54. Berlinale 2004
Die Qualen des Weibes |
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| Anatomie De L’Enfer | ||
Von Dunja Bialas
Als enttäuschender Thesenfilm über die Bösartigkeit der Männer entpuppte sich Catherine Breillats Anatomie De L’Enfer. Ganz im Geiste von Romance erzählt sie die Geschichte einer Frau, die ihre Sex-Phantasien in einem Pakt mit einer Diskobekanntschaft durchinszeniert. Großaufnahmen der feuchten Vagina werden bis zur Ermüdung des Zuschauers gezeigt, ebenso der stolz erigierte Penis von Rocco Sifredi. In arrangierten Rendez-vous in einem alleinstehenden Haus beginnt eine sexuelle Erkundungsreise in die Tiefen der weiblichen Anatomie.
Das Höllisch-Diabolische findet als Teufelsinsignie Platz, einer dreizackigen Harke, die Siffredi der Frau in die Vagina einführt, während sie schläft. Abgesehen von der Lächerlichkeit des Bildes wird hier die teuflische Bösartigkeit des Mannes behauptet, der vor keiner Art der Gewaltantuung zurückschreckt. Die Hölle wiederum soll hier eine Hölle sein, in welcher der Mann in Menstruationsinszenierungen hineingezogen wird. Dies bedeutet bekanntlich ein Eindringen in die gesellschaftlich behauptete Unreinheit der Frau: »Wenn die Frau ihre Tage hat, will ihr keiner die Hand geben«, so die Frau im Spiel mit ihrem blutendem Schoß, dem »fruchtbaren weiblichen Blut«. Variationen von Menstruationsszenarien folgen: Der blutüberströmte Penis, der aus der Vagina gezogen wird, der blutgetränkte Tampon, der in ein Wasserglas gelegt wird und dessen austretendes Blut von Frau und Mann getrunken wird (»Feinde trinken gegenseitig ihr Blut, und Frau und Mann sind sich feind«).
Dazu die frauenfeindlichen Aussagen, die Rocco in den Mund gelegt werden, immer mit seinem italienischen Macho-Akzent in unbeholfener Sprache: »Frauen sind wie Frösche, beide können die Beine weit spreizen«. Dann die Alptraumvision, die die Frau hat, über einen kleinen Jungen, der ein Nest mit jungen Vögel ausraubt und einen davon am Boden zertritt. Dies kommentiert mit der Bemerkung, die Haut des Schambereiches der Frau wäre so fragil wie der junge, noch nackter Vögel. »Die Böswilligkeit des Jungen ist auf alle Männer übergegangen.« Was will Breillat mit diesem Film, wenn nicht die klischeehafte Vernichtung des Mannes? Und was erzählt der Film, wenn nicht eine gewollt provozierende Variation über die Menstruation?
Der Film will mutig sein, aber er ist letztlich doch nur feige, weil er sich visuell und diskursiv im Klischee verfängt. Dass rotes Blut auf weißem Stoff den Verlust von Unschuld und Opferung bedeuten, ist klar, und wenn das Bilderlebnis immer wieder darauf zurückkommt, zeugt der Film von seiner Einfallslosigkeit. Dass der Mann ein böses Tier ist, das die Frau physisch besitzen will und das Miterleben ihrer Sex-Phantasien zu seiner psychologischen Vernichtung führt, ist Nonsens. Da hätte man sich mehr erwartet nach dem überzeugenden letzten Film À ma soeur!.