| Frankreich 2025 · 97 min. · FSK: ab 12 Regie: Enya Baroux Drehbuch: Enya Baroux, Philippe Barrière, Martin Darondeau Kamera: Hugo Paturel Darsteller: Hélène Vincent, Pierre Lottin, Juliette Gasquet, David Ayala, Henock Cortes u.a. |
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| Sterben auf Französisch | ||
| (Foto: Happy Entertainment) | ||
Ein Sommerfilm im Winter. Ein Familienfilm passend für die Tage nach dem gemeinsamen Weihnachtsfest, wenn man sich vielleicht auch mal heftig gestritten und geweint hat, aber auch viel gelacht, und eben doch weiß, dass man irgendwie zusammengehört, allen Gewalten zum Trotz. Und ein Film über das Leben vor dem Sterben, das uns alle irgendwann einholen wird. Dabei gar nicht ernst und irgendwie doch; vor allem aber sehr vergnüglich, sodass man über die eigenen Fehler und die eigenen Ängste und die eigenen Probleme endlich mal richtig lachen kann.
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Dass Schauspielerinnen ohne Not etwas Neues wagen, passiert gar nicht so häufig; dass sie damit auch Erfolg haben, noch seltener.
In diesem Fall aber gleich doppelt: Im Alter von 82 Jahren nimmt nämlich gerade die Karriere von Hélène Vincent noch einmal so richtig Fahrt auf. In François Ozons Wenn der Herbst naht war sie erst kürzlich in einer Hauptrolle als resolute Rentnerin zu sehen. Nun
folgt in der Sterbehilfe-Komödie Bon Voyage gleich der nächste Hauptrollenauftritt – und wieder geht es um ein Familiengeheimnis. Und auch die Regie stammt von einer Schauspielerin: Sie heißt Enya Baroux und hat mit ihrer ersten Spielfilmregie gleich mehrere Preise und in Frankreich viele Zuschauer gewonnen.
Die Reise, von der im Titel die Rede ist, hat viele Facetten. Genau gesagt sind es sogar mehrere Reisen.
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Oma will sterben. Sie hat einfach genug, mit über 80. Oma Marie hat aber ihrer Familie nichts gesagt, denn die würde das angeblich nicht ertragen.
Überhaupt ist dies eine Familie wie wir alle: Es wird zu wenig miteinander gesprochen und wenn, dann über das falsche. Darum hat der Sohn Bruno der Familie auch nicht erzählt, dass er ziemliche Geldprobleme hat. Und Enkeltochter Anna hat Liebeskummer und weitere Sorgen.
Als die alte Dame dann einen Sterbehilfe-Termin in der Schweiz bekommt, wollen Sohn und Enkelin natürlich unbedingt wissen, warum sie so plötzlich in die Schweiz reisen will. Da erfindet Marie spontan eine unglaubliche Geschichte: »Ich bekam heute einen Anruf von einem Notar …«
Was als kleine Notlüge beginnt, entwickelt sich zu einer aberwitzigen Familienreise, einem Roadmovie in einem alten Wohnmobil. Mit dabei ist auch noch Rudy, ein Sozialarbeiter, den die anderen
kaum kennen und der wider Willen in dieses Abenteuer hineingezogen wird.
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Doch unterwegs, zwischen Vorwürfen, Lachen und Geheimnissen, führt die Reise dazu, dass drei Generationen wieder zueinanderfinden – selbst wenn sie eigentlich gar nicht danach gesucht haben.
In einem bittersüßen und zugleich warmherzigen Ton nimmt Bon Voyage sein Publikum mit auf einen Familientrip, der ebenso Abschied wie Chance zu einer Wiederbegegnung ist.
Der von Enya Baroux geschriebene und inszenierte Film berührt Themen wie Alter, Euthanasie, familiäre Beziehungen und ist vor allem ein Plädoyer für das Recht, über das eigene Leben zu entscheiden.
Dabei dominiert immer eine leichte, humorvolle Herangehensweise. So findet das Drehbuch eine gelungene Balance zwischen Tragik und Komik und vermeidet übermäßigen Sentimentalismus.
Es ist eher eine Komödie über Irrtümer und Missverständnisse. Der humanistische Ansatz der Regisseurin vermeidet doktrinäre Positionen zu diesen Fragen, etwa zur Sterbehilfe, und konzentriert sich stattdessen auf die widersprüchlichen Gefühle, die dieses Thema auslöst: Angst, Schuld, das
Bedürfnis nach Liebe.
Die Regie setzt auf einen leichten, mitunter spielerischen Ton, versteht jedoch in den intimen Momenten innezuhalten – ein Film wie ein Blick ins Familienalbum. Baroux meistert diese Wechsel in der Tonalität souverän. Das Ergebnis klingt wie ein Paradox: Ein Feel-Good-Film über Sterbehilfe. Aber es funktioniert.
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Das Herz von Bon Voyage liegt in seinem Ensemble. Hélène Vincent, die Marie verkörpert, vermittelt überzeugend die Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit einer Frau, die über ihr eigenes Ende bestimmen möchte, ohne ihre Angehörigen zu verletzen. Das Zusammenspiel mit Bruno, einem irgendwie kindlich-gebliebenen orientierungslosen Mann, und Anna, einer Jugendlichen mitten im emotionalen Umbruch, ist voller Nuancen.
Bon Voyage ist einer jener Filme, die ohne übergroße Ambitionen auskommen und dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen – dank ihrer Sensibilität, ihres menschlichen Humors und ihrer liebenswerten Figuren.
Auch wenn das alles nicht ohne ein paar bekannte Klischees des Roadmovies und der dysfunktionalen Familie auskommt, gewinnt die Geschichte Frische durch ihren optimistischen Blick auf das Alter als einer Lebensphase, die noch immer für
mutige Entscheidungen taugt.