03.09.2020
77. Filmfestspiele Venedig

Venedig On Speed 01: NIGHT IN PARADISE

NIGHT IN PARADISE
NIGHT IN PARADISE von Park-Hoon-jung
(Foto: BIENNALE CINEMA 2020 Press Service)

Simul­ta­nis­ti­sche Film­kritik: NIGHT IN PARADISE von Park-Hoon-jung

Von Rüdiger Suchsland

Ein sehr schöner, extrem harter Gangs­ter­film. Erstmal sieht man das, wovon man glaubt, dass man es schon hundertmal aus Korea gesehen hat: Koreaner in Anzügen dreschen aufein­ander ein, als gäbe es kein Morgen. Und für viele von ihnen gibt es das auch nicht. Das machen sie gerne auch mit langen Messern, weniger gern mit Faust­feu­er­waffen, aber zur Not tun es diese auch.

Night in Paradise erzählt von zwei Todge­weihten, einem jungen Mann, der als Killer in einem Banden­krieg unter­tau­chen muss und auf einer russi­schen Insel geparkt wird, und einem jungen Mädchen, das schießen kann wie ein Gangster, weil ihre Familie von der Mafia ermordet wurde. Die beiden müssen sich erst besser kennen­lernen. Dann verbringen sie einen sehr schönen Nach­mittag, an dem sie die Zeit anhalten, trinken Soju und essen rohe Fisch­suppe. Dann kommt, was kommen muss.

Davor sieht man harte Menschen beim Essen brüchige Verträge knüpfen, eine Styro­por­kiste voller abge­schnit­tener Finger, Tatort-Reinigung mit Feuerzeug und Benzin­ka­nis­tern – am Ende geht es in dieser Todes-Sinfonie auch um Rache: Das Mädchen rächt den Tod dessen, den sie kaum kannte, dann geht sie zum Meer und schießt sich in den Kopf. Bis zum Letzten zeigt der Film in schönen Bildern schöne Orte und ist sehr konse­quent – und über wieviele Filme kann man das schon sagen?

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