| Schweiz 2026 · 88 min. · FSK: ab 0 Regie: Natascha Beller Drehbuch: Sabina Gröner Kamera: Filip Zumbrunn Darsteller: Neah Hefti, Alva Maurer, Zazie Mawete, Finnigan Inan u.a. |
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| Als die Welt noch in Ordnung war... | ||
| (Foto: Der Filmverleih GmbH) | ||
Leben heißt Wandel. Das ist eine jener Blubber-Wahrheiten, die man als Erwachsener gerne mit abgeklärter Melancholie vor sich herträgt, während sie für Kinder zunächst einmal eine Katastrophe ist. Plitsch Platsch Forever! von Natascha Beller erzählt von genau diesem Moment, in dem die Welt nicht einfach langsam anders wird, sondern plötzlich wegbricht: Das Freibad soll schließen, die beste Freundin Polly zieht weg, und für ihre allerbeste Freundin Pola verschwindet damit nicht nur ein Ort, ein Sommergefühl, sondern ein ganzes Leben.
Dabei war vorher alles so gut: Die beiden elfjährigen Freundinnen Pola und Polly verbringen jede freie Minute im örtlichen Freibad, in dem Pollys Eltern ein Café betreiben. Es ist ihr Reich, ihre Gegenwelt, ihr Versprechen einer endlosen Freundschaft. Als das Bad aufgrund von Sparmaßnahmen geschlossen werden soll, fallen beide aus allen Wolken. Dann kommt auch noch der Umzug von Polly hinzu, weil das Café ja auch schließen muss. Für Pola wird aus einem Sommer der Freiheit eine Initiation in die Zumutungen der Gegenwart. Doch sie gibt nicht auf, verbündet sich mit einer neuen Klassenkameradin, startet eine Petition und mobilisiert die Kinder des Ortes. Denn ist das Schwimmbad wieder da, ist vielleicht auch bald Polly wieder da.
Damit will Plitsch Platsch Forever! nicht nur Freibadfilm sein, sondern mehr noch eine kleine politische Coming-of-Age-Geschichte. Das Freibad funktioniert hier ein bisschen wie in Doris Dörries Erwachsenen-Freibadfilm Freibad: als Sammelsurium-Symbol für das Gesellschaftliche, als Ort, an dem unterschiedliche Milieus, Wünsche, Körper, Konflikte und Projektionen aufeinandertreffen. Nur dass Dörrie auf die reiferen Altersgruppen blickte, während Beller ihre Geschichte konsequent aus der Perspektive von Kindern erzählt. Das ist klug, weil die Schließung des Freibads dadurch nicht zuerst als kommunalpolitischer Vorgang erscheint, sondern als existenzielle Erschütterung.
Am schönsten ist der Film dort, wo er dieses Freibad als kleines Gemeinwesen begreift, das plötzlich verschwinden soll. Dann wird aus der sommerlichen Planschkulisse ein mikrokosmisches Symbol für eine makrokosmische Gegenwart, in der Vertrautes verschwindet, Sicherheiten bröckeln, Abschiede erzwungen werden und Sparmaßnahmen als Naturgesetz auftreten. Pola muss lernen, dass Heimat nicht einfach da ist, sondern fragil ist. Und dass Protest nicht einfach nur eine Sommer-Pose sein muss, sondern wirkungsvolle Selbstermächtigung sein kann.
Und das ist dann vielleicht auch der stärkste Impuls dieses Films: Er nimmt die Politisierung von Kindern ernst, ohne sie sofort als pädagogisches Projekt zu verengen. Plitsch Platsch Forever! zeigt Demokratie nicht als Schulbuchbegriff, sondern als etwas, das man ausprobiert, stammelt, organisiert, unterschreibt, durchhält. Eine Petition, ein gemeinsames Anliegen, ein paar Kinder, die nicht einfach hinnehmen wollen, dass Erwachsene schon entschieden haben: Das hat etwas sehr Einfaches und gerade deshalb Richtiges und ist in der Grundkonzeption fast so etwas wie eine Anleitung für gelebte Demokratie.
Zugleich macht Beller deutlich, dass wir alle Migranten in einer sich verändernden Welt sind. Nicht im engeren politischen Sinn, sondern existenziell: Wir werden aus Zuständen vertrieben, aus Kindheiten, Freundschaften, Gewohnheiten, Sommern. Polly zieht weg, Pola bleibt zurück, das Freibad verschwindet vielleicht, und nichts davon lässt sich vollständig aufhalten. Aber man kann Formen finden, neue Menschen treffen und für Pola ist es dann überraschenderweise nicht nur eine neue, altkluge Freundin, sondern auch eine Bewohnerin des Altenheims, die ihr erklärt, dass es wichtig ist, sich nicht nur passiv den Veränderungen des Lebens hinzugeben.
Trotz diese dichten Versuchsanordnung trägt nicht alles gleich gut. Die Erzählung holpert bisweilen, manche Wendung wirkt mehr behauptet als organisch entwickelt. Der Score ist oft zu laut und erschlägt gerade jene subtilen Botschaften und zarten Beziehungsbande, auf die der Film eigentlich vertrauen könnte. Auch die Coolness der Kinder wirkt gelegentlich so aufgesetzt, als müsse jugendliche Gegenwart besonders grell markiert werden. Und auch die jungen Hauptdarstellerinnen überzeugen nicht durchgehend, sondern haben Momente, die besser hätten umgesetzt werden können.
Aber man muss einem Kinderfilm dann auch zugestehen, dass er seine Welt manchmal gröber konturiert, als es ihm guttut, wenn denn der Impuls stimmt. Und der stimmt bei Plitsch Platsch Forever! und seinem nicht ganz runden, aber sympathisch eigensinnigen Plädoyer dafür, Kindern nicht nur Verlust, sondern auch Handlungsmacht zuzutrauen. Das Freibad mag gefährdet sein, der Sommer endlich, die Freundschaft verletzlich. Doch aus dem Schrecken des Wandels entsteht hier immerhin die Ahnung, dass man der Gegenwart nicht nur ausgeliefert sein muss.