04.01.2001
Der Filmfreund rät:

Elegisches Grübeln

Stalker

Der Filmfreund rät: Max Davidson, Andrej Tarkowskij, Nicholas Ray

Von artechock-Redaktion

Das fängt ja gut an, das Kinojahr. Da fehlt sich nichts. Das kann sich sehen lassen.
Weil:
- es gleich richtig was zu lachen gibt: Max Davidson. Ist keine Schande, den nicht zu kennen. Ist schon eine, das nicht zu ändern. War bei den legen­dären Hal Roach-Studios Kollege von Leuten wie Laurel & Hardy, stand aber immer etwas im Schatten der Berühm­teren. Seine Figur war die des jüdischen Fami­li­en­va­ters, der mit allerlei Widrig­keiten des Schick­sals zu hadern hatte. Und das tat er fulminant komisch. Pass The Gravy war schon öfters mal im Film­mu­seum zu sehen und jedesmal ein echter Brüller, jetzt gibt’s den im Pack mit sechs anderen Kurz­filmen zu sehen, und wenn die nur halb so gut sind, dann sollten Sie sicher­heits­halber mal Flickzeug für’s Zwerch­fell mitnehmen. (FILMMUSEUM, Mo. 19:00, OF)

– es gleich richtig was zum elegi­schen Grübeln gibt: Das MAXIM zeigt mal wieder die Filme von Andrej Tarkow­skij. Diese Woche ist Stalker dran, und das ist doch was für alle, die sich gleich zum Jahres­an­fang die ordent­liche, überlange Dosis quälender Düsternis mit meta­phy­si­schem Unterbau und in filmisch erle­senster Qualität geben wollen. (tgl. 21:00, Sa./So. auch 18:00, OmU)

– es gleich richtig was Span­nendes und Zorniges zugleich gibt: Nicholas Rays In a Lonely Place ist einer der schwär­zesten Filme, die Hollywood je über sich selbst hervor­ge­bracht hat. Ein film noir in vieler Hinsicht; mit Humphrey Bogart als zynischem, jähzor­nigem Dreh­buch­schreiber, der keine Lust hat, den blöden Best­seller zu lesen, den er zu einem Script zu verwursten hat, und ihn sich statt dessen von einer Gard­ro­biere einfach erzählen lässt. Die ist andern­tags tot, Bogart unter Mord­ver­dacht – bis seine Nachbarin ihm ein erlogenes Alibi gibt, weil sie in ihn verknallt ist. Aber dann wollen die Zweifel nicht verschwinden... (LUPE 2, Di. 18:00, 20:00, OmU)

- es gleich richtig viel groß­ar­tigen Ang Lee gibt: Auf Crouching Tiger, Hidden Dragon müssen Sie noch eine Woche warten (was Sie hoffent­lich alle schon sehn­süchtig tun). Aber jetzt schon läuft RIDE WITH THE DEVIL, und lassen Sie sich bloß von niemandem erzählen, der wäre weniger toll oder wichtig. Etwaige Zweifel daran räumt unsere werte Frau Welsch gerne aus.

Und wenn das nicht reicht für einen Traum­start ins neue Kinojahr, dann wissen wir auch nicht weiter.
Wir jeden­falls wünschen uns und Ihnen, dass es so weiter geht,