05.03.2026

Frauen Leben Freiheit

My Stolen Planet
Gebrochene Vergangenheit
(Foto: Little Dream/justbridge)

Das 32. Bimovie findet erstmals im Frühjahr statt. Die Münchner Frauenfilmreihe bekommt um den 8. März herum noch mehr Wucht – ein Blick auf das Programm

Von Wolfgang Lasinger

Die Vereinten Nationen prägten für den dies­jäh­rigen Welt­frau­entag das Motto »Rights. Justice. Action. For All Women and Girls«. Im Iran lautete der Slogan der Demons­tran­tinnen im September 2022 noch exis­ten­ti­eller: »Frau Leben Freiheit«. Der Tod Jina Mahsa Amini in der Haft der irani­schen Polizei löste damals Proteste aus, die weltweit mitver­folgt wurden und die Lage der Frauen im Iran nach­drück­lich ins allge­meine Bewusst­sein riefen.

Mit My Stolen Planet der irani­schen Regis­seurin Farahnaz Sharifi (Welt­pre­miere war 2024 auf der Berlinale) erinnert Bimovie an jene letztlich brutal nieder­ge­schla­genen Proteste. Dass diese Program­mie­rung durch die aktuelle Bombar­die­rung des Iran durch die USA und Israel nun besondere Brisanz bekommt, war bei der Planung nicht abzusehen. Der Film spürt der syste­ma­ti­schen und massiven Unter­drü­ckung von Frauen nach, die mit der isla­mi­schen Revo­lu­tion Khomeinis 1979 einsetzte. Der doku­men­ta­ri­sche Essay der heute in Deutsch­land lebenden Regis­seurin beschreibt den immer enger werdenden, ganz aufs Private einge­schränkten Raum indi­vi­du­eller Betä­ti­gung von Frauen im Iran. Der »gestoh­lene Planet« eines öffent­lich sich entfal­tenden weib­li­chen Lebens wird rekon­stru­iert anhand von Bild- und Tondo­ku­menten, von Fotos aus dem Fami­li­en­album, von Super-8-Filmen ihrer Eltern, die ausge­las­senes Feiern und Tanzen zu Hause unter dem Konterfei Khomeinis an der Wohn­zim­mer­wand zeigen. In dem als persön­lich-intimen Tagebuch-Essay ange­legten Film sammelt die Regis­seurin obsessiv solche Momente der verbo­tenen Freiheit, die der moralisch-sitt­li­chen Repres­sion abge­rungen werden. Zusammen mit Aufnahmen aus anderen Nach­lässen, nach denen Farahnaz Sharifi fahndete, wird eine Gegenwelt zur von der Sitten­po­lizei der Revo­lu­ti­ons­garden regu­lierten Welt evoziert. Zu einer Welt, in der Frauen nicht singen, nicht tanzen, sich nicht arti­ku­lieren dürfen und sich verhüllen müssen: »Sie haben die Waffen, wir haben uns« – so heißt es einmal im Kommentar. Die Bilder von den in den Innenraum abge­drängten Leben der Frauen entfalten eine beklem­mende Dring­lich­keit, die ange­sichts der Proteste im Jahr 2022, die »Frau Leben Freiheit« skan­dieren, noch größer wird. Die Regis­seurin befindet sich zu dieser Zeit mit einem Stipen­dium für Künstler*innen in Deutsch­land. Nachdem dann im Iran befreun­dete Filme­rinnen verhaftet und ihr privates Film­ar­chiv beschlag­nahmt wurden, kehrte sie nicht mehr zurück in das Land. Die Revolte, die erstickt wird, verfolgt sie von außen mit. So wird dieser Film zu einem persön­lich-intimen Dokument der Unter­drü­ckung von Frauen und des Wider­stands dagegen.
(Neues Maxim Fr 6.3. 21:00 · So 8.3. 18:30)

In anderen Filmen, die mit nicht so massiven Gewalt­be­din­gungen zu tun haben, nimmt weibliche Selbst­be­haup­tung dann eine lust­be­tont spie­le­ri­sche Form an. Etwa in den femi­nis­tisch-queeren Umstül­pungen von hete­ro­nor­mativ kodierten Genres. Das passiert einmal in der konse­quent lesbisch gewen­deten Rom-Com aus Frank­reich: Amantes von Caroline Fournier spielt mehrere Liebes­kon­stel­la­tionen um drei Freun­dinnen in Paris in einem immer wieder selbst­iro­ni­schen Reigen weib­li­chen Liebens und Begehrens durch.
(Neues Maxim Do 5.3. 18:30 · So 8.3. 15:30)

Knalliger und hand­fester geht es in dem Zombie­film von Tina Romero zu. Sie schüttelt in Queens of the Dead das Horror- und Splat­ter­genre kräftig durch, wenn sie auf einer New Yorker Party Drag-Queens in den queeren Infight mit Zombies schickt. Dass die Regis­seurin die Tochter von George A. Romero ist, dem kultigen Meister des Horror-Genres, macht ihren Film geradezu zu einem exem­pla­ri­schen Fall von femi­nis­ti­schem Bilder­sturm gegen väter­liche Normen.
(Neues Maxim So 8.3. 21:00 · Mo 9.3. 18:30)

Das Aufbe­gehren von Frauen in einer männlich domi­nierten Domäne kann besonders in Reto Caduffs Doku­men­ta­tion Einfach machen! She-Punks von 1977 bis heute erlebt werden. Prot­ago­nis­tinnen aus der deutschen Punk­be­we­gung der späten 70er- und 80er-Jahre erzählen über ihre Selbst­er­mäch­ti­gung an Instru­menten und auf Bühnen. Ein hoch­en­er­ge­ti­sches Portrait, das einen ganz eigenen Blick auf die Musik­szene jener Jahre ermög­licht: »Nicht labern, machen!«, das klingt hier nochmal um einiges druck­voller.
(Neues Maxim Sa 7.3. 21.00)

Richtig anar­chisch wird es dann in Playing with Fire: An Ecosexual Emergency. Annie Sprinkle, die femi­nis­ti­sche Sex-Akti­vistin und Perfor­merin aus den USA, ehemalige Sexar­bei­terin und Porno­dar­stel­lerin, entwi­ckelt mit ihrer Ehefrau Beth Stephens eine besondere Form des Ökofe­mi­nismus. In diesem doku­men­ta­ri­schen Essay nehmen sie die Wald­brände der Jahre 2020 bis 2025 in Kali­for­nien zum Anlass, alle poli­ti­schen, ökono­mi­schen und künst­le­ri­schen Kate­go­rien über den Haufen zu werfen. Von den Selbst­ver­s­tänd­lich­keiten des hete­ro­nor­ma­tiven Kapi­ta­lismus bleibt nach der über­bor­denden Krea­ti­vi­täts­at­tacke der beiden so gut wie nichts mehr übrig.
(Neues Maxim Sa 7.3. 15:30 · Di 10.3. 21:00)

Weitere Facetten weiblich-queerer Aufsäs­sig­keit gibt es im queeren und femi­nis­ti­schen Kurz­film­pro­gramm (Neues Maxim Mo 9.3. 21:00 · Mi 11.3. 18:30) oder auch in einem Klassiker des femi­nis­ti­schen Films aus dem Jahr 1966, in Tausend­schön­chen der tsche­chi­schen Wegbe­rei­terin des femi­nis­ti­schen Films Vera Chytilova.
(Neues Maxim Do 5.3. 21:00 · Di 10.3. 18:30)

Ange­sichts der geballten Frauen-Power, die sich wie gehabt im Münchner Kino Neues Maxim zusam­men­findet, ist es nur konse­quent, dass sich das Festival erstmals den eigent­lich nahe­lie­genden Termin gegeben hat: die Filmreihe findet nun rund um den Inter­na­tio­nalen Frauentag statt. Und eine schöne Nachricht: dem Team hat sich die Thea­ter­lei­terin des Neuen Maxims, Natalie Papa­pe­trou, ange­schlossen. Ein starkes Zeichen für die Filmkunst aus weib­li­cher Perspek­tive.

Bimovie 32

05.–11.03.2026
Neues Maxim

Einzel­karte 11,50,– €
4er Block (nur direkt im Kino) 44,– €
Ermäßi­gung (nur München-Pass) 10,– €