One Night Only

USA 2026 · 103 min. · FSK: ab 12
Regie: Will Gluck
Drehbuch: ,
Kamera: Yaron Orbach
Darsteller: Monica Barbaro, Callum Turner, Bobby Cannavale, Molly Ringwald, LeVar Burton u.a.
One Night Only
Nachts schmeckt Pizza am besten
(Foto: Universal Pictures)

Frei sein für eine Nacht

»One Night Only« bedient sich der »The Purge«-Prämisse und schafft damit eine kontroverse Sexualethik und gleichzeitig eine der besten Rom-Coms der letzten Jahre

Es passiert in einer einzigen Nacht! Owen (Callum Turner) kann es kaum abwarten, seine Koch­schürze abzulegen und aus seiner Pizzeria in den Feier­abend zu stürmen. Schließ­lich ist heute der einzige Tag im Jahr, an dem Menschen wie er Sex haben dürfen: Singles und Unver­hei­ra­tete in Paarungs­be­reit­schaft. Die Stimmung der liebes­hung­rigen Einwohner*innen von New York ist ausge­lassen; überall in der Stadt bespringen sie sich, wort­wört­lich. Es gilt jede Sekunde der von Gesetzes wegen erlaubten zwölf Stunden auszu­nutzen, schließ­lich überwacht der Staat die restrik­tive Paarungs­er­laubnis per im Hand­ge­lenk einge­bautem Chip. Doof für Owen, dass es seine Freundin dieses Jahr mit jemand anderem treiben will. Owen streift allein durch die Nacht und begegnet der Musikerin Allie (Monica Barbaro), die ebenfalls verloren durch die Nacht der Nächte zieht.

Oft hat man bei roman­ti­schen Komödien den Eindruck, bereits alles gesehen zu haben. Das Genre selbst hält konse­quent an der einen Erfolgs­formel fest: wohlige und rührende Gefühle bei den Zuschau­enden auszu­lösen. Will Gluck, der neben dem Emma-Stone-Hit Easy A solide Genre­ver­treter wie Friends with Benefits oder Anyone But You gedreht hat, geht mit seinem achten Film One Night Only auch keine gänzlich neuen Wege. Warum auch.

Aller­dings reichen ihm ein paar seiner Kniffe, um damit eine der besten Rom-Coms der letzten Jahre zu kreieren. Die Prämisse klaut er direkt vom Horror-Hit The Purge und verpackt sie so, dass selbst die katho­li­sche Kirche Fan seines Films wird. Für das Genre fühlt sich das jedoch erfri­schend an. Im rausch­haften Trip durch New York fiebert man mit den beiden Prot­ago­nist*innen mit und fühlt sich stel­len­weise an Martin Scorseses atmo­sphäri­schen After Hours erinnert. Nur, dass Scorsese kein Roman­tiker ist.

In dieser einzigen Nacht kann alles passieren. Von der Odyssee nach dem letzten verfüg­baren Kondom über das Rendez­vous mit einem kunst­sam­melnden Hoch­stapler bis hin zum pein­li­chen Schwie­ger­vater ist alles dabei. Die Witze fallen außerdem zum Glück derber aus als in Glucks letztem Film Anyone But You, was stel­len­weise an Teenie-Humor à la American Pie erinnert – auch dort geht es die ganze Zeit um Sex. Das inklu­diert einen puber­tä­reren, sexwü­tigen Teenager, dessen One-Liner manchmal übers Ziel hinaus­schießen. Präzise wechselt der Film zwischen Humor und sexueller Anziehung. Die Chemie zwischen Monica Barbaro und Callum Turner ist stark und über­trifft das Duo Kunis und Timber­lake in Friends with Benefits locker. Das Pacing ist gelungen und hält die Spannung zwischen den beiden so lange wie möglich aufrecht. Sowohl Turner (Eternity, Fantastic Beasts: The Secrets of Dumble­dore) als auch Barbaro (A Complete Unknown, Top Gun: Maverick) erhalten ihre erste große Haupt­rolle und ebnen damit ihren Weg in die Hollywood-A-Riege.

Was hat es nun aber mit diesem frag­wür­digen Gesetz auf sich? Dazu erfahren wir leider allzu wenig. Zwar sieht man immer wieder Sticker, die das Vorgehen verur­teilen, zur Rebellion der Singles aber kommt es nicht. Statt­dessen wird der Status quo brav akzep­tiert. Dennoch lässt sich die Ausgangs­lage unschwer als Dystopie lesen. Sie zeigt deutlich die Macht­ausü­bung eines konser­va­tiven oder gar oppres­siven Regimes, und der Sex hält als Metapher natürlich auch für andere Frei­heits­ein­schrän­kungen her. Dass der Film in den gegen­wär­tigen USA spielt, lässt sich unschwer als poli­ti­scher Kommentar lesen, auch wenn tiefer­ge­hende Inter­pre­ta­tionen im Film selbst nicht angelegt sind. One Night Only bleibt ganz und gar Rom-Com – und Sex ist hier am Ende dann doch nicht politisch.