25.04.2019

Ein schrecklich schönes Filmwochenende in Deutschland

Ruben Brandt, Collector
Stach aus dem Programm heraus: Ruben Brandt, Collector

Die 17. Fantasy Filmfest Nights im April 2019

Von Alexander Nezeris

Alle Jahre wieder kommt der inter­na­tio­nale, cine­as­ti­sche Horror in Festi­val­form auf die deutschen Kino­lein­wände … Die Fantasy Filmfest Nights! Seit 2003 existiert dieses immer im Frühling statt­fin­dende Genre-Film­fes­tival, welches die ersten beiden Jahre noch »Die Nacht der 1000 Schreie« hieß. Genauso wie die »Fantasy Filmfest White Nights« (kurz: FWN), von denen es von 2015 bis 2019 erst vier gab und die immer im Januar ange­sie­delt sind, sollen auch die »FFF Nights« die Wartezeit auf das bereits 1987 erstmals und nun immer im Sommer ange­sie­delte Fantasy Filmfest verkürzen. Unter dem 2010 einge­führten Motto »Fear good Movies« werden dort zu jeder heißen Jahres­zeit die span­nendsten neuen Filme über­wie­gend aus den Film­genres Horror, Thriller und Science-Fiction präsen­tiert. Seit 2015 sind es insgesamt 50 Filme pro Veran­stal­tung, wobei jeweils fünf pro Tag gezeigt werden.

Die dies­jäh­rigen Fantasy Filmfest Nights

Auch dieses Jahr durften sich Chine­phile in sieben Städten Deutsch­lands glücklich schätzen und am Woche­n­ende vor Ostern ganze zehn »phan­ta­stic movies« im Rahmen der bereits 17. Fantasy Filmfest Nights an nur zwei Spiel­tagen ansehen. Während Film­freunde in Berlin im Cinestar Sony Center, in Frankfurt im Harmonie, in Köln in der Residenz-Astor Film Lounge, in Nürnberg im Cinecittà und in Stuttgart im Metropol am 13. und 14. April jeweils zehn neue, bald regulär – dann auch auf Deutsch – im Kino laufende Streifen erstmals in begut­achten durften, hatten die Hamburger das Privileg, bereits einen Tag früher fünf Movies aus dem Ausland als Deutsch­land­pre­miere anzu­schauen.

Folgende cine­as­ti­schen Werke gab es im Original mit engli­schem Unter­titel (OmeU) zu sehen: The Angel (auf Spanisch), The Nights­hifter (auf Portu­gie­sisch) und The Witch: Part 1 – The Subver­sion (auf Korea­nisch).

Diese sieben Phan­tastik-Filme wurden dem Publikum als Origi­nal­ver­sion (OV) in engli­scher Sprache vorge­führt: Dragged Across Concrete; Extremely Wicked, Shockingly Evil, and Vile; Nekro­tronic; Nightmare CInema; Ruben Brandt, Collector; The Curse of La Llorona und You Might Be the Killer.

Unter­schied­liche Genres, Subgenres und Genre-Mixes

Die 17. FFF Nights machten ihrem Namen als Genre-Film­fes­tival alle Ehre: Die meisten der Movies waren Horror­filme, es gab auch einige Thriller, und einer der zehn hob sich ab: Ruben Brandt, Collector ist zwar ein Action-Thriller (nichts unge­wöhn­li­ches), doch er ist animiert bzw. gezeichnet! Diese einzig­ar­tige Filmperle nimmt sich inter­na­tio­nale Kunst­ge­schichte zum Thema und sieht dabei selbst aus wie ein expres­sio­nis­tisch-cine­as­ti­sches Kunstwerk. Ebenfalls aus der Menge hervor stach Nightmare CInema: In dieser Horror­film-Antho­logie werden innerhalb einer Rahmen­hand­lung ganze fünf Kurz­ge­schichten mit für das Genre typischen bzw. teils klischee­haften Stories und/oder Motiven erzählt. Eine wasch­echte Horror-Episo­den­samm­lung à la The Twigh­light Zone! Durch seine brutale Art aufge­fallen ist zudem The Nights­hifter, denn die ganz nahe Darstel­lung einzelner, abge­trennter Körper­teile und stark blutiger Leichen, mit denen der Assistenz-Pathologe Stênio im Leichen-Schauhaus auch noch spricht, ist nichts für schwache Nerven: Harter Tobak nur für Fans von echtem Hardcore-Horror.

Extremely Wicked, Shockingly Evil, and Vile und The Angel haben eines gemeinsam: Sie sind beide Seri­en­mörder-Film­bio­gra­phien (dabei aber keine Doku­men­tar­filme!) Während ersterer von einem von Amerikas bekann­testem seriellen Killer handelt, nämlich Ted Bundy, ist das zweite Horror-Biopic erzählt wie ein Coming-of-Age-Plot von Argen­ti­niens Nummer 1 in Sachen »Ich bring so viele wie möglich um«: El Angel. Lustig hingegen wurde es mit You Might Be the Killer: Diese Slasher-Komödie nahm den bekannten »Sommer-am-Feri­en­camp-Horror­film« aufs Korn und lud zum Lachen übers Morden ein. Eine richtige Hommage an die Freitag der 13.-Filme! Wenn auch zwar keine Horror­komödie, so konnte man aber doch auch bei Nekro­tronic seinen Spaß haben. Der mit vielen Scherzen versehene Fantasy-Sci-Fi-Film hat ein derart futu­ris­tisch-skurilles Setting mit einigen Buddy-Humor-Elemente, dass man sich an machen Stelle zumindest ein Schmun­zeln nicht verkneifen konnte. Richtig gruselig und zum Erschre­cken war The Curse of La Llorona: Dieser Psycho-Thriller handelt von einer Frau, die im 16. Jahr­hun­dert erst ihre beiden Kinder, dann sich selbst ermordete und nun 1973 als Geist nach dem Leben der Kinder anderer Mütter trachtet. Schöner Mystery-Horror, der auf einem in Latein­ame­rika weit verbrei­teten Mythos beruht. Knüp­pel­hart wurde es auf den Fantasy Filmfest Nights 19 auch, und zwar in Dragged Across Concrete und The Witch: Part 1 – The Subver­sion. Während der erste, ameri­ka­nisch-kana­di­sche Action-Thriller eine klas­si­sche Justice-Crime-Story mit (un)ordent­li­cher und politisch inkor­rekter Poli­zei­ar­beit bot, paarte der zweite, aus Südkorea stammende Streifen rasant-furiose Action­szenen mit Hand­lungs­ele­menten der Phan­tastik, vor allem Magie.

Großes Star-Aufgebot aus Amerika, Europa, Asien und Austra­lien

Die zehn Filme der 17. FFF Nights sprühten nur so vor bekannten Schau­spie­lern aus aller Welt. Vom Kontinent bzw. Land Amerika – meist aus der Traum­schmiede Hollywood – gaben sich unter anderem folgende Haupt- und Neben­dar­steller die Ehre: Mel Gibson, John Malkovich, Mickey Rourke und Vince Vaughn (»altes Eisen«), sowie Lily Collins, Zac Efron und Jim Parsons (Jüng- und/oder Schön­linge) – aus Brasilien stammte Daniel De Oliveira. Aus Europa mit ins Rennen geschickt wurden zudem Monica Bellucci (Italien), sowie auch die Deutschen Thomas Kret­sch­mann und Udo Kier. Vom Fernen Osten kommt Kim Da-mi, die bereits mit zahl­rei­chen Film­preisen ausge­zeich­nete Jung­s­chau­spie­lerin hat ihre Wurzeln in Südkorea. Und zu guter Letzt wurde auch in Argen­tinen gecastet: Lorenzo Ferro konnte als Film­prot­ago­nist gewonnen werden.

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