How to Make a Killing – Todsicheres Erbe

How to Make a Killing

Großbritannien/USA 2026 · 106 min. · FSK: ab 12
Regie: John Patton Ford
Drehbuch:
Kamera: Todd Banhazl
Darsteller: Glen Powell, Margaret Qualley, Jessica Henwick, Bill Camp, Zach Woods u.a.
How to Make a Killing
Noch so ein Schnösel…
(Foto: Glen Powell als Becket Redfellow. ©Ilze Kitshoff / STUDIOCANAL_SAS)

Sind zu kleine Träume

In »How to make a killing« wird Glen Powell zum Robin Hood von Erbschaftsangelegenheiten und Sklaven seiner Ambitionen

In einer Nacht wird Becket Redfellow (Glen Powell) plötzlich von der Stimme seiner verstor­benen Mutter heim­ge­sucht. Sie versi­chert ihm im Traum, dass er der recht­mäßige Erbe des Fami­li­en­ver­mö­gens ist. In Wirk­lich­keit aber wurden er und seine Mutter längst aus der Fami­li­en­dy­nastie exkom­mu­ni­ziert. Als sie im jungen Alter ungewollt mit Becket schwanger wurde, wurde sie vom eigenen Vater verbannt. Ein Ereignis, das so nicht in die Pläne der elitären Familien gepasst hat. Ab da lebten sie in einem Vorort New Yorks und arbei­teten im Schweiße ihres Ange­sichts – statt vom Fami­li­en­ver­mögen zu leben. Viele Jahre später begegnet Becket seiner früheren Jugend­liebe Julia (Margaret Qualley). Alte Wunden werden aufge­rissen und Becket fasst den Entschluss, endlich (wieder) zur Ober­schicht dazu­zu­gehören, um Julia erobern zu können.

Dies ist die Ausgangs­si­tua­tion für die nach­fol­gende sozi­al­kri­ti­sche Komödie. Der Film sugge­riert auf sati­ri­sche Weise, dass der Weg zum Selbst­wert einzig durch den sozialen Aufstieg möglich ist. Becket will nicht länger die Unge­rech­tig­keit hinnehmen, aus seiner reichen Familie ausge­grenzt zu sein. Als ihm Julia seine Passi­vität vorführt, will er zum Macher seines Schick­sals werden – dabei nimmt er sich doch nur das, was ihm recht­mäßig zusteht.

Auf rasante Weise setzt der Film die Prämisse als eine Art »Eat the Rich«-Komödie um, wenn in schnellen Schnitten und bunten Kulissen syste­ma­tisch die jewei­ligen Verwandten elimi­niert werden. Der Ton erinnert dabei an The Wolf of Wall­street, wo auf ebenso lockere und spaßige Manier, ohne Rücksicht auf Verluste, auf das eigene, verwerf­liche Ziel zuge­steuert wird. Mit Leich­tig­keit werden die Fami­li­en­mit­glieder unter­wan­dert und gemeu­chelt. Die wieder­keh­renden Bilder der sukzes­siven Beer­di­gungen rhyth­mi­sieren den Film: Und schon wieder wurde jemand von der Liste gestri­chen.

Eine gefähr­liche Ideologie, bei dem der Zweck die Mittel recht­fer­tigt. Aber warum das Ganze? Seine Moti­va­tion entspringt dem Druck seines Umfelds, Spie­gel­bild seiner sozialen Unter­le­gen­heit. Da gibt es die Indok­tri­nie­rung der verstor­benen Mutter, der Spott der uner­füllten Jugend­liebe und zuletzt droht eine Degra­die­rung im Job.

How to Make a Killing ist ein Unter­hal­tungs­film, mit einer über­zeu­genden bunten und schnellen ersten Hälfte. Die Super­rei­chen werden als die Stereo­typen darge­stellt, die sie sind: Der Börsen­chef, der die Finanz­märkte mani­pu­liert. Der Playboy, der Geld aus dem Heli­ko­pter regnen läss. Der narziss­ti­sche Künstler, der selbst sein größter Fan ist. Wie bereits in Hit Man macht es Spaß, Powell als »Under­cover-Agenten« bei der Mani­pu­la­tion seiner Umwelt zuzusehen. Hier entfaltet der Film makabren Charme.

Ein größeres Problem bleibt aller­dings die Motivlage Beckets. Anfäng­lich funk­tio­niert es, sich ihn als rebel­lie­rendes Schwarzes Schaf der Familie vorzu­stellen. Als ihm später der soziale Aufstieg gelungen ist und eine bezau­bernde Frau zu seiner Seite steht, bröckelt es ein wenig mit der Motivlage der Morde. Wozu das Risiko eingehen? Der Film hält die Antwort parat: Es ist Gier. »How can I quit now«, fragt Becket, als er kurz vor seinem Endziel steht, allein das Erbe anzu­treten. Er ist längst Opfer seiner eigenen Ambi­tionen geworden und kann das eigent­liche Glück in seinem Leben nicht mehr erkennen. Es sind die kleinen Träume, die uns so schwer­fallen, merkt seine Freundin an. Für Becket scheint jedoch nur im »Mehr« eine Genug­tuung zu liegen – während sich der Film an einer an Kalen­der­sprüche gemah­nenden Weisheit erfreut.

Ähnlich wie in Emerald Fennells von den Teens und Twens gefei­erten Saltburn oder dem auf der dies­jäh­rigen Berlinale urauf­ge­führten Rosebush Pruning von Karim Aïnouz schwindet mit der Plau­si­bi­lität der Motivlage auch der sympa­thi­sche Prot­ago­nist.

Der Plot entwi­ckelt sich von der »Eat the Rich«-Ausgangs­lage zu einer toxischen Bezie­hungs­dy­namik voller Ablehnung, Mani­pu­la­tion und Rache­gelüsten. Becket wird jetzt als Opfer gezeigt, darf nicht mehr Fäden­zieher seines Schick­sals sein. Das wider­spricht der zentralen Aussage des Films, dass doch die eigenen, unstill­baren Gelüste der Grund für unser aller Verderben sind: Man soll aufpassen, was man sich wünscht und sich mit dem zufrie­den­geben, was man hat. Nur leben wir in einer Gesell­schaft, in der uns keiner zeigt, wie Genüg­sam­keit geht. Becket wird damit zur Leidens­figur der Moderne, hält uns einen Spiegel vor. Der impuls­ge­bende syste­mi­sche Einfluss, nach immer mehr zu streben, etwa durch die Gesell­schaft oder Werbung, wird dabei völlig ignoriert.