09.05.1996

Escapist Movies

Geena Davis and Matthew Modine in »Die Piratenbraut«
Die Piratenbraut
(Foto: @1995 MGM)

Von Balthasar von Weymarn

Ich leide gerade an fürch­ter­li­cher Einfalls­lo­sig­keit. Die Uni kommt langsam wieder in die Gänge, es ist doch schon recht warm, wenn nicht schwül, und das wirkt auf die spru­delnden Einfälle für das Schlag­licht immer wie ein Sedativum... (ja, mein Schwager ist Mediziner...). Wie war doch gerade der Ratschlag für die Kolum­nen­schreiber ohne Ideen? Schreib' über das, was Du gerade getan hast. Also los. Gerade bin ich aus dem Kino gekommen, die Die Pira­ten­braut habe ich mir angesehen – ich war direkt über­rascht, wie sehr ich diesen Ausflug genossen habe, ohne mich an Conti­nuity-Fehlern o.ä. zu stören. Diesen Film hat ja, ähnlich wie Water­world, eine Flut von Horror-Budget-Über­zei­hungs-Meldungen begleitet – irgendwie alles nicht so schlimm diesmal. Der erneute Erfolg dieses Filmtyps (gab es alles schon einmal in der großen Krise Ende der Siebziger), als wieder einmal die Menschen, von der Wirk­lich­keit enttäuscht, in Kino-Phan­ta­sie­welten „Schutz suchten“, läßt für die Einspiel­ergeb­nisse beispiels­weise der neuen Star-Wars-Filme ab 1998 ja das Beste hoffen...

Der unfri­sierte Gedanke der Woche

...kommt diese Woche von Roland Emmerich – ich habe ihn beim Stöbern in der Homepage des Film­boards Berlin – Bran­den­burg entdeckt. Ich finde ihn sehr treffend (und viel­leicht ist er für einige Film­stu­denten von Wert...? ;-) Ich würde jedem jungen deutschen Film­re­gis­seur oder Filme­ma­cher oder wie immer er sich nennen mag, sagen: mach die Filme, die du willst, die du dir im Kino angucken willst. Mach um Gottes Willen nicht 'nen Film aus Berech­nung! Glaub nicht, daß Du glaubst wissen zu können, was die Zuschauer wollen, sondern versuch' den Film zu machen, in den du rein­rennen würdest. Das wird manchmal total vergessen. Jeder ist Zuschauer. Manchmal siehst du hier in Deutsch­land Leute Filme machen, in die sie selber nicht reingehen würden. Diese Leute, die deutsche, ein bißchen schwer­mü­ti­gere kompli­zierte Filme machen, die frage ich manchmal: Warst du in dem Film? – Nein. – Warst du in dem Film? – Nein. Und dann: Warst du in Der bewegte Mann? – Ja, den hab' ich gesehen. Frag ich: Hast du den gemocht? – Nee, nicht so. Und ich: Warum bist' dann eigent­lich rein­ge­gangen? Und warum bist du in die ganzen anderen Filme nicht rein­ge­gangen, die eigent­lich so ein bißchen sind wie deine eigenen Filme? Und dann gucken die dich meistens so ganz entsetzt an, weil sie sich ertappt fühlen. Da ist doch was dran, oder?