09.01.1997

Am Stachus nichts Neues

Feierliche (Wieder-)Eröffnung des Gloria Filmpalastes

Von Christian Rechmann

Mittwoch, 8. Januar 1997: Gala-Eröffnung des neuen Gloria Film­pa­lastes. Jürgen Prochnow ist nicht da und Claudia Schiffer ist nicht gekommen, aber auf Moos­hammer ist Verlaß, wie auf Bernd Stefan, auf Renate Herzberg und auf Christian Ude. Letzterer darf dann auch die Ansprache zur Eröffnung halten, wie dies bereits sein Amtsvor(vor...)gänger Thomas Wimmer vor 41 Jahren gemacht hat: ein paar feier­liche und ein paar kritische Worte zur Münchener Kino­land­schaft und ihren Verän­de­rungen, daß „wir“ den Stachus zum Kino­zen­trum machen, daß „wir“ die Programm­kinos schützen und die Multi­plexe unter­s­tützen wollen und daß München seinen Schnitt an Kino­sitzen-pro-Einwohner auf das deutsche Mittelmaß anzuheben bestrebt ist.

Vor 41 Jahren war es das Musical Scarlet das den Auftakt zum „Fami­li­en­kino im Herzen Münchens“ gegeben hat und der erste Publi­kums­er­folg war Die Trapp-Familie, die sich gleich mehrere Monate im Programm hielt. Die Wiede­r­eröff­nung wurde mit der Deutsch­land­pre­miere von Evita gefeiert und Die Trapp-Familie kommt, welch nette Idee, in die Sonn­tags­ma­tinee. Das Gloria will weiterhin Fami­li­en­kino sein und wird, um die Worte des Verbands­lei­ters der Omniplex Film­thea­ter­be­triebe zu gebrau­chen, »neben ausge­wählt cine­as­ti­schem Programm wohl vorwie­gend Fami­li­en­filme à la Disney zeigen«; auf diese Mischung kann man gespannt sein...

Omniplex – movies and much more – sind also die neuen Besitzer des neuen Gloria und damit auch für die neue Einrich­tung und die neue Bestuh­lung verant­wort­lich. Letztere ist großzügig bequem und auch an ersterer läßt sich nichts aussetzen; die Leinwand ist immer noch eine der größten in München und die Tonanlage ist entspre­chend neuester Standards nach­gerüstet worden. Ein guter Saal, ohne Zweifel, aber muß man darüber gleich in Begeis­te­rung ausbre­chen? Na ja, Klappern gehört zum Handwerk. Omniplex ist übrigens ein recht junger Kino­ver­band, der sich die „Erhaltung der Tradi­ti­ons­theater“ auf die (Presse-)Fahnen geschrieben hat und hier in München als nächstes durch die Übernahme des Theaters am Karlstor auf sich aufmerksam machen wird.

Am Stachus passiert also viel in Sachen Kino, doch wenig Neues, denn bisher handelt es sich nur um Reno­vie­rungs­ar­beiten, die eigent­lich schon längst fällig gewesen wären. Mal sehen, was das Groß­pro­jekt im Mathä­ser­kom­plex so bringt...