20.01.2011

Nieder mit der Mauer!

Eyal Sivan - Jaffa, The Orange's Clockwork
Orangen für alle! (Jaffa – The Orange’s Clockwork)
Der neue Film von Eyal Sivan

Vom 22. bis zum 30. Januar 2011 findet in München die Israelisch-palästinische Filmwoche statt

Von Dunja Bialas

Sie ist schwer zu begreifen, die Welt. Während vor über zwanzig Jahren der Mauerfall in Berlin bejubelt wurde und die Welt seitdem aus dem starren Ost-West-Denken befreit wurde, wurden woanders Mauern hoch­ge­zogen. Konkrete Mauern, mit Stachel­draht und Grenz­pa­trouillen. Wie in Mexiko, wo sich die nördliche Hemi­s­phäre gegen die Wirt­schafts­flücht­linge aus dem ärmeren Süden verbar­ri­ka­diert. Wie bald in Zypern, wo die aus Asien ankom­menden Flücht­linge gestoppt werden sollen. Und wie im Grenz­ge­biet Israel-Palästina, wo eine Mauer Menschen gefangen hält, um ihnen zu signa­li­sieren, dass sie auf umstrit­tenem Terri­to­rium nur geduldet, aber keines­wegs will­kommen oder gar zu Hause sind.

Kultur ist eigent­lich seit jeher wie geschaffen dazu, jenseits poli­ti­scher Grenz­zie­hungen für Aufklä­rung zu sorgen und einen Dialog zu eröffnen. Filme erzählen von persön­li­chen Schick­salen, berühren durch indi­vi­du­elle Geschichten, können Wahr­heiten offen­baren, die sonst nicht erhört würden. Die israe­lisch-paläs­ti­nen­si­schen Filmtage sind in München seit drei Jahren eine feste Insti­tu­tion, in einer Stadt, in der die jüdische (und durchaus israeltreue) Gemeinde gut verankert ist, und wo gleich­zeitg viele Paläs­ti­nenser im Exil leben.

Ulla Weßler, die Initia­torin der israe­lisch-paläs­ti­nen­si­schen Filmwoche, hat den Filmen dieses Jahr das Motto über­schrieben: »Brücken bauen – Mauern über­winden«. Wie hoff­nungs­voll das Motto ist, zeigte sich in der Vorbe­rei­tung der Filmwoche: »Wir wollten ursprüng­lich drei Filmen aus dem Programm des fertig­ge­stellten Cinema Jenin drei Filme aus einem Kino in Haifa, Tel Aviv oder Jerusalem gegenüber­stellen und mit drei bis vier Filmen unserer Wahl kombi­nieren. Diese Idee schei­terte an den verhär­teten poli­ti­schen Fronten, die auch den kultu­rellen Austausch immer wieder behindern«, so Weßler. Sie setzt daher stark auf das beglei­tende Podi­ums­ge­spräch »Kino zwischen Frieden und Wider­stand«, um den Dialog jenseits der Leinwand in Gang zu bringen, mit hoch­karä­tigen Teil­neh­mern wie Marcus Vetter, Initiator des Projektes Cinema Jenin, Fakhri Hamad, Projekt­ma­nager von Cinema Jenin vor Ort, und Irit Neidhardt, Betrei­berin des auf Nah-Ost-Filme spezia­li­sierten mec-Film­ver­leihs (Sonntag im Vortrags­saal der Biblio­thek im Gasteig, 23.01., 17:00 Uhr).

Im zwar von der ursprüng­li­chen Idee abwei­chenden, aber dennoch hoch­in­ter­es­santen Film­pro­gramm finden sich u.a. Jaffa – The Orange’s Clockwork, das neue Werk von Eyal Sivan, The Time that Remains von Elia Suleiman, und der sehens­werte HFF-Abschluss­film von David Vogel, Shalom Chaverim, Shalom Shalom über die junge Gene­ra­tion in Israel, die sich mittels Thea­ter­proben dem Konflikt annähert.

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