04.11.2021

Keine geraden Linien

No Straight Lines - Queer Comic
Keinesfalls straight! Die Genese des queeren Comics erzählt mit fünf begnadeten Protagonist*innen No Straight Lines
(Foto: Lana Wachowski)

Bimovie – Die Frauenfilmreihe. Das Münchner Festival mit seiner 27. Ausgabe

Von Felicitas Hübner

Beim Vorjahres-Bimovie im Lockdown und weit entfernt von jedem Kino bril­lierte die damals 19-jährige Lena Urzen­dowsky als sehr in Jella Haase verliebte Nora in Leonie Krip­pen­dorffs Film Kokon. (siehe Abschluss­be­richt Bimovie 2020) Am vergan­genen Sonntag zierte sie den FFM-Tatort »Luna frisst oder stirbt« als Mädel aus prekären Verhält­nissen. Die Sprache und Lebens­welt des Preka­riats waren der Filme­ma­cherin und der ARD ganz offen­sicht­lich fremd.

Nicht fremd, sondern ganz nah dran sind die Filme des Bimovie 2021. Was 1991 als Expe­ri­ment begann, quali­tativ hoch­wer­tige, aber auch radikale Filme, die sich mit Geschlech­ter­fragen ausein­an­der­setzen sowie Filme von und für Frauen zu einer Filmreihe zusam­men­zu­fassen, entpuppte sich als durch­schla­gender Erfolg.

Von Anfang an widmete sich Bimovie nicht nur dem Frauen- oder Lesben­film, sondern setzte auch stark auf Filme, die eben diese Iden­ti­täts- und Reprä­sen­ta­ti­ons­po­litik in Frage stellen.

Ein Quali­täts­merkmal von Bimovie sind nicht nur die vielen Erst­auf­füh­rungen, sondern auch die Leiden­schaft, mit der unbe­kannte und besondere Filme entdeckt und aufge­führt werden. Bimovie bietet so alljähr­lich dem Münchner Publikum die Möglich­keit, eine Vielzahl von heraus­ra­genden Filmen zu sehen, die ansonsten ungezeigt blieben.

Veran­staltet wird Bimovie von den Geier­wallis, einer Gruppe von Frauen, die selbst im Film­be­reich tätig sind oder die sich für das Kino begeis­tern. Diese Begeis­te­rung für Filme von, über und für Frauen treibt die Geier­wallis jedes Jahr an, die besonders Schönen, Bizarren oder auch Beson­deren heraus­zu­greifen und im Maxim Kino zu präsen­tieren. Und das sind die Auser­wählten in diesem Jahr:

Forgotten Roads aus Chile, der die Liebe zwischen Claudina und Elsa bril­lieren lässt. Gende­ra­tion von Monika Treut, die nach zwei Jahr­zehnten die Prot­ago­nis­tinnen ihres bahn­bre­chenden Trans­films Gendernauts noch einmal besucht. Grandios foto­gra­fiert von Elfie Mikesch! No Straight Lines: The Rise of Queer Comics erzählt mit voller Begeis­te­rung die Entwick­lung der queeren Comic­szene. La Mif zeigt die »Punk­kö­nigin im Land der Arschlöcher«. Exhi­bi­tion on Screen: Frida Kahlo erhellt sehr viel aus dem Leben der Ausnah­me­künst­lerin. Amazonen einer Großstadt entdeckt die vielen mutigen Kämp­fe­rinnen für die Gleich­be­rech­ti­gung der Frauen (auch im Jahre 2021 immer noch ein Thema …). In Lola und das Meer nähert sich eine Tochter an ihren Vater an, der in ihr immer noch seinen Sohn sieht. Entkommen erzählt die Geschichte neun junger Frauen auf ihrer Flucht vom Todes­marsch der SS 1945. Vor dem Film wird es zum aller­ersten Mal auf dem Bimovie eine Lesung geben. Die Über­set­zerin Ingrid Scherf wird aus Suzanne Maudets Buch »Dem Tod davon­ge­laufen – Wie neun junge Frauen dem Konzen­tra­ti­ons­lager entkamen« lesen.

Das Bimovie 2021 bildet die Lebens­rea­lität der Geier­wallis ab: Drei Filme mit »älteren« Damen als Prot­ago­nis­tinnen werden gezeigt. Das inter­ge­nera­tio­nale Projekt der film­be­geis­terten Frauen zwischen 30 und 60 Jahren würde sich über cine­philen Nachwuchs freuen! Auch für eine spontane Kontakt­auf­nahme bietet sich das femi­nis­ti­sche Kino­er­eignis im Maxim Kino an. Und endlich darf wieder sein, was letztes Jahr nicht möglich war: intensive Diskus­sionen über großar­tige Filme an der Bar des Maxim!

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Bimovie 27 vom 4. bis 10. November 2021

Karten gibt es an der Abend­kasse, oder beim Neuen Maxim unter Telefon 089 / 89 05 99 80 oder online

Einzel­karte 8,50 € / 3er Block 24,– €