26.10.2000
Der Filmfreund rät:

Bad Taste

Bad Taste

Der Filmfreund rät: John Waters, Julio Medem, Peter Jackson

Von artechock-Redaktion

Haben Sie die Liste gesehen mit den Neustarts diese Woche? Der Wahnsinn, oder? Zwölf (in Worten: zwölf) neue Filme! Was immer sich die Verleiher dabei gedacht haben mögen – da wird leider, leider so manches unter­gehen, was ein großes Publikum verdient gehabt hätte. Wir versuchen, unseren Teil zu tun, damit wenigs­tens das, was uns am Herzen liegt, nicht ganz so sang- und klanglos absäuft.
Wich­tigster Film diese Woche, selbst­ver­s­tänd­lich, der neue John Waters, Cecil B.. In München nur in einem einzigen Kino, und da nur in Synchron­fas­sung (wüääääh!), Skandal! Jeden­falls: Kritik bei uns folgt in baldiger Bälde, bis dahin die Kurz­fas­sung: Reingehen! Selbe Kurz­fas­sung gültig für Die Liebenden des Polar­kreises, der’s nach zwei Jahren jetzt endlich, endlich doch noch in hiesige Kinos geschafft hat, halle­lujah! Beweisen Sie bitte dem Verleih, dass es sich durchaus lohnt, an spani­schem Kino auch mal was anderes als (sein wir ehrlich: den etwas über­schätzten) Almodóvar nach Deutsch­land zu impor­tieren.
DIE LIEBENDEN DES POLARKREISES (ATELIER tgl. 14:30, 17:00, 19:30, 22:00 – STUDIO ISABELLA tgl. 16:00, 18:15, 20:30, 23:00 – oder in OmU im THEATINER FILMKUNST tgl. 16:00, 20:30)

So, und jetzt von der Pflicht zur Kür: Das Wochen­ende gehört dem Film­mu­seum, keine Frage. Drei der größten Stars der Stumm­film­zeit: Douglas Fairbanks, Rudolph Valentino, Lon Chaney. Drei der aufwen­digsten, schönsten, unter­halt­samsten, packendsten Hollywood-Stumm­filme: The Thief Of Baghdad, The Four Horsemen of the Apoca­lypse, The Phantom Of The Opera. Alle drei in neu restau­rierten Fassungen, alle drei mit Orchester-Sound­tracks des bewährten Carl Davis, alle drei viragiert (d.h. nach den Gepflo­gen­heiten der Zeit monochrom in wech­selnden Farben einge­färbt), zwei mit origi­nalen Mehrfarb-Sequenzen. Ein Wort statt drei: Geil!

Schnitt: »Zur selben Zeit, im Werk­statt­kino...«. Falls Sie Peter Jackson kennen, müssen wir jetzt wohl kaum mehr sagen als: Retro­spek­tive, juhuu! Und dann sehen wir uns dort. Wenn Sie ihn noch nicht kennen sollten, wird sich das wohl zwangs­läufig in zwei, drei Monaten ändern, wenn der erste Teil seiner »Herr der Ringe«-Verfil­mung die Kino­land­schaft über­rollen und voraus­sicht­lich für einige Furore sorgen wird. Drum: Jetzt das bisherige Werk kennen­lernen und dann zu denen gehören, die sich schon vor dem ganzen Wirbel auskannten, gell... Jeden­falls: Ange­fangen hat Jackson mit Spaß-Splatter vom Knal­ligsten, mit dem program­ma­tisch beti­telten Bad Taste (watch for that exploding sheep...). Seine ultra-derbe Muppet-Parodie für Erwach­sene, Meet the Feebles, fehlt leider in der Reihe, dafür gibt’s die wahn­sin­nige Apotheose des Splatter-Films, Brain Dead, angeblich im unge­schnit­tenen Original. (Wir werden da nochmal nach­fragen, weil hier­zu­lande auch eine Verleih-Version kursiert, die zwar englisch­spra­chig ist, aber um die selben 10 (in Zahlen: 10!!!) Minuten geschnitten wie die indis­ku­table deutsche.) Und siehe, kurz nachdem man sich über Berge auf’s einfalls­reichste zermet­zelter Untoter unter den Sitz lachen konnte, kam Jackson mit Heavenly Creatures an, in dem ein einziger, vergleichs­weise zurück­hal­tender Mord passiert – und der einem sowas von unter die Haut geht, dass es nicht mehr feierlich, aber dafür höchst eindrucks­voll und sehens­wert ist. (Der Film bot übrigens auch die groß­ar­tige Entde­ckung des späteren TITANIC-Stars Kate Winslet.) Unser beson­derer Tip, Neuigkeit wohl auch für viele Peter Jackson-Kenner: Seine hinreis­sende »Mocku­men­tary« Forgotten Silver über einen wieder­ent­deckten neuseelän­di­schen Film­pio­nier, der alle großen Entwick­lungen der Film­ge­schichte zufällig schon vorweg­nahm. Rasend komisch und dabei erstaun­lich klug und kennt­nis­reich gemacht – muss sein, für Jackson-Fans, für Kino-Freaks, für Leute, die gern gut lachen und überhaupt. Also: Wir wollen dort keinen sehen, der nicht da ist.