25.11.2004

Rettet das Babylon!

Babylon
Das Babylon ist mitten in Berlin Mitte
(Foto: Kinokompendium)

Programmkino vor dem Aus

Von artechock-Redaktion

Eigent­lich ist artechock als Film­ma­gazin durch sein Kino­pro­gramm ja vor allem auf München konzen­triert. Aber erstens wollen wir im Kampf um möglichst große Film­viel­falt keine regio­nalen Scheu­klappen aufsetzen, und zweitens fühlen wir uns, als fleißige Berlinale-Besucher, in diesem Fall auch durchaus persön­lich betroffen:

Denn kaum zu glauben, aber war: Das schöne Babylon-Kino in Berlin Mitte muss schließen. Und dies schon zum 1. Dezember. Auf Anraten des Berliner Senats soll es bis dahin Insolvenz anmelden. Denn leider, leider, nach der (einst ebenfalls vom Berliner Senat beschlos­senen) aufwän­digen Restau­rie­rung der einzig­ar­tigen »Filmkunst in Baukunst«-Stätte, sind die Betriebs­kosten nun so hoch, dass die Förderung des Senats fast volls­tändig von Miete und Betriebs­kosten geschluckt wird. Um den Kino­be­trieb mit seinem anspruchs­vollem Programm­kino aufrecht erhalten zu können, müssten die Gelder erhöht werden, was aufgrund der »ange­spannten Haus­halts­lage« aber nicht machbar ist. Die Absur­dität des Ganzen ist dabei natürlich, dass die Förderung ja eigens wegen des guten Programms und der anspruchs­vollen Film­reihen bewilligt wurde, das Babylon dadurch zu Aufmerk­sam­keit und Ruhm gelangte, dann restau­riert wurde, und jetzt gewis­ser­maßen an sich selbst krepiert: Zu schön geworden, zu teuer im Unterhalt, das Kino­pro­gramm nicht mehr machbar, die Förderung dahin. Und für alle, die das noch nicht empörend genug finden: Das Babylon ist auch als Berlinale-Kino der Forum-Filme in Gefahr. Künftiges Horror­sze­nario: Die Berlinale nur noch am Potsdamer Platz, an diesem Ort ohne Eigen­schaften, in der Vision Mall des neuen Konsum­tem­pels Kino. Es lebe der Multi­plexxX!

Da uns diese Vorstel­lung nicht gefällt, fordern wir unsere Leser dazu auf, sich an der letzten noch möglichen Rettungs­ak­tion für das Babylon zu betei­ligen. Bitte schickt nach­fol­genden Brief via e-mail an den Berliner Senator für Kultur, Herrn Thomas Flierl. Das Babylon muss gerettet werden!


An den
Senator für Wissen­schaft, Forschung und Kultur
Herrn Dr. Thomas Flierl
Brun­nen­strasse 188-190
10119 Berlin

Sehr geehrter Herr Flierl,

mit Bestür­zung haben wir zur Kenntnis genommen, daß die Existenz des Berliner Film­kunst­hauses Babylon durch die Entschei­dung des Berliner Kultur­se­na­tors, die Förderung des »Berliner Film­kunst­haus Babylon e.V.« zu streichen, akut bedroht ist.

Durch das ambi­tio­nierte Programm hat sich das Babylon einen Ruf erar­beitet, der weit über den regio­nalen Rahmen hinaus­geht. Durch zahl­reiche Kopro­duk­tionen ist das Babylon in die regionale und inter­na­tio­nale Kino­land­schaft einge­bettet. Das Schließen des Kinos bzw. die Änderung des Profils würde auf eine weitere Ausdün­nung der kultu­rellen Kinoszene Berlins hinaus­laufen und dem Ruf der Stadt Berlin nach­haltig schaden.

Ich unter­s­tütze die Arbeit des Berliner Film­kunst­haus Babylon e.V. und bitte Sie dringend, alle Möglich­keiten zu prüfen, um den Betrieb durch den Verein aufrecht zu erhalten.

Mit freund­li­chen Grüßen,

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