18.04.1996

Die guten, alten Horrorfilmzeiten

Menschen am Sonntag
Menschen am Sonntag von Curd Siodmak
(Foto: Murnau-Stiftung · Filmmuseum München)

Curd Siodmak zu Gast im Filmmuseum

Von Stefan Fleckenstein

Curt Siodmak ist der jüngere Bruder des 1973 verstor­benen Regis­seurs Robert Siodmak. 1902 in Dresden geboren, studierte er in seiner Heimat­stadt sowie in Berlin, Stuttgart und Zürich Mathe­matik, Physik und Inge­nieur­wesen. 1933 muß er vor den Nazis fliehen. Sein Weg führte ihn über Frank­reich nach England und schließ­lich in die USA nach Hollywood, wo er seit 1937 lebt.

Romane und Dreh­bücher schrieb er jedoch nicht erst in der ameri­ka­ni­schen Film­me­tro­pole. Der Sience-fiktion-Roman F.P. 1 antwortet nicht entstand in Berlin. So auch das Drehbuch zum gleich­na­migen Film mit Hans Albers und Peter Lorre aus dem Jahre 1932. Vorher entstanden die Dreh­bücher zu Filmen wie Menschen am Sonntag (gemeinsam mit Billie Wilder), 1929, Der Kampf mit dem Drachen (1931), Der Mann, der seinen Mörder sucht 1931, bei denen sein Bruder die Regie führte.

Nachdem er 1939 für Joe May (auch ein deutscher Emigrant) das Drehbuch zu The Invisible Man Returns geschrieben hatte, wurde er Hausautor der Universal in Hollywood. Inter­na­tional bekannt wurde er mit seinem Roman Donovan’s Brain (1942), der in zehn Sprachen übersetzt und bis 1962 viermal verfilmt wurde.

Cornelius Schnauber über den Autor: »Was an Curt Siodmaks Geschichten faszi­niert, ist einer­seits die Vorweg­nahme später einge­tre­tener tech­ni­scher oder mili­täri­scher Entwick­lungen, sind ande­rer­seits Figuren oder Geschichten (besonders in seinen Horror­filmen oder -romanen), die zu Typi­sie­rung des Horrors und der Ängste werden konnten und deshalb nicht nur von Millionen Menschen in aller Welt gelesen oder auf der Leinwand konsu­miert werden, sondern auch in filmi­schen Nach­ah­mungen weiter­leben«.

Curt Siodmak, der seit 1943 ameri­ka­ni­scher Staats­bürger ist, schrieb Dreh­bücher für rund 70 Filme.

Die Erschei­nung seiner Memoiren Unter Wolfs­men­schen nimmt das Film­mu­seum zum Anlaß den nun 94 jährigen mit 17 dieser Filme zu ehren.

Wer Siodmak persön­lich erleben will, hat am 21./22.04.96 dazu die Chance.

Die 17 Filme der Curt Siodmak-Reihe sind nach den Produk­ti­ons­jahren geordnet. Die Vorfüh­rungs­ter­mine sind in Klammern angegeben. Da sich das Film­mu­seum Ände­rungen vorbehält, beachten sie bitte die Tages­presse.

Menschen am Sonntag

D 1929 – R: Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer · B: Curt Siodmak, Billie Wilder · K: Eugen Schüfftan · mit Brigitte Borchert, Christl Ehlers, Erwin Splett­stößer, Annie Schreyer.
Der Sonntag vier junger Berliner aus klein­bür­ger­li­chem Milieu bildet den Faden des Films. »Das Geschehen hält sich streng im Rahmen des statis­tisch Wahr­schein­li­chen [...]. [...] Die Szene zwischen den beiden Paaren stellen die Entlee­rung der eroti­schen Bezie­hungen treffend bloß, und eine isolierte Sequenz schildert satirisch den Besuch eines Provinz­lers, der in der menschn­leeren Haupt­stadt den Denk­mä­lern vergan­gener histo­ri­scher Größe begegnet und sich mit ihnen iden­ti­fi­ziert« (U. Gregor, E. Patalas, Geschichte des Films 1895-1939). [21.04.96]

Der Schuß im Tonfilm­ate­lier

D 1930 – R:Alfred Zeisler · B: Egon Eis, Rudolf Katscher, C. Siodmak (nach Siodmaks gleich­na­migen Roman) · K: Werner Brandes · mit Gerda Maurus, Harry Frank, Paul Kemp.
Einer der wenigen deutschen Filme, die das Filme­ma­chen thema­ti­sieren [9./11.04.96].

F.P. 1 antwortet nicht

D 1932 – R: Karl Hartl · B: Walter Reisch, C. Siodmak (nach dem gleich­na­migen Roman von Siodmak) · K: Günther Rittau, Konstantin Irmen-Tschet, Otto Baecker · M: Allan Gray · mit Hans Albers, Sybille Schmitz, Paul Hartmann, Peter Lorre.
»1931 schreib ich den Roman F.P.1 antwortet nicht, die Geschichte von einer Plattform auf hoher See, auf der Trans­at­lantik-Flugzeuge aufge­tankt werden. Das war der Prototyp des modernen Flug­zeug­trä­gers. Ich hatte sogar Radar darauf – zehn Jahre vor dessen Erfindung« (C. Siodmak). [16./ 18.04.]

Black Friday

USA 1939 – R: Arthur Lubin · B: C. Siodmak, Eric Taylor · K: Elwood Bredell · M: Hans J. Salter · mit Boris Karloff, Bela Ligosi, Stanley Ridges · OF
Frühe, filmische Variante des Roman­stoffes von Donovan’s Brain in der ein Chirurg seinem schwer verletzten Freund das Gehirn eines Gangsters einsetzt. [10./12.04.94]

The Ape

USA 1940 – R: William Nigh · B: C. Siodmak, Richard Carroll (nach einem Stück von Adam Hull Shirk) · K: Harry Neumann · M: Edward Kay · mit Boris Karloff, Maris Wrixon, Gertrude Hoffmann, Henry Hall · OF
Hier schlüpft Boris Karloff in die Rolle des Dr. Adrian, der als Affe verkleidet, für seine Expe­ri­mente jagt auf Menschen macht. [10./12.04.96]

The Wolf Man

USA 1941 – R: George Waggner · B: C. Siodmak · K: Joseph Valentine · M: Charles Previn · mit Claude Rains, Lon Chaney Jr., Evelyn Ankers, Ralph Bellamy, Bela Lugosi · OF

Fran­ken­stein Meets the Wolf Man

USA 1943 – R: Roy William Neill · B: C. Siodmak · K: George Robinson · mit Lon Chaney Jr., Ilona Massey, Patric Knowles, Lionel Atwill, Bela Lugosi · OF
C. Siodmak zu diesen Filmen: »Einmal kam mein Produzent bei der Universal zu mir: Siodmak, wir haben einen Titel – THE WOLF MAN. Lon Chaney Jr. wird die Rolle spielen. Dreh­be­ginn ist in zwei Monaten. Auf Wieder­sehen! Und da sie keine Zeit hatten und auch kein Geld, konnten sie das Manuskript, das ich ihnen lieferte, nicht kaputt­ma­chen. Die inter­es­sante Idee bei Fran­ken­stein Meets the Wolf Man: Der Wolfmann will sterben, weil er nicht weiter morden will. Und er trifft das Fran­ken­stein-Monster, und das Monster will leben«. Was kann man da noch hinzu­fühgen? Für die Bela Lugosi-Fans noch eine Möglich­keit ihrem Star im April auf der Leinwand zu begegnen. [16.18.04.96]

Son of Dracula

USA 1943 – R: Robert Siodmak · B: Eric Taylor (Story von C. Siodmak) · K: George Robinson · mit Lon Chaney Jr., Robert Paige, Louise Allb­ritton, Evelyn Ankers · OF
»... gilt als einer der atmo­sphärisch dich­testen Horror­filme der Universal« (Kino­ma­gazin Film­mu­seum) [17./19.04.96]

I Walked with a Zombie

USA 1943 – R: Jacques Tourneur · B: C. Siodmak, Ardel Wray (Story von Inez Wallace) · K: J. Roy Hunt · M: Roy Webb · mit James Ellison, Frances Dee, Tom Conway · OF
Verspricht Gänsehaut ohne grobe Effekt. [17./19.04.96]

The Lady and the Monster

USA 1944 – R: George Sherman · B: Dane Lussier, Friedrich Kohner (erste Verfil­mung von C. Siodmaks Roman Donovan’s Brain) · K: John Alton · M: Walter Scharf · mit Erich von Strocheim, Vera H. Ralston, Richard Arlen · OF
Das Gehirn eines verstor­benen Finanz­haies wird Teil eines wiss­an­schaft­li­chen Expe­ri­ments. Die Frage ist: wer ist das Monster, das Gehirn oder der Wissen­schaftler? [9./11.04.96]

The Beast With Five Fingers

USA 1946 – R: Robert Florey · B: C. Siodmak · K: Wesley Anderson · M: Max Steiner · mit Robert Alda, Andrea King, Peter Lorre, J. Carrol Naish, Victor Francen · OF
In einer italie­ni­schen Villa,im Jahre 1900, trifft der Zuschauer auf einen Pianisten, besser gesagt, auf dessen Hand, die, ganz anders als er, noch recht lebendig ist. [17./19.04.96]

The Magnetic Monster

USA 1953 – R: C. Siodmak · B: Siodmak, Ivan Tors · K: Charles Van Enger · M: Blaine Sanford · mit Richard Carlson, King Donovan, Jean Byron, Harry Ellerbe, Leo Britt · OF
Angeblich Siodmaks bester Film als Regisseur. Eine Klein­stadt wird von einem radio­ak­tiven Isotop, das Energie in Materie umwandelt und sich alle zwölf Stunden verdop­pelt, bedroht. [22./24.04.96]

Donovan’s Brain

USA 1953 – R: Felix Feist · B: Feist · K: Joseph Biroc · M: Eddie Dunstedter · mit Lew Ayres, Gene Evans, Nancy Davis, Steve Brodie, Lisa K. Howard · OF Z
weite und beste Verfil­mung des Siodmak-Romans. [22./24.04.96]

Eine weitere Donovan’s Brain-Verfil­mung, The Brain ist in der Peter van Eyck – Reihe im Werk­stadt­kino zu sehen. [23./25.04 um 20.30 Uhr und am 19./24.04 um 22.45 Uhr]

Riders to the Stars

USA 1954 – R: Richard Carlson · B: C. Siodmak · K: Stanley Cortez · M: Harry Sukman · mit William Lundigan, Herbert Marshall, Richard Carlson, Martha Hyer, Dawn Addams · OF
Wer noch immer nicht weiß, was Meteore unemp­find­lich gegen kosmische Strahlen macht, sollte diesen Film nicht verpassen. [10./12.04.96]

Creature with the Atom Brain

USA 1955 – R: Edward L. Cahn · B: C. Siodmak · K: Fred Jackman · mit Richard Denning, Angela Stevens, S. John Launer, Michael Granger, Gregory Gay · OF
B-Film um einen Wissen­schaftler, der Leichen mit Radio­ak­ti­vität zum Leben erweckt und zu willen­losen Werk­zeugen macht. [22./24.04.96]

Das Feuer­schiff

BRD 1962 – R: Ladislao Vajda · B: C. Siodmak (nach einer Erzählung von Siegfried Lenz) · K: Heinz Pehlke · M: Peter Sandloff · mit James Robertson Justice, Michael Hinz, Dieter Borsche, Werner Peters, Pinkas Braun.
Bankräuber versuchen nach Dänemark zu entkommen und zwingen den Kapitän eines Feuer­schiffes ihnen bei der Fluch zu helfen. Diese letzte Arbeit von Siodmak als Dreh­buch­autor wurde mit einem Bundes­film­preis ausge­zeichnet. [23./25.04.96]

Hauser’s Memory

USA 1971 – R: Boris Sagal · B: Adrian Spies (nach dem Roman von C. Siodmak) · K: Patrus Schloemp · M: Bill Byers · mit David McCallum, Susan Strasberg, Helmut Käutner, Lilli Palmer, Robert Webber, Leslie Nielsen · OF
Kalter-Krieg-Thriller um einen Wissen­schaftler, der sich im Auftrag der CIA die Gehirn­flüs­sig­keit eines ster­benden Geheim­nis­trä­gers inji­zieren läßt und bald ein Doppel­leben führt. »Hirn­rin­diger« Wahnsinn. [23./25.04.96]