20.06.1996

Something New, Someting Better

Neuer Name, neues Glück für Filmemacher?

Von Balthasar von Weymarn

Wie haben es doch die Musiker einfach: wenn sie mit dem aktuellen Erfolg ihrer Band nicht zufrieden sind, lösen sie sich auf und treten schon Wochen oder Monate später unter neuem Namen zu neuen Erfolgen ins Rampen­licht (Modern Talking – Blue System, Bronski Beat – Commu­nards; unter welchem Namen meine Lieb­lings­band Crowded House demnächst auftritt, steht noch in den Sternen). Da haben es Regis­seure schon viel schwerer: ein-/zweimal mit einem Film gefloppt, und schon ist der Name Kassen­gift. Und dann heißt es nur noch »warten, bis ein Revival ansteht«. Orson Welles hatte Zeit seines Lebens mit einem schlechten Ruf zu kämpfen, der ihn nach den Dreh­ar­beiten zu The Magni­fi­cent Ambersons ereilt hatte. John Boorman hat Schwie­rig­keiten, seine ambi­tio­nier­testen Projekte zu verwirk­li­chen, da er in Produ­zen­ten­kreisen als „Mystiker“ verschrien ist. Daß überhaupt noch jemand versucht, Wim Wenders' Filme in Deutsch­land auf den Markt zu bringen, zeugt von viel Mut (und guten Bezie­hungen): sie gelten speziell bei den Jugend­li­chen als »viel zu langatmig«. Entspre­chend sind die Einspiel­ergeb­nisse.
Ein eigen­ar­tiges Phänomen, das dem Neuen auto­ma­tisch einen Quali­täts­wert zuweist, so daß solche Etiket­ten­schwindel wie oben funk­tio­nieren können... Wäre es nicht eine geniale Idee? Neue Künst­ler­namen für Regis­seure? Kathryn Bigelow nennt sich demnächst Yvonne Jackson und muß sich nicht mehr mit der Altlast herum­schlagen, ihre Filme seien ohne Tiefgang und effekt­ha­schend aufgebaut. Rachel Talalay könnte glatt noch einmal von vorne anfangen, und niemand würde dauernd hinter vorge­hal­tener Hand sagen: »...hmmm«, naja, nach Tank Girl konnte dieser Film ja wohl auch kaum schlimmer werden. Und: Terry Gilliam hätte nicht so lange auf eine neue Chance warten müssen...

Hinweis mit dem Base­ball­schläger: obige Zeilen könnten durchaus satirisch verstanden werden.