Cinema Moralia – Folge 389
Der Preis des deutschen Films... |
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| Es ist sehr gut, dass der Film Das Verschwinden des Josef Mengele von Kyrill Serebrennikov so oft nominiert wurde... | ||
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»Zehn Deutsche sind dümmer als fünf Deutsche.«
– Heiner Müller
Eine Facebook-Freundin schrieb dieser Tage: »Falls euch der Film Palästina 36 interessiert – er ist kacke!« Es wäre schön, wenn manchmal Filmkritik ähnlich »clare ac distincte« formulieren würde.
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Wir freuen uns auf den deutschen Filmpreis! Hoffentlich gewinnen die Guten. Also die guten Filme. Nicht die Erfolgreichen – die Erfolgsvernarrtheit (ökonomisch, »im Ausland«, Hollywood) war schon immer ein Hauptproblem für den deutschen Film.
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Es ist sehr gut, dass der Film Das Verschwinden des Josef Mengele von Kyrill Serebrennikov so oft nominiert wurde. Vor einem Jahr lief er in Cannes.
Für das beste Filmfestival der Welt war er also gut genug – nicht gut genug war er aber, auch das muss erwähnt werden, für das Filmfest München und des Filmfest Hamburg. Die haben zwar sonst nicht viel miteinander
zu tun, sie waren sich aber noch darin einig, diesen Film abzulehnen. Aus München hörte man dazu über zwei Ecken, dass die Absage mit »der Auswahlkommission« begründet wurde. Das möchten wir glauben, aber ich weiß gar nicht, aus wem die Auswahlkommission besteht, und wenn dem wirklich so ist, dann müsste das Filmfest dringend einmal seine Auswahlkommission überprüfen und die Kriterien, nach denen Filme ausgewählt werden. Denn eigentlich muss es ja darum gehen: Sperrige,
irritierende, provokative Filme auszuwählen und zu zeigen, Autorenfilme, Filme, die es beim Publikum schwerer haben als Kommerzkino, sollte für jedes Festival mit Selbstachtung eine Ehre sein.
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Ein bisschen scheint mir, hat das Ganze aber auch System: denn mit anderen sperrigen Filmen, die irgendetwas mit Nationalsozialismus zu tun haben, gehen ja die meisten deutschen Filmfestivals schlecht um, so diese Festivals nicht unabhängig sind von den Förderern wie das Filmfestival in Ludwigshafen und das in Oldenburg. Andere Festivals sind, so darf man im Umkehrschluss vermuten, abhängig, sind sehr geschamig mit NS-Themen im Kino, wenn dieses nicht den Heiligenschein eines
ausländischen Großerfolgs mit sich trägt. Das heißt ein unbedingt von Kunstwillen geprägtes Werk wie The Zone of Interest läuft natürlich und wird rauf und runter gefeiert; hier hat die deutsche Filmförderung so gut wie nichts beigetragen, obwohl nicht nur deutsche Schauspieler die Hauptrollen spielten, sondern auch das Thema – hüstel hüstel – deutsch
ist.
Umgekehrt war es dann bei dem deutschen Film Die Ermittlung von RP Kahl, der nicht weniger von Kunstwillen getragen ist; er wurde von fast allen Festivals in Deutschland ignoriert oder zurückgewiesen, oder in Nischen gezeigt.
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Ich muss hier in diesem Zusammenhang auch einmal erwähnen (obwohl ich da in der Auswahlkommission sitze und also nicht unparteiisch bin), dass das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen, über das sich manche, die noch nie da waren, ja gerne mokieren, weil es angeblich ein »Fernsehfestival« sei und weil dort auch im Wettbewerb mal ein »Tatort« neben Edelautorenkino läuft – aber nicht einer, der aus Ludwigshafen kommt, und sonst nur, wenn er eine außergewöhnliche Autorenhandschrift trägt – dass dieses Festival, dessen Hauptpreis unter anderem schon Angela Schanelec, Valeska Grisebach, Ulrich Köhler und Dominik Graf bekommen haben, im vergangenen Jahr genau diesen Film nicht nur gezeigt hat, sondern er dann auch den Hauptpreis des Festivals bekommen hat. Den zweiten Preis für die »Beste Regie« bekam dann übrigens Mascha Schilinski für In die Sonne schauen – schön, dass also der Deutsche Filmpreis fast ein Jahr nach Ludwigshafen auf die gleichen Ideen kommt.
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Blicken wir auf die Nominierten. Nicht schlecht. Auch nicht super. Nicht sehr originell. Aber immerhin.
Auffällig ist, dass selbst die einzelnen Sektionen immer die gleichen Filme auch für die Einzelleistungen ausgewählt haben. Woran liegt’s? Schwarmdummheit, es werden nach der neuesten Neuerung, dass es keine Vorauswahl mehr gibt, wirklich nur die bekannten Filme überhaupt gesehen.
Dazu kommt, dass das Wahlverfahren in der Art der Abstimmung »bekannte« Filme bevorzugt.
Diese kommen also am schnellsten durch, auch in den Einzelleistungen. Sonst will die Akademie ja gerne
so divers wie möglich sein, hier jedoch genau nicht, in der eigentlichen selbst gestellten nämlich ästhetischen Aufgabe.
Die einzigen Veranstaltungen, in denen in der Zeit der Nominierungen bei der Filmakademie über die Filme diskutiert wird, sind sogenannte Speed-Datings, wo in fünf Minuten dem Gegenüber gepitcht werden darf, welcher Film sie/ ihn »abgeholt« hat…
Ausnahme ist die Regiesektion, die wie die amerikanische DGA jeden Monat ein internes Regie Q&A
macht, wo es auch um Ästhetik etc. geht…
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Wir bleiben gespannt aufs Resultat.