Klara und die Sonne

Klara and the Sun

USA/NZ/GB 2026 · 117 min. · FSK: ab 12
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: ,
Kamera: Mike Berlucchi
Darsteller: Jenna Ortega, Amy Adams, Mia Tharia, Aran Murphy, Natasha Lyonne u.a.
Klara und die Sonne
(Foto: © 2026 CTMG · Sony Pictures)

Ein Stück Heilung

Der Neuseeländer Taika Waititi schafft mit »Klara und die Sonne« eine Utopie der Nächstenliebe und eine Einladung, das Leben als etwas Magisches zu begreifen

Klara (gespielt von Jenna Ortega) ist ein Roboter, der aussieht wie ein Mensch – doch sie blickt anders auf die Welt. Als künst­liche Freundin der jungen Josie (Mia Tharia) bringt sie eine lebens­be­ja­hende Energie mit, die sich schnell auf das Mädchen überträgt. Nichts an Klara wirkt maschi­nen­haft. Besonders faszi­niert sie die Sonne: Sie fühlt sich von deren Energie magisch angezogen und glaubt an ihre heilenden Kräfte. Als Klara erfährt, dass Josie todkrank ist, setzt sie alles daran, ihre Seelen­ver­wandte zu retten. Doch in der Familie begegnet sie noch einer anderen Not: Josies Mutter Chrissy (Amy Adams) ist von tiefer Trauer erfüllt. Klara erkennt, dass sie aus einem ganz anderen Grund aufge­nommen wurde.

Klara und die Sonne, nach dem gleich­na­migen Best­sel­ler­roman des Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers Kazuo Ishiguro, ist zunächst eine Dystopie, die nach dem Ende des Dritten Welt­kriegs spielt. Wie der neuseelän­di­sche Regisseur Taika Waititi seinen Blick auf den huma­no­iden Roboter wirft, entpuppt sich schnell ein heilsamer Gegen­ent­wurf zu den sonst kühlen KI- und Robo­ter­filmen. Die Hinter­gründe der Kata­strophe bleiben indes ungeklärt. Das Internet ist tot, heißt es im Film. An seine Stelle sind künst­liche Freund*innen getreten, die sich den Menschen anpassen und ihnen als treue Begleiter*innen dienen. Ein eigener Wille der Maschinen ist in diesem Konzept nicht vorge­sehen. Vielmehr ordnen sich die Roboter ihren mensch­li­chen Besitzer*innen wider­spruchslos unter – stets in der Angst, als Retoure im Karton in den Limbus der Fabrik­halle zurück­ge­schickt zu werden. Zwar wird von einem Fall erzählt, in dem ein Roboter seine Besitzer*innen getötet haben soll. Von einer Revolte der Maschinen ist die Welt jedoch weit entfernt.

Der Wider­stand liegt für Waititi eher in der bedin­gungs­losen Nächs­ten­liebe. Mit der naiven Weltsicht des Roboters eröffnet der Film einen verbor­genen Blick auf eine Welt, die jegliche Mensch­lich­keit hinter sich gelassen hat. Entworfen wird eine Utopie der Zwischen­mensch­lich­keit, die über bekannte Grenzen und Formen hinaus­geht. Sein Ton ist kind­ge­recht und setzt auf zarte Momente: etwa, wenn Klara sich Liebe als ein Leuchten vorstellt oder ein Kaffee­be­cher zum Symbol mensch­li­cher Zuneigung wird. Ihre unvor­ein­ge­nom­mene Perspek­tive kreist um die Frage, was den Menschen ausmacht. Einen Zugang findet Klara über das Vers­tändnis von Emotionen.

Rührend ist, dass Klara und die Sonne im Kern ein Film über Freund­schaft ist. Zwei Außen­sei­te­rinnen finden zuein­ander und lernen, das Unvoll­kom­mene im Leben zu akzep­tieren. Seinen Humor setzt Waititi beiläufig ein; der mensch­liche Kern steht klar im Vorder­grund. Wenn es dann doch typisch absurd wird, in dem Moment, in dem sich Chrissys elitärer Freun­des­kreis im Wohn­zimmer versam­melt, stellt sich Klaras Verhalten als das mensch­lichste heraus. Ein Kommentar auf eine privi­le­gierte Gesell­schafts­schicht, die sich mit ihrem abstrakten Lebens­stil längst von der Wirk­lich­keit entfernt hat.

Trauer ist ein unver­meid­li­cher Bestand­teil mensch­li­cher Erfahrung. Die Figuren versuchen, diese Tatsache mithilfe trans­hu­ma­nis­ti­scher Tech­no­lo­gien auszu­tricksen. Doch gerade darin liegt die Gefahr: Im Versuch, Verlust und Endlich­keit zu über­winden, droht der Mensch sich von seinem eigenen Wesen zu entfernen. Auch gene­ti­sche Mani­pu­la­tionen spielen im Film eine Rolle. Wer keinem »Lifting« unter­zogen wurde, kann gesell­schaft­lich kaum mithalten. Der Film zeichnet das Bild einer Gesell­schaft, in der Kinder optimiert werden, um ihre Leis­tungs­fähig­keit zu steigern. Ein Privileg, das längst nicht allen offen­steht und nicht ohne Risiken bleibt. Aus dem Verspre­chen auf eine bessere Zukunft wird ein System, das Ungleich­heit repro­du­ziert.

In seiner Analogie zum Leben bleibt der Film konse­quent, auch wenn er seinen Feel-Good-Charakter bis zum Schluss bewahrt. Ironi­scher­weise lässt sich das Ende als eine Utopie ohne Mensch­heit lesen. Mit Blick auf die gegen­wär­tige Entwick­lung künst­li­cher Intel­li­genz entwirft Waititi damit ein Zukunfts­sze­nario, das erschre­ckend plausibel wirkt.