18.05.2019
72. Filmfestspiele Cannes 2019

Cannes On Speed 03: Stupid White Boy

»Port Authority« von Danielle Lessowitz
Port Authority von Danielle Lessowitz
(Foto: Salzgeber)

Simultanistische Filmkritik: Port Authority von Danielle Lessowitz

Von Rüdiger Suchsland

Die Geschichte eines Stupid White Boy. Und eine Metapher auf die unter­drückte Homo­se­xua­lität und damit einher­ge­hende Homo­phobie »des« ameri­ka­ni­schen Mannes.
Paul kommt in New York an, Central Station. Von Anfang an ist er als Loser erkennbar, und so street­wise, dass er sein Cellphone in die Außen­ta­sche seines Rücksacks tut. Seine Schwester soll ihn abholen, sie ist nicht da. Geld hat er kaum, also schläft er im Two Train, wird dort schnell zusam­men­ge­schlagen von zwei Typen und kann froh sein, dass sie ihn nicht auch noch beklauen. Lee, ein dritter Typ mit Muskeln und Tatoos rettet ihn. White Trash unter sich.
Lee nimmt Paul unter seine Fittiche, bringt ihn in einem Obdach­lo­sen­heim in Harlem unter. Ihr Geld verdient Lee und seine weiße Männer­gang, für die alles Negative »faggot« ist, damit, »Invic­tions« durch­zu­führen, also von zahlungs­säu­migen Mietern oder Eigen­tü­mern zu kassieren, Güter zu beschlag­nahmen oder sie einfach aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Ein schmut­ziger Job, für den der passive Schweiger Paul genau der Richtige ist, aber natürlich schnell ein schlechtes Gewissen hat.
Zugleich lernt Paul eine Gruppe von schwarzen Tänzern, meist schwul oder trans kennen – vor allem weil er sich in Wye verguckt hat, ohne zu merken, dass sie eine Trans­gender-Frau ist.
Paul fehlt der Blick für das Offen­sicht­liche, dafür ist der ganze Debütfilm der hippen Ameri­ka­nerin Danielle Lessowitz ein bisschen zu offen­sicht­lich. Das zeigt sich auch daran, dass man keine Sekunde glaubt, dass die charis­ma­ti­sche Wye sich für den dummen Jungen aus Pitts­burgh inter­es­sieren könnte. »What do you like about me?« fragt er einmal. Ihre Antwort: »Your whiteness.«