Frauen Leben Freiheit |
![]() |
|
| Gebrochene Vergangenheit | ||
| (Foto: Little Dream/justbridge) | ||
Die Vereinten Nationen prägten für den diesjährigen Weltfrauentag das Motto »Rights. Justice. Action. For All Women and Girls«. Im Iran lautete der Slogan der Demonstrantinnen im September 2022 noch existentieller: »Frau Leben Freiheit«. Der Tod Jina Mahsa Amini in der Haft der iranischen Polizei löste damals Proteste aus, die weltweit mitverfolgt wurden und die Lage der Frauen im Iran nachdrücklich ins allgemeine Bewusstsein riefen.
Mit My Stolen Planet der iranischen Regisseurin Farahnaz Sharifi (Weltpremiere war 2024 auf der Berlinale) erinnert Bimovie an jene letztlich brutal niedergeschlagenen Proteste. Dass diese Programmierung durch die aktuelle Bombardierung des Iran durch die USA und Israel nun besondere Brisanz bekommt, war bei der Planung nicht abzusehen. Der Film spürt der systematischen und massiven
Unterdrückung von Frauen nach, die mit der islamischen Revolution Khomeinis 1979 einsetzte. Der dokumentarische Essay der heute in Deutschland lebenden Regisseurin beschreibt den immer enger werdenden, ganz aufs Private eingeschränkten Raum individueller Betätigung von Frauen im Iran. Der »gestohlene Planet« eines öffentlich sich entfaltenden weiblichen Lebens wird rekonstruiert anhand von Bild- und Tondokumenten, von Fotos aus dem Familienalbum, von Super-8-Filmen
ihrer Eltern, die ausgelassenes Feiern und Tanzen zu Hause unter dem Konterfei Khomeinis an der Wohnzimmerwand zeigen. In dem als persönlich-intimen Tagebuch-Essay angelegten Film sammelt die Regisseurin obsessiv solche Momente der verbotenen Freiheit, die der moralisch-sittlichen Repression abgerungen werden. Zusammen mit Aufnahmen aus anderen Nachlässen, nach denen Farahnaz Sharifi fahndete, wird eine Gegenwelt zur von der Sittenpolizei der Revolutionsgarden regulierten
Welt evoziert. Zu einer Welt, in der Frauen nicht singen, nicht tanzen, sich nicht artikulieren dürfen und sich verhüllen müssen: »Sie haben die Waffen, wir haben uns« – so heißt es einmal im Kommentar. Die Bilder von den in den Innenraum abgedrängten Leben der Frauen entfalten eine beklemmende Dringlichkeit, die angesichts der Proteste im Jahr 2022, die »Frau Leben Freiheit« skandieren, noch größer wird. Die Regisseurin befindet sich zu dieser Zeit mit einem Stipendium für
Künstler*innen in Deutschland. Nachdem dann im Iran befreundete Filmerinnen verhaftet und ihr privates Filmarchiv beschlagnahmt wurden, kehrte sie nicht mehr zurück in das Land. Die Revolte, die erstickt wird, verfolgt sie von außen mit. So wird dieser Film zu einem persönlich-intimen Dokument der Unterdrückung von Frauen und des Widerstands dagegen.
(Neues Maxim Fr 6.3. 21:00 · So 8.3. 18:30)
In anderen Filmen, die mit nicht so massiven Gewaltbedingungen zu tun haben, nimmt weibliche Selbstbehauptung dann eine lustbetont spielerische Form an. Etwa in den feministisch-queeren Umstülpungen von heteronormativ kodierten Genres. Das passiert einmal in der konsequent lesbisch gewendeten Rom-Com aus Frankreich: Amantes von Caroline Fournier spielt mehrere
Liebeskonstellationen um drei Freundinnen in Paris in einem immer wieder selbstironischen Reigen weiblichen Liebens und Begehrens durch.
(Neues Maxim Do 5.3. 18:30 · So 8.3. 15:30)
Knalliger und handfester geht es in dem Zombiefilm von Tina Romero zu. Sie schüttelt in Queens of the Dead das Horror- und Splattergenre kräftig durch, wenn sie auf einer New Yorker Party Drag-Queens in den queeren Infight mit Zombies schickt. Dass die Regisseurin die Tochter von George A. Romero ist, dem kultigen Meister des Horror-Genres, macht ihren Film geradezu zu einem exemplarischen Fall
von feministischem Bildersturm gegen väterliche Normen.
(Neues Maxim So 8.3. 21:00 · Mo 9.3. 18:30)
Das Aufbegehren von Frauen in einer männlich dominierten Domäne kann besonders in Reto Caduffs Dokumentation Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heute erlebt werden. Protagonistinnen aus der deutschen Punkbewegung der späten 70er- und 80er-Jahre erzählen über ihre Selbstermächtigung an Instrumenten und auf Bühnen. Ein hochenergetisches Portrait, das einen ganz eigenen Blick auf
die Musikszene jener Jahre ermöglicht: »Nicht labern, machen!«, das klingt hier nochmal um einiges druckvoller.
(Neues Maxim Sa 7.3. 21.00)
Richtig anarchisch wird es dann in Playing with Fire: An Ecosexual Emergency. Annie Sprinkle, die feministische Sex-Aktivistin und Performerin aus den USA, ehemalige Sexarbeiterin und Pornodarstellerin, entwickelt mit ihrer Ehefrau Beth Stephens eine besondere Form des Ökofeminismus. In diesem dokumentarischen Essay nehmen sie die Waldbrände der Jahre 2020 bis 2025
in Kalifornien zum Anlass, alle politischen, ökonomischen und künstlerischen Kategorien über den Haufen zu werfen. Von den Selbstverständlichkeiten des heteronormativen Kapitalismus bleibt nach der überbordenden Kreativitätsattacke der beiden so gut wie nichts mehr übrig.
(Neues Maxim Sa 7.3. 15:30 · Di 10.3. 21:00)
Weitere Facetten weiblich-queerer Aufsässigkeit gibt es im queeren und feministischen Kurzfilmprogramm (Neues Maxim Mo 9.3. 21:00 · Mi 11.3. 18:30) oder auch in einem Klassiker des feministischen Films aus dem Jahr 1966, in Tausendschönchen der tschechischen Wegbereiterin des feministischen Films Vera Chytilova.
(Neues Maxim Do 5.3. 21:00 · Di 10.3. 18:30)
Angesichts der geballten Frauen-Power, die sich wie gehabt im Münchner Kino Neues Maxim zusammenfindet, ist es nur konsequent, dass sich das Festival erstmals den eigentlich naheliegenden Termin gegeben hat: die Filmreihe findet nun rund um den Internationalen Frauentag statt. Und eine schöne Nachricht: dem Team hat sich die Theaterleiterin des Neuen Maxims, Natalie Papapetrou, angeschlossen. Ein starkes Zeichen für die Filmkunst aus weiblicher Perspektive.
05.–11.03.2026
Neues Maxim
Einzelkarte 11,50,– €
4er Block (nur direkt im Kino) 44,– €
Ermäßigung (nur München-Pass) 10,– €