01.10.2026

Wechselwirkungen

Mein Sommer mit Nonna
Margherita Spampinatos berührendem Generationenfilm Mein Sommer mit Nonna
(Foto: Arsenal)

Zum 29. Mal tourt das Filmfestival CINEMA! ITALIA! durch Deutschland, in München machen die italienischen Filmtage zwischen 1. und 14. Oktober im Theatiner Filmtheater Station

Von Elke Eckert

Die gezeigten Filme, fünf aktuelle Produk­tionen und ein Film­klas­siker, erzählen von Bezie­hungen, die anfangs schwierig sind, sich aber im Lauf der Zeit verändern, weil die Betei­ligten merken, dass sie durch den Austausch und die Annähe­rung nicht nur den oder die anderen, sondern auch sich selbst besser verstehen.

In Marg­he­rita Spam­pi­natos berüh­rendem Gene­ra­tio­nen­film Mein Sommer mit Nonna (Gioia Mia) soll der neun­jäh­rige Nico ein paar Wochen bei seiner Großtante Gela in Sizilien verbringen. Der Junge fühlt sich, als hätte man ihn in eine Paral­lel­welt abge­schoben, in der alles fremd ist – seine stren­g­re­li­giöse Tante, ihre seltsame Wohnung ohne WLAN und das gewöh­nungs­be­dürf­tige Essen. Aber nach und nach entdeckt Nico, dass Neues auch spannend sein kann, und es gelingt ihm, Gelas Vertrauen zu gewinnen. Die wortkarge Alte erzählt ihm sogar ein Geheimnis, das sie noch niemandem verraten hat… Regis­seurin Spam­pi­nato arbeitete nach ihrem Lite­ra­tur­stu­dium jahrelang als Casterin, bevor sie mehrere Kurzfilme insze­nierte. Ihr erster Langfilm wurde beim italie­ni­schen Filmpreis David di Donatello als bestes Debüt ausge­zeichnet. (Sonntag, 4.10., 18 Uhr / Mittwoch, 7.10., 18.15 Uhr)

Auch in der warm­her­zigen Tragi­komödie Immer verkehrt (Come Ti Muovi, Sbagli) von Gianni Di Gregorio müssen Jung und Alt mitein­ander klar­kommen. Gianni, ein pensio­nierter Lehrer, ist froh, dass er endlich seinen Ruhestand genießen kann, ohne dass ihn dabei jemand stört. Kein Wunder, dass der 75-Jährige nicht besonders begeis­tert ist, als plötzlich seine Tochter Sofia und die zwei Enkel bei ihm einziehen. Doch nicht nur die neuen Mitbe­wohner bringen sein wohl­ge­ord­netes Leben durch­ein­ander, auch seine Freundin Giovanna und Sofias reumü­tiger Ehemann sorgen für jede Menge Wirbel. – Bei seinem Regie­debüt war Gianni Di Gregorio fast Sechzig. Mit 76 ist der Römer in seinem neuesten Film wieder Dreh­buch­autor, Regisseur und Haupt­dar­steller in einer Person. Wie in allen seinen bishe­rigen Werken. (Freitag, 2.10., 18.15 Uhr/ Samstag, 10.10., 18.15 Uhr)

Greta Scarano, die im vorhe­rigen Film als Sofia zu sehen ist, gab mit Das Leben als Erwach­sene (La Vita Da Grandi) ihr Debüt als Regis­seurin. Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt sie von der Beziehung eines unglei­chen Geschwis­ter­paares. Irene ist gerade dabei, in Rom als Werbe­fach­frau durch­zu­starten, als ihre Mutter sie bittet, nach Rimini zurück­zu­kommen. Aber kann Irene ihrem autis­ti­schen Bruder Omar dabei helfen, eine eigene Familie zu gründen und ein berühmter Rapper zu werden? – Die Adaption eines auto­bio­gra­fi­schen Romans war für Greta Scarano ein Herzens­pro­jekt. Mit viel Humor zeigt sie, dass Omar mit seiner Sicht der Dinge auch die Prio­ri­täten seiner Schwester verändert. Dafür erhielt nicht nur Scarano den renom­mierten Filmpreis Nastro D’Argento, sondern auch ihr Haupt­dar­steller Yuri Tuci. (Montag, 5.10., 18.15 Uhr/ Donnerstag, 8.10., 18.15 Uhr)

Was will ich wirklich vom Leben? Diese Frage spielt auch eine zentrale Rolle in Isabel Coixets Drama Drei Abschiede (Tre Ciotole). Sieben Jahre waren Marta und Antonio ein Paar, bevor sich die Sport­leh­rerin und der ambi­tio­nierte Koch trennen. Beide spüren schnell, dass sie den jeweils anderen nicht vergessen können, gehen aber völlig unter­schied­lich mit der Situation um. Marta will allein sein, Antonio stürzt sich in die Arbeit und eine Affäre. Bis eine Nachricht alles verändert… Die kata­la­ni­sche Regis­seurin, die mit dem Krebs­drama „Mein Leben ohne mich“ bekannt wurde, macht sich in ihrem aktuellen Film zwei Erzäh­lungen aus dem letzten Buch der Best­sel­ler­au­torin Michela Murgia zu eigen. Und besetzte die Haupt­rollen mit zwei Schau­spiel­hoch­karä­tern: Alba Rohr­wa­cher und Elio Germano. (Samstag, 3.10., 20.15 Uhr/ Dienstag, 6.10., 18 Uhr / Sonntag, 11.10., 18 Uhr)

Die Reise­gruppe im Roadmovie Gut für alle (Il Bene Comune) ist fast so außer­ge­wöhn­lich wie das Reiseziel. Unter der Führung eines Ex-Soldaten und seines Neffen macht sich Schau­spie­lerin Raffaela mit vier Teil­neh­me­rinnen ihres Thea­ter­kurses auf den Weg zum ältesten Baum Europas. Begonnen hatte der Workshop in einem Gefängnis, und die Wanderung soll die Frauen fit für die Freiheit machen. Gilt die 1200 Jahre alte Kiefer doch als Symbol für Wider­stands- und Anpas­sungs­fähig­keit. Aber der Marsch durch die raue Berg­land­schaft entpuppt sich vor allem als zwischen­mensch­liche Heraus­for­de­rung… Bevor Rocco Papaleo 2010 seine erste Filmregie übernahm, verdiente er sein Geld unter anderem als Thea­ter­schau­spieler und Comedian. In seiner mitt­ler­weile fünften Spiel­film­in­sze­nie­rung zeigt das Multi­ta­lent sein Können auch wieder vor der Kamera, in der männ­li­chen Haupt­rolle. (Donnerstag, 1.10., 18.15 Uhr/ Freitag, 9.10., 18.15 Uhr)

Der dies­jäh­rige Klassiker ist das vorletzte Werk des italie­ni­schen Regie­alt­meis­ters Luchino Visconti, der vor 50 Jahren verstorben ist. In dem Drama Gewalt und Leiden­schaft (Gruppo Di Famiglia In Un Interno) von 1974 hat sich ein ameri­ka­ni­scher Professor in seinen römischen Palazzo zurück­ge­zogen. Als die leicht­le­bige Marchesa Brumonti samt Anhang sein Dach­ge­schoss okkupiert, kann er sich der Außenwelt jedoch nicht länger verschließen… Mit der von Burt Lancaster verkör­perten Rolle des bildungs­bür­ger­li­chen Profes­sors hat Visconti sein Alter Ego geschaffen, indem er mit dessen Skepsis gegenüber den poli­ti­schen Radi­ka­li­sie­rungen in den 1970er-Jahren und der Besetzung seines lang­jäh­rigen Lebens­ge­fährten Helmut Berger als jugend­li­chen Liebhaber persön­liche Bezüge herstellt. Nach einem Schlag­an­fall saß Visconti während der Dreh­ar­beiten größ­ten­teils im Rollstuhl. (Sonntag, 4.10., 11 Uhr)

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Alle Filme werden im italie­ni­schen Original mit deutschen Unter­ti­teln gezeigt.