26.07.2018
Cinema Moralia – Folge 179

Splitter zukünf­tiger Erin­ne­rung

Hitlers Hollywood
Hitlers Hollywood goes Jerusalem – Ilse Aichinger und Claude Lanzmann sind mit dabei

Nein heißt Nein: Es gibt kaum Frauen im Locarno-Programm und auch fast keine in Venedig. Dafür treten die Medien nun als Ersatz­po­lizei und Ersatz­staats­an­walt­schaft auf – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 179. Folge

Von Rüdiger Suchsland

»Die Erin­ne­rung splittert leicht, wenn man sie zu beherr­schen sucht. Selbst die Frage nach der Möglich­keit ihrer Existenz überlässt sie nicht dem, der darauf besteht.« schreibt Ilse Aichinger in ihrem großen Erin­ne­rungs­buch »Film und Verhängnis«. Und weiter: »Wer die Chance, halbwegs früh wegzu­bleiben, endgültig versäumt hat ... sollte seine Verluste leicht nehmen, um ihnen gerecht zu werden. Er hat ohnehin nichts als den Atem gewonnen, der sie jederzeit so möglich macht.«
Mit Hitlers Hollywood geht es morgen nach Jerusalem, und weil dies ein spezi­eller Ort für diesen Film ist, gehört Ilse Aichinger ins Gepäck und Claude Lanzmann. Sie müssen die Pole bilden, um dem Publikum bei der Vorfüh­rung am Freitag zu erklären, warum ich ihnen viel Spaß wünsche, und es ernst meine. Ein Film wie »Shoah« kann nur einmalig bleiben, aus prin­zi­pi­ellen, nicht nur prak­ti­schen Gründen. Auf eine gewisse, natürlich nie mit Shoah nur annähernd gleich­zu­set­zende Weise, bringt auch Hitlers Hollywood die Täter zum Sprechen, und in den Leer­stellen viel­leicht auch die Anderen.

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Es ist unüber­sehbar: Mit »Me Too« und der Welle der Frau­en­themen geht es nach bald einem Jahr offenbar langsam zu Ende. Der Hype verliert an Schwung. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Es mag daran liegen, dass das Thema in seiner Podien- und Talk-Show-Taug­lich­keit langsam auser­zählt ist, dass es auch Frauen leid sind, immer dieselben oder doch sehr ähnlichen Opfer­ge­schichten anein­an­der­zu­reihen, weil das die Gesell­schaft und die Frauen in ihnen nicht weiter bringt. Es mag auch daran liegen, dass doch auch immer mehr Menschen auffällt, dass das ständige klagende »Ich auch«, »Ich auch«, »Ich auch« eher dem Niveau von Vier­jäh­rigen entspricht, als der Diffe­ren­zie­rungs­fähig­keit erwach­sener Menschen.
Jeden­falls hat »Me too« und der ganze »Hashtag-Femi­nismus« (Svenja Flaßpöhler) nicht so sehr sensi­bi­li­siert, sondern abge­stumpft. Vorherr­schend scheint auch bei vielen Frauen in Amt und Würden die Meinung »da müssen wir jetzt durch« zu sein. Bei Männern sowieso – ja, »leider«, und die Antwort auf »warum ist das denn so?« muss ich ein andermal zu geben versuchen.

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Dass es so ist, sieht man erstens auf die alles in allem gelang­weilte und lasche Reaktion der »Me Too«-Fraktion auf den soge­nannten »Fall Gebhard Henke«.
Wir erinnern uns: Es gibt anonyme Vorwürfe, ohne Zeugen. Weil sie anonym sind, kann sich der Beschul­digte nicht wehren. Dann gibt es in der »Zeit« eine Charlotte Roche (»Schrift­stel­lerin und Mode­ra­torin«). Sie wirft Henke vor, sie 2013 bei einer Veran­stal­tung anläss­lich der Verfil­mung ihres Buchs »Schoß­ge­bete« an den Po gefasst zu haben. Sie habe sich damals nicht gewehrt. Die seiner­zeit anwesende Haupt­dar­stel­lerin Lavinia Wilson konnte sich auf Nachfrage an keinen Übergriff erinnern.
Ansonsten: kein Name. Kein Ort. Nichts.
Die »Zeit« fragt im Interview mit Henke allen Ernstes: »Sie gelten als großer Flirter, der bei Frauen gern auslotet, was geht.« Ange­nommen, diese tenden­ziös formu­lierte Behaup­tung stimmt: Ist Flirten jetzt auch schon straf­recht­lich relevant?
Niemand sagt dem Beschul­digten, was er wann und wo mit wem getan haben soll. Wie soll er sich gegen derartige Denun­zia­tionen wehren?
Davon abgesehen weiß ein jeder, und dazu muss man nicht Filme­ma­cher sein, dass Redak­teure viel­leicht oft schlechte und unselige Einflüsse haben, wie umgekehrt auch oft gute, den Film rettende. Aber nie entscheiden sie allein ohne Kollegen, ohne die Produk­tion und die Regie über Rollen­ver­gaben.
Dem Vergleich, so Henkes Anwalt Peter Raue, habe man nur aufgrund »der norma­tiven Kraft des Fakti­schen« zuge­stimmt, »ein solcher Prozess durch zwei Instanzen kann zwei Jahre dauern. In diesen zwei Jahren muss der Betrof­fene, hier also Herr Henke, ohne Gehalt und Sozi­al­leis­tungen auskommen, wahr­schein­lich wäre sein Vertrag beendet gewesen, bevor eine letzt­in­stanz­liche Entschei­dung fällt. Dann wird der Prozess zur Farce.«

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Fest­halten sollte man auch, dass 16 recht promi­nente Unter­zeich­ne­rinnen aus der deutschen Film- und Fern­seh­branche in einem offenen Brief einen diffe­ren­zier­teren Umgang mit Beläs­ti­gungs­vor­würfen fordern.
«Wir können und wollen daher nur für uns und über unsere Erfah­rungen sprechen. Das aber möchte wir hiermit tun und ausdrück­lich sagen: Gebhard Henke ist uns und unserer Arbeit in den vergan­genen Jahren und Jahr­zehnten stets respekt­voll begegnet.«
Zu den Erst­un­ter­zeich­ne­rinnen des offenen Briefs gehören unter anderem die Schau­spie­le­rinnen Barbara Auer, Caroline Peters und Anna Schudt, die Regis­seu­rinnen Feo Aladag, Isabel Kleefeld, Hermine Hunt­ge­burth, Pia Marais und Lola Randl sowie die Produ­zen­tinnen Anja Uhland und Annette Pisacane.

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Auf ein bemer­kens­wertes, mich über­ra­schendes Zitat aus dem »Zeit«-Gespräch mit Gebhard Henke möchte ich hier besonders aufmerksam machen. Ich weiß nicht, ob das so stimmt, aber mir scheint, im Wesent­li­chen schon:
«Film­schaf­fende treffen bei den Entschei­dungs­pro­zessen im Wesent­li­chen auf Frauen, Sie haben es bei den Spiel­filmen kaum noch mit Männern zu tun. Keine einzige Film- und Medi­en­för­de­rung in Deutsch­land liegt noch in männ­li­cher Hand, weder in München noch in Nordrhein-Westfalen noch in Hamburg. In den neun ARD-Landes­rund­funk­an­stalten gibt es sieben Fern­seh­spiel­che­finnen, nur zwei Männer, einer davon bin ich, und mein Vertrag endet am 31. Januar 2020. Und meine Stell­ver­tre­terin ist auch eine Frau. Inklusive Chef und Stell­ver­tre­terin gibt es im WDR-Programm­be­reich acht Frauen und vier Männer, also 70 Prozent Redak­teu­rinnen. Das heißt, ich komme in Gesprächs­si­tua­tionen, da ist eine Autorin, eine Regis­seurin, eine Produ­zentin, eine Produ­cerin, eine Redak­teurin, eine Redak­ti­ons­lei­terin. Ich komme zu sechs Frauen, die betreuen das Projekt.«

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Und noch eines: »In meiner Position kann man nicht arbeiten, ohne Kreative zu enttäu­schen. Sie drucken doch auch nicht in der ZEIT alle Artikel, die Ihnen angeboten werden. Bei uns hat das natürlich noch andere Dimen­sionen: Wenn eine Produ­zentin einen Film für 1,4 Millionen Euro nicht mit uns machen kann, so ist das eine herbe Enttäu­schung. Wir haben über 1000 Angebote pro Jahr, die wir prüfen. Das führt nicht gerade zu Lust­ge­fühlen, wenn man so oft Nein sagen muss. Rechnen Sie das auf 20 Jahre hoch – so lange bin ich jetzt Chef –, das heißt, ich sage viel mehr Leuten Nein als Ja. Und das enttäuscht die Abge­wie­senen.«

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Ist dies nun ein mieses Arbeits­recht in Deutsch­land, wo der bloße Verdacht – eines sexuellen Über­griffs – ausreicht, um zu kündigen? Nein denn ein Verdacht muss sich auf konkrete nach­weis­bare Tatsachen stützen. Falsche Tatsachen oder nicht nach­prüf­bare Behaup­tungen ins Blaue hinein können eine solche Verdachts­kün­di­gung nicht recht­fer­tigen.

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Was man aus dem »Fall Henke« in jedem Fall lernt, vor allem wenn man Redakteur ist: Ihr seid auch nicht mehr vor irgend­etwas sicher. Darum, ganz banal gesagt, macht sehr, sehr regel­mäßige Backups des Computers, fertigt Kopien der Papier­in­halte des Schreib­tischs an, und sichert Eure Mail- und Telefon-Kontakte. Besorgt Euch sofort private Mail-Adressen und eine private Tele­fon­nummer, und teilt diese den wesent­li­chen Bekannten »für den Fall der Fälle« mit. Auch ihr könnt keinem trauen.

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Die »Zeit«, ist das noch niemandem aufge­fallen, ist in letzter Zeit gar kein Infor­ma­ti­ons­me­dium mehr, sondern mehr denn je ein Kampa­gnen­me­dium. Kampagnen im MeToo-Fahr­wasser gegen Dieter Wedel und Gebhard Henke und der Kampagne für das Bleiben von Dieter Kosslick als Berlinale-Chef.
Wer sich bei ihnen mit Material meldet, das nicht den Erwar­tungen entspricht, bekommt zu hören: »Wir verfolgen das nicht, denn unsere Recher­chen gehen in einen andere Richtung.«
Zu Deutsch: »Wir wollen anklagen, Ankläger sein, nicht objektiv infor­mieren.«

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Die Jour­na­listen, nicht »Opfer«, bedienen die Maschine. Mit anderen Worten: Es sind vor allem die Medien selbst, die nun ermitteln. Die sich aufspielen zu einer Ersatz­po­lizei, Ersatz­staats­an­walt­schaft, die nicht berichten, was ist, sondern Fakten konstru­ieren, einseitig ermitteln, nicht inter­es­siert an Wahr­heits­fin­dung, sondern an Sensation.
Sie sind auch nicht wie die richtige Polizei und Ersatz­staats­an­walt­schaft irgend­wel­chen Regeln verpflichtet.
Manche werden in ihrem Furor, der gele­gent­lich, aber nicht immer vers­tänd­li­chen Wut, zu einer modernen Form von Schreib­tisch­tä­tern, die die Grund­prin­zi­pien der Rechts­staat­lich­keit mit Füßen treten. Besonders die ZEIT spielt eine unan­ge­nehme Rolle und prak­ti­ziert offenen Zynismus – eine BILD-ZEITUNG für Bildungs­bürger.
Die »Aufde­ckung« und mehrfache Aufbe­rei­tung des »Fall Wedel« wie jetzt des »Fall Henke« hat vor allem den Zweck, dass die brave Moral­tante endlich als Exper­ten­blatt für Sexismus wahr­ge­nommen wird und gegenüber der Konkur­renz die »Me too«-Luft­ho­heit behält. Darum spielt man Ping-Pong: Leonie Seifert – »bildschön und blitz­ge­scheit« laut Hamburger Morgen­post und übrigens die derzei­tige Freundin von Peter Lohmeyer – ist dann zuständig für die Geschichten »der Frauen« und die Angriffe auf Männer, Sabine Rückert, deren Texten man anmerkt, dass sie den ganzen Kram weniger aufregend findet, darf demge­genüber ausglei­chen.
Und am Ende kommen­tiert irgend­wann Bernd Ulrich auf Seite 1: »Das sollte geschehen!«

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Zweites Indiz: Dieser Tage wurden die Programme der Festivals von Locarno und Venedig bekannt gegeben. Und was lesen wir da?
In Locarno finden sich unter 15 Wett­be­werbs­filmen nur drei Regis­seu­rinnen. Da muss sich der zukünf­tige Berlinale-Boss schon bei der Pres­se­kon­fe­renz darauf hinaus­reden, dass »fast die Hälfte der Filme einen Frau­en­namen im Titel« habe. Na dann! Aber weil Locarno mit seiner sehr wenig markt­taug­li­chen Auswahl im Grunde recht unwichtig ist, gibt es danach auch keinen Shitstorm, wie im Fall von Cannes' Direktor Thierry Fremaux.
In der Piazza sieht es nicht anders aus: Wieder nur zwei Frauen von nunmehr 17 Filme­ma­chern.
Mit absurder Witzisch­keit meldet Variety diese Abwe­sen­heit von Regis­seu­rinnen als Triumph der »Female Charac­ters«. Oder ist das deren Form subtiler Kritik?

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Manches spricht dafür, dass Carlo Chatrian sich das eigent­lich etwas anders wünscht. Was ist also passiert? Keine weib­li­chen Einrei­chungen? Das böse Venedig, das ihm Filme wegge­schnappt hat?
Oder versucht er gar absicht­lich die Erwar­tungen vor der Berlinale-Mach­tüber­nahme zu senken?

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In Venedig sind es noch weniger Frauen: Eine von 21 Wett­be­werbs­filmen: Jennifer Kent's »The Nightingale«. Und Venedigs künst­le­ri­scher Direktor Alberto Barbera ist sich des eigent­li­chen Problems auch bewusst: Quoten helfen nicht, die Filme müssen besser werden. Sollte eine Quote einge­führt werden, würde er seinen Posten zur Verfügung stellen, erklärte Barbera bei der Pres­se­kon­fe­renz am Mittwoch: »I'm going to say this a bit bluntly: The day in which I had to choose a film solely because it's made by a woman I would change jobs!«
Weibliche Filme seien definitiv in der Minder­heit – 15 der 70 Titel der offi­zi­ellen Selektion. Aber nur 21 Prozent der einge­reichten 1.650 Filme stammten von einer Regis­seurin. Es liegt nahe, dass man da auf keine höheren Zahlen kommt.
Aber Barbera fügte hinzu: »We don't look at films based on gender. We look at them based on quality.«
Qualität als einziges Kriterium sei das Gegenteil von Diskri­mi­nie­rung, es sei eine Form des maximalen Respekts.
Auch für das Urteil der Kuratoren einer Auswahl­kom­mis­sion gilt also: Nein heißt Nein.

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Es war unfassbar: Carlo Chatrian war kaum zum neuen Berlinale-Leiter ernannt, da hielt es der Verband deutscher Dreh­buch­au­toren (VDD) schon für nötig, ihn öffent­lich zu schu­ri­geln und ihm gleich mal zu erklären, wie das in Deutsch­land so läuft, wer hier Kellner ist und wer Wirt. »Chatrian macht ersten groben Fehler« posaunte am 27.06.2018 im soge­nannten Bran­chen­blatt »Blick­punkt:Film« der geschäfts­füh­rende VDD-Vorstand Sebastian Andrae. Die »syste­ma­ti­sche Vernach­läs­si­gung« der Auto­rinnen und Autoren habe dem deutschen Film »mehr geschadet als alles andere«, aber »Gut entwi­ckelte Dreh­bücher sind die Grundlage erfolg­rei­cher Kinofilme, an der Kasse oder auf Festivals. ... Ein Neuanfang muss den Ideen­ge­bern und Stof­fent­de­ckern nicht nur in den Festi­val­ka­ta­logen endlich den gebüh­renden Platz einräumen, sondern auch auf Premieren und vor allem in der Ausein­an­der­set­zung darüber, was der Kinofilm heute und morgen noch sein kann.«
Na, super, dass es Chatrian endlich mal einer gesagt hat.

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Amei­sen­mann und Wespen­frau. Ant-Man and the Wasp, der »Amei­sen­mann« ist ein weiterer Held des immer undurch­schau­ba­reren Marvel-Super­helden-Univer­sums: In dem jetzt heraus­kom­menden Film spielt Paul Rudd den ehema­ligen Dieb Scott Lang, der mithilfe eines Spezi­al­an­zugs seine Größe verändern kann. Zunächst hat er aber mit Alltags­dingen zu kämpfen: Unter poli­zei­li­chen Haus­ar­rest gestellt, kann er sich um seine zehn­jäh­rige Tochter kümmern. Hier erweist sich Ant-Man als der alltäg­lichste Held des Marvel-Teams – zugleich ist dieser Film auffal­lend gender­kor­rekt durch-designed, denn so wie er erstmal den modernen Vater als Super-Daddy geben muss, geht es dann auch weiter: Ant-Man verbündet sich mit der Super­heldin »The Wasp«/Hope van Dyne (Evan­ge­line Lilly). Die Wespe soll nun im Zusam­men­spiel der beiden Titel­helden schön gleich­be­rech­tigt sein, deswegen rettet sie »Ant-Man« ein paarmal aus knif­fe­ligen Situa­tionen. Nichts dagegen zu sagen, außer dass diese Momente immer eine Spur zu dick aufge­tragen sind – so als müsse der Film für einen ästhe­tisch blinden Tugend­aus­schuss über­deut­lich klar machen, dass Frauen überall hinkommen und alles dürfen, und im Zweifel immer noch etwas besser sind, als die Jungs.

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Auch in tech­ni­scher Hinsicht gibt Ant-Man and the Wasp einen Vorge­schmack auf eine Zukunft des Kinos, die man viel­leicht gar nicht erleben möchte. Denn der Film ist in seinen Effekten spek­ta­kulär, vor allem wegen seines Spiels mit Raum- und Größen­ver­hält­nissen. Immer wieder führen atem­be­rau­bende Verklei­ne­rungs­ak­tionen die Haupt­fi­guren in den Nano-Space. Alles ist möglich – bevor man hier jubelt, sollte man sich aber klar machen, dass hier auch die Täuschungs- und Mani­pu­la­ti­ons­mög­lich­keiten des Kinos auf die Spitze getrieben werden. Man kann den Bildern nicht mehr trauen. Dazu gehört dann, dass Michael Douglas in diesem Film zwischen­zeit­lich ein compu­ter­tech­no­lo­gi­sches Face­lif­ting verpasst bekommt, um jünger zu wirken, denn ein Teil des Films spielt 30 Jahre früher. Auch das ist ein char­manter Einfall, lässt uns aber eine Zukunft ahnen, in der Douglas dann zusammen mit Greta Garbo die Haupt­rolle spielt und John F. Kennedy in einem Gast­auf­tritt begegnet. Will man das wirklich?
Derartige Fragen über­for­dern Ant-Man and the Wasp. Der von Peyton Reed insze­nierte Film ist ein typisches Produkt der heutigen Disney-Studios: Sehr aufgeräumt, sehr ameri­ka­nisch-puri­ta­nisch, sehr pädago­gisch-wertvoll Fami­li­en­werte predigend. Über diese blitz­sau­bere Alltäg­lich­keit gerät in Verges­sen­heit, dass Kino ja auch etwas mit Exzess und Über­schuss und ganz unall­täg­li­chem Abenteuer zu tun hat.
Immerhin macht »Ant-Man & the Wasp« durch seinen Charme vergessen, wie seicht er ist. Man kann dem Film nicht böse sein, aber richtig weiter­emp­fehlen kann man ihn auch nicht – nettes Super­hel­den­kino, das nicht schlecht funk­tio­niert, aber weder die Rasanz noch die Tiefe und den Hand­lungs­ernst anderer Marvel-Filme hat. Will er auch gar nicht. Schade um den ganzen Aufwand.

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Man kann den Bildern nicht mehr trauen. Natürlich kann man das eigent­lich schon lange nicht mehr

(to be continued)

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Unter dem Titel »Cinema Moralia« sind hier in loser Folge Notizen zum Kino zu finden, aktuelle Beob­ach­tungen, Kurz­kri­tiken, Klatsch und Film­po­litik, sowie Hinweise. Eine Art Tagebuch eines Kino­ge­hers.