Damen durch die Gegend. Bis sie sich in eine Jüngere verliebt. Beson­der­heit: Der Cast besteht nur aus Frauen, Ana Brun erhielt für ihre Darstel­lung auf der Berlinale den Silbernen Bären. (Donnerstag, 8.11., 19 Uhr / Samstag, 10.11., 17 Uhr)

Zum Schluss noch ein Tipp für die Fans von M.I.A.: In einem Doku­men­tar­film kommen wir der aus Sri Lanka stam­menden Hip-Hop-Musikerin nahe, die mit ihren poli­ti­schen Songs immer wieder in die Schlag­zeilen kam. Den Film hat ihr lang­jäh­riger Freund Stephen Loveridge gemacht, der auch Video-Takes von M.I.A. herself beinhaltet. Der Film heißt wie die drei-Stadien-Verwand­lung der Musikerin: Matangi / Maya / M.I.A., die drei Namen sind ihre drei Iden­ti­täten in Sri Lanka, in London, dann als Musikerin. (Samstag, 10.11., 21 Uhr / Dienstag, 13.11., 21 Uhr)

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Bimovie 24 – Eine Frau­en­film­reihe
08. – 14.11.2018 im Kino Neues Maxim
Lands­huter Allee 33, 80673 München
Bimovie ist eine Veran­stal­tung der Geier­wallis, Mitglied der Filmstadt München e.V.
Karten: 8,50 €
Reser­vie­rung unter 089 / 890 599 80
Mehr Infor­ma­tionen unter bimovie.de

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