27.02.2023
73. Berlinale 2023

Der Bauchnabel von Kristen Stewart

Kristen Stewart Berlinale Poster
Ausschnitt von Kristen Stewarts Berlinale-Porträt-Poster im Berlinale Palast
(Foto: R. Suchsland)

Die Berlinale braucht eine Zeitenwende: Ein Feelgood-Film über ein Feelbad-Thema gewinnt in Berlin – die Strukturschwächen des wichtigsten deutschen Filmfestivals lassen sich aber trotz Feierlaune nicht übersehen

Von Rüdiger Suchsland

»Drehbuch – was für ein schreck­li­ches deutsches Wort! Der Filme­ma­cher Robert Flaherty hat in seiner Auto­bio­gra­phie erzählt, wie Dreh­bücher entstanden sind. Denn am Anfang wurden die Filme ohne Drehbuch gemacht. Und irgend­wann haben die Buch­halter gesagt: Na, wir wollen doch wissen, was die da machen! So sind die Dreh­bücher entstanden: Als Kontroll­in­stru­ment der Buch­halter und ich glaube, alle Filme­ma­cher wissen, dass auch heute noch die Dreh­bücher nicht nur Notizen sind, die die Filme­ma­cher für ihre Arbeit brauchen, sondern auch Kontroll­mittel aller Buch­halter im weitesten Sinne [Applaus im Saal]!!!
Manchmal gibt es groß­ar­tige Filme, die sich gegen die Buch­halter richten, und ich denke, sie sollten wie echte Schätze gehegt und gepflegt werden...«

– Radu Jude, Regisseur, bei der Berlinale-Abschluss­ver­an­stal­tung

»Thank you for reminding us how privi­leged we are.«
– Mode­ra­torin zu Festi­val­di­rek­torin am Samstag

»Kinder und Tiere funk­tio­niert immer. Ob’s gut fürs Festival ist...«
– Mitglied der Kriti­ker­jury am Samstag

Sams­tag­abend; es schneit in Berlin und die Berlinale ist fast vorbei. Eine besänf­ti­gende weiße Decke legt sich über das Festival wie ein Grabtuch. Nur der Publi­kumstag wartet noch am Morgen.

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Eben wurden die Preise vergeben. Radu Judes eben zitierte Worte zum Dreh­buch­preis waren der Höhepunkt, ein kurzer Moment, der aus dem Rahmen des austausch­baren Balla­ballas fiel, ein Moment der Echtheit und wirk­li­chen Aktua­lität, des Enga­ge­ments.
Der Rest war Routine. Business as usual.

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Da ist er jetzt also, der 73. Goldene Bär. Die Auszeich­nung für den Franzosen Nicolas Philibert und seinen Film Sur l’Adamant, dessen Huma­nismus die Jury lobte – wohin­gegen alle Erfahrung dafür spricht, dass, wenn bei solchen Veran­stal­tungen das Wort »Huma­nismus« fällt, die Filme, die gemeint sind, wenig taugen, weil sie zu moralisch, gut gemeint, ästhe­tisch beliebig sind.

Der Preis krönte zum Abschluss der Berlinale einen weiteren Triumph des fran­zö­si­schen Kinos. Denn auch die Preise für Regie und Kamera waren mit Philippe Garrel und Hélène Louvart an Franzosen gegangen. Ebenfalls drei Preise gingen in Einzel­ka­te­go­rien an deutsche Filme.

Dies und der Haupt­preis waren nicht nur über­ra­schend; es wurde auch durchaus geteilt aufge­nommen. Denn indem sie den einzigen Doku­men­tar­film unter 19 Wett­be­werbs­bei­trägen auszeich­nete, zog sich die Jury auch aus der Affäre. Offenbar vermochte man sich nicht zwischen den beiden starken Filmen Roter Himmel vom Deutschen Christian Petzold einer­seits und Garrels Le Grand Chariot ande­rer­seits zu entscheiden – also wurde ein Kompro­miss gesucht. So gewann ein Feelgood-Film über ein Feelbad-Thema in Berlin.

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Auch anderes verwun­derte am Sams­tag­abend: Eine Jury mit fünf Frauen vergab die vier Haupt­preise an Männer, die über 60, in zwei Fällen über 70 Jahre als sind. Die Zukunft des Kinos stellt man sich anders vor. Und die Zeit des »Empower­ment« durch Haupt­preise an Frauen scheint nun auch vorbei zu sein.

Statt­dessen schieben sich neue Themen in den Vorder­grund: Beide Schau­spiel­preise gingen an Darsteller von Trans­per­sonen ohne Kino­film­erfah­rung. Im Fall der Öster­rei­cherin Thea Ehre irri­tierte, dass sie den Preis für die »Beste Neben­rolle« bekam, obwohl es sich beim Auftritt in Christoph Hoch­häus­lers Film Bis ans Ende der Nacht eindeutig um eine Haupt­rolle handelt.

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Mit einer Schau­spie­lerin spreche ich in der Pause über diese Preise: Sie ärgert sich, und das doppelt: Die Abschaf­fung der Preise für männliche und weibliche Haupt­rolle habe den Schau­spie­lern etwas genommen. Und auch die Vergabe an ein Kind und eine Trans-Akti­vistin, die bestimmt nicht die beste Schau­spiel­kunst bietet, sondern nur gewünschte Haltung, ist im Prinzip nichts anders als Verach­tung der Schau­spiel­kunst ausge­rechnet durch eine von einer Schau­spie­lerin geführte Jury.

»Kinder und Tiere gehen immer« – und darum wurden dann solche Filme ausge­zeichnet, in denen Kinder und Tiere eine Haupt­rolle spielten und dann einer mit einer Trans-Person. [Hier hat der Autor im nach­hinein eine nächtlich-miss­ver­s­tänd­liche Formu­lie­rung bereinigt]. »Trans« ist das Thema der Stunde. Es hat inzwi­schen »me too« und die Frau­en­för­de­rung abgelöst.

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Johnnie To ist der mit Abstand beste Regisseur in der ganzen Jury. Seine Filme Running Out of Time, The Mission und PTU liefen vor 20-25 Jahren auf der Berlinale, in der Zeit als das Forum noch gut war und Genre Filme zeigte. Sie sind heute zeitlose Klassiker der Gegenwart. Es war auffal­lend, dass der beste Regisseur im Wett­be­werb der einzige war, der gar keinen Preis übergab. Bestimmt, weil er alle Preise so super fand, dass er sich gar nicht entscheiden konnte. Wollte er nicht Teil dieses Auftritt sein? Oder hat er das aus Höflich­keit nicht gemacht, weil er nicht so gut Englisch kann. Viel­leicht werden wir es erfahren.
Jeden­falls blieb er außen vor.

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Vor dem Goldenen Bär setzt Kristen Stewart zu einer langen Rede an: Sie hat einen sehr ernsten Gesichts­aus­druck und merkt darum nicht, dass ihre Rede zu lang und die Klugheit der Worte zu betont gesetzt ist.

Dieser verzwei­felte Ehrgeiz von Schau­spie­le­rinnen, unbedingt noch irgend­etwas Bedeu­tungs­volles zu sagen. Diese viel zu lange Rede von der gleich­zeitig zerbrech­lich wirkenden und zu sehr von der eigenen Bedeutung überzeugt erschei­nenden Kristen Stewart mit irgend­wel­chen philo­so­phi­schen Grund­satz­be­mer­kungen, die man wenn sie von einem Mann kämen sofort als »Mans­plai­ning« bezeichnen würde, die lässt man ihr hier natürlich dann mit Links durch­gehen.

Es liegt mir fern, Valeska Grisebach irgend­etwas zu unter­stellen. Aber es sieht einfach nicht gut aus, wenn jemand, der sehr gut mit mehreren Regis­seuren, die im Wett­be­werb laufen, befreundet oder bekannt ist, dann in der Jury sitzt, und dann auch noch einen der Haupt­preise an einen seiner Bekannten übergibt.

Keiner sagt etwas über Verwei­ge­rung der Jury gegenüber ihren urei­gensten Aufgaben. Denn die Aufgabe müsste sein, etwas fürs Kino zu tun sich dem Kino in allen Facetten zu öffnen und nicht ideo­lo­gisch ein Kino zu präfe­rieren und alles andere zurück­zu­weisen.

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Wer den Berlinale-Palast betritt, der findet auf der Parkett-Ebene sehr sehr große Fotos, die in jedem Jahr die Jury-Mitglieder zeigen. Auf den höher­ge­le­genen Etagen finden sich dann auch die Wett­be­werbs­re­gis­seure und andere Berlinale Gäste porträ­tiert. Die Fotos sind sehr gut, sie wirken meistens routi­niert und ein bisschen kühl und glatt, trotzdem gelingt es den Photo­gra­phen immer wieder, heraus­zu­ar­beiten, wer eher unsicher ist und wer nicht, und wer etwas Beson­deres hat.
Jury-Präsi­dentin Kristen Stewart ist sich in jeder Sekunde ihrer selbst und ihres Star­status bewusst, und das kenn­zeichnet auch ihre Auftritte, die man auf dem roten Teppich von ihr gesehen hat. Es ist nicht allein die Mode, die selbst zu weniger kalten Jahres­zeiten gewagt wäre, sondern es ist auch die Art, wie sie sich bewegt, wie sie schaut, der schräg gehaltene Kopf, das herun­ter­ge­zo­gene Kinn, der Ausdruck des Mundes, der immer auch etwas Gelang­weiltes aussagen will. Ich habe mich bei diesen Auftritten schon ein paar Mal gefragt, wie inter­es­sant und wie klug Kristen Stewart eigent­lich wirklich ist? Und ob sie nicht doch viel­leicht in den Medien inter­es­santer wirkt, als sie es dann wäre, wenn man mit ihr etwas längere Zeit verbringen müsste.
In ihrem Berlinale-Foto ist Kristen Stewart die Einzige ihrer ganzen Jury, die Haut und Sexyness zeigt. Sie hat ihre Jacke von unten nach oben aufge­knöpft, sodass der Bauch­nabel und die umgebende Haut in Drei­ecks­form frei liegt. Die ganzen zehn Tage über habe ich mich gefragt, was Kristen Stewart uns mit diesem Foto sagen will? Jetzt wissen wir es. Es ging um Nabel­schau.

Die Nabel­schau der Jury. Am Ende war es das: eine ziemlich eitle Veran­stal­tung.

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Zusam­men­ge­nommen recht absurde Preise.

Euro­zen­trismus trium­phiert: Das übrige Weltkino, Filme aus Asien oder Latein­ame­rika kamen im engen Horizont dieser Jury (aus Wohl­stands­kin­dern?) gar nicht vor.

So wenig wie die Kunst selbst: Inhal­tis­ti­sche, politisch-program­ma­ti­sche Preise domi­nierten bei diesem inhal­tis­ti­schen Festival, bei dem filmäs­the­ti­sche und künst­le­ri­sche Fragen fast gar keine Rolle spielen, sondern das meist eher wie eine Verlän­ge­rung der Haupt­nach­richten auf die Kino­lein­wand wirkt.

Vor lauter Krisen hatte die Berlinale dann aller­dings eine Woche lang ausge­rechnet das Erdbeben in der Türkei (aus der immerhin Hundert­tau­sende Berliner stammen) übersehen. Das wurde dann auf der Abschluss­feier eher pflicht­schuldig verkniffen nach­ge­holt.

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Am Freitag hatte als letzter Film im Wett­be­werb Bis ans Ende der Nacht von Christoph Hoch­häusler Premiere – ein unge­wöhn­li­cher Wett­be­werbs­bei­trag, handelt es sich doch um klas­si­sches Genrekino: ein Krimi­nal­film mit Paranoia-Elementen, in denen verdeckte Ermittler der Polizei einem Drogen­händler an den Kragen wollen. Eine »Femme Fatale« namens Leni gibt es auch.
Da sie aber bis vor kurzem Leonard hieß und ihre Geschlechts­ope­ra­tion noch vor sich hat, mischen sich in diesen zeitlosen Stoff plötzlich ganz zeit­geis­tige Elemente, die in der Fülle, in der sie auf dieser Berlinale auftreten, als modisch erkennbar sind. Und diese Mischung geht hier nicht auf. Es mag auf den ersten Blick inter­es­sant wirken, das Trans­thema mit dem Drogen­sujet, Paranoia und auch noch Liebe und Verrat zu mischen, aber es über­frachtet den Film gewaltig. Am Ende ist Bis ans Ende der Nacht von allem etwas und nichts richtig: Das Melodram stört den Krimi genauso wie die Krimi­hand­lung die großen Gefühle. Darum enttäuscht der Film desje­nigen Filme­ma­chers, auf den viele, die dem deutschen Kino Erfolg wünschen, hier die größten Hoff­nungen gesetzt hatten, gewaltig.

Eher positiv reagierte das Publikum dagegen auf Roter Himmel vom ungleich erfah­re­neren Christian Petzold. Für viele war das der oder einer der besten Filme im Wett­be­werb. So weit würde ich nicht gehen, aber der »Große Preis der Jury« leuchtet ein. Berlinale-Dauergast Petzold zeigte sich in seinem sechsten Film im Wett­be­werb für seine Verhält­nisse humorvoll und locker: Im Zentrum steht ein Schrift­steller mit Schreib­blo­ckade. Er wird vom als Komiker begabten Thomas Schubert mit einigem Witz in all der Unbe­hol­fen­heit und Sturheit der Figur gespielt, und hält sich mit anderen jungen Menschen an der Ostsee auf. Es gibt viel Frei­zeit­ver­gnü­gungen und ein bisschen Sex und Verfüh­rung, erst recht als eine von Paula Beer gespielte Wissen­schaft­lerin dazu kommt und alles durch­ein­ander bringt. Doch dann tritt die Apoka­lypse in Form eines schweren Wald­brandes auf – und aus dem heiteren Sommer­film wird intel­lek­tu­elles Kata­stro­phen­kino, das trotz aller Bemühungen des Regis­seurs nie an Anto­nionis Rote Wüste heran­reicht.

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Dass die drei Preise an die drei Filme der »Berliner Schule« gingen, ist im Einzel­fall gegönnt, in seiner Gesamt­heit aber ein trauriger Witz: Denn diese sehr spezielle Gruppe von Filme­ma­chern steht quer zum deutschen Kino­main­stream und war jahrelang so etwas wie die Auslands­ver­tre­tung des sonst provin­zi­ellen deutschen Films. Vor 20 Jahren hätten solche Preise in die Zukunft gewiesen – heute prämieren sie ein Kino, das seit seinen Anfängen Ende der 90er gehörig in die Jahre gekommen und in Wieder­ho­lungs­schleifen gefangen ist.

Über diese Preise für deutsche Filme können sich die Filmteams freuen; dem Druck auf die Kultur­staats­mi­nis­terin, die dringend von allen Seiten verlangten Reformen der fest­ge­fah­renen deutschen Film­ge­setz­ge­bung auch durch­zu­führen, wird das nicht helfen. Überhaupt muss man fragen, ob nicht solche Preise wie auch die neun Oscar-Nomi­nie­rungen dem deutschen Film auf perverse Weise schaden: Sie werden zum Argument gegen Reformen, zum Argument des »weiter so!«

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Was bleibt von der 73. Berlinale?

Worüber alle klagen, ist die Überfülle des Programms. Diese Überfülle schadet den Filmen selbst und sie schadet längst auch der Berlinale.
Ein Beispiel dafür: Diverse Pres­se­kol­legen und diverse Pres­se­agenten erzählen mir, dass sie über die Filme in der Sektion »Perspek­tive deutsches Kino« überhaupt nicht berichten. Nicht berichten können. Obwohl sie das wollen. Sie können es nicht, weil ja schon fünf deutsche Filme im Wett­be­werb laufen und diverse andere deutsche Filme in den anderen Reihen. Und viele vor allem die main­strea­m­i­geren unter den Kollegen können schon mit den Filmen in Encoun­ters und Panorama nichts anfangen. Medi­enö­ko­no­misch. Sie können sie nicht als Jour­na­listen verwerten.
Indem sie dies ignoriert und ihr Programm immer weiter maßlos mit Durch­schnitts­ware voll­stopft, versäumt die Berlinale genau ihren ureigenen Auftrag: Der lautet nämlich, die Aufmerk­sam­keit auf das zu lenken, was sonst übersehen wird. Filme von Christian Petzold werden nicht übersehen, ganz egal, wo sie laufen. Sie finden in Deutsch­land statt und sie finden ihre Aufmerk­sam­keit. Selbst­ver­s­tänd­lich muss man sie trotzdem bei der Berlinale zeigen, auch im Wett­be­werb, erst recht einen Film wie Roter Himmel. Darum geht es nicht. Aber die anderen deutschen Filme bekommen nicht die Aufmerk­sam­keit, die sie verdient haben, weil einfach zu viel läuft und weil man nicht über alles berichten kann.

Und weil die Berlinale auf die prekäre Lage der Film­kritik sowieso keine Rücksicht nimmt. Die prekäre Lage der Film­kritik bedeutet nämlich: Wir haben weniger Platz, wir verdienen weniger Geld, und unsere eigenen Insti­tu­tionen und Medien legen uns oft genug durch irrwit­zige Bericht­erstat­tungs­vor­schläge Steine in den Weg. Das gilt noch mehr für die inter­na­tio­nalen Kollegen, den deutschen geht es noch vergleichs­weise gut. Die Berlinale müsste in einer solchen Situation erst recht es den Medien wie den Einkäu­fern und Rechtehänd­lern einfacher machen, nicht kompli­zierter.
Es geht nicht darum, dass die Berlinale weiterhin alles nimmt, was sie kriegen kann und jedem ein Türchen öffnet, jeden­falls fast jedem. Sondern es geht darum, dass sie Schwer­punkte setzt und den Mut hat, sich zu bestimmten Sachen zu bekennen und zu anderen nicht. Natürlich muss sie sich an diesen Schwer­punkt­set­zungen dann auch messen lassen.

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Was bleibt von der 73. Berlinale jenseits der Verwei­ge­rung der Jury gegenüber ihrer wich­tigsten Aufgabe, ein künst­le­ri­sches Zeichen zu setzen, und dem Spiel­film­kino eine Zukunft zu weisen?

Vor allem die Einsicht, dass es so mit der Berlinale nicht mehr lange weiter­gehen kann. Denn in einem waren sich die Beob­achter und Besucher aller Länder und aller Lager einig: Die schon lange erkenn­baren Struk­tur­schwächen der Berlinale haben ein Maß erreicht, das uner­träg­lich ist.

Die geschei­terte Archi­tektur am Potsdamer Platz, wo heute Still­stand und Groß­bau­stellen einen normalen Festi­val­alltag fast unmöglich machen, von Atmo­sphäre und Vergnügen ganz zu schweigen;
das im letzten Vier­tel­jahr­hun­dert aufge­blähte Programm, dessen Dutzende von Sektionen und Unter­sek­tionen konturlos und unun­ter­scheidbar geworden sind und überdies schlecht kuratiert werden;
und ein Festival, in dem die große Filmkunst und neue Kino­ten­denzen nicht mehr zuhause sind, das hinter die Konkur­renz immer weiter zurück­fällt, das kein Charisma und keinen Sog entfaltet, weil es auf viele Besucher seelenlos wirkt, weil man nicht mehr weiß, wofür die Berlinale steht.

All das mündet in die Fest­stel­lung, dass dem Direk­toren-Paar Carlo Chatrian und Mariette Rissen­beek der Aufbruch und der neue Schwung, den man sich von ihrer Berufung versprach, nicht gelungen ist.
Es muss sich etwas ändern in Berlin. Auch die Berlinale braucht eine Zeiten­wende.