16.02.2019
Berlinale 2019

„Easy“ ist am Schwersten

easy love
Wie ein Werbespot für ein kostenloses Girokonto

Tamer Jandalis Debüt „easy love“ in der Perspek­tive Deutsches Kino

Von Sedat Aslan

Köln im Jahre 2019: 7 junge, schöne Menschen, 4 Episoden, 88 Minuten. Laien, die eine fiktio­na­li­sierte Version ihrer selbst geben, thema­tisch zusam­men­ge­halten durch Konflikt­punkte im Span­nungs­ver­hältnis zwischen Liebe und Sex.

Das klingt nach einem span­nenden und sehens­werten Expe­ri­ment, das sich, losgelöst von einer allge­gen­wär­tigen Kontrolle der Regie, auf ungeahnte Wege begeben könnte. Tatsäch­lich hat „easy love“, das Debüt von Tamer Jandali und der dies­jäh­rige Eröff­nungs­film der Perspek­tive Deutsches Kino, auch unbe­streit­bare Vorzüge, die in seiner Machart begründet liegen: Das Spiel hat eine völlig unprä­ten­tiöse Qualität, die einen bisweilen glauben macht, unver­stellten Einblick in die Seelen­welt einer hedo­nis­tisch veran­lagten Gene­ra­tion um die 30 zu erhalten – auch wenn man es natürlich besser weiß. Schön auch, dass der Film trotz sicher­lich vieler vorhan­dener Möglich­keiten recht kompakt gehalten und straff erzählt ist und daher nicht langweilt, ein beson­deres Lob sei daher an den Schnitt gerichtet.

Dennoch scheitert „easy love“, denn Tamer Jandali versucht das Unmög­liche: Sowohl nur zeigen als auch erzählen zu wollen. Er stellt das Fiktio­nale gleich­be­rech­tigt neben das Doku­men­ta­ri­sche, möchte simpel und komplex, subtil und emotional sein, lehnt eine filmische Mani­pu­la­tion im Ansatz ab, bedient sich dieser aber dann doch ausgiebig.
So unge­kün­s­telt und impro­vi­siert die vier verschie­denen Hand­lungs­stränge, die eigent­lich in sich abge­schlos­sene Kurzfilme sind, auch wirken mögen, so sehr bedürfen sie dann doch eines narra­tiven Gerüstes, das noch nicht einmal besonders elabo­riert ist. Zum Beispiel geht es in einer der Geschichten um einen Womanizer, der bei seiner letzten Eroberung die unge­wohnte Erfahrung macht, dass er mehr von ihr möchte, als sie von ihm. Ähnlich verhält es sich mit der Geschichte einer offenen Beziehung, mit der sich die Frau doch nicht so wohl fühlt, wie behauptet. Wo anderswo diese Geschichten gerade erst richtig beginnen würden (u. a. inter­es­sant zu werden), bilden diese Momente hier schon den Abschluss. Danach ist man auch nicht viel schlauer als vorher, sind das doch Allge­mein­schau­plätze. Auch eine tiefere emotio­nale Wahrheit mag sich nicht einstellen. Mit dem beson­deren Format des Episo­den­films hat das übrigens nichts zu tun.

Ebenso bedau­er­lich ist es, dass sich die Wider­sprüche bei der Machart des Films auch in der Ästhetik wieder­finden. Statt neuer, frischer Bilder sieht man zum x-ten Mal ausge­lebte Promis­kuität, Urban Artists, Raves im Freien. Köln steht hier stell­ver­tre­tend für ein im deutschen Jung-Film bis zur Belie­big­keit re-repro­du­ziertes Hipster-Berlin. Die Bilder können nicht verleugnen, dass sie durch­ge­stylt und selbst­ver­liebt sind wie in einem Werbespot für ein kosten­loses Girokonto, auch wenn sie wie flüchtige, sinnliche Beob­ach­tungen erscheinen wollen.

Man kann die Wirk­lich­keit eben nicht durch­stylen, wie es „easy love“ von hinten bis vorne versucht. Man kann auch nicht erwarten, dass sieben junge Leute, deren (Leinwand-)Leben sich in erster Linie nur um Sex und ein diffuses Bild von Liebe dreht, irgend­eine profunde Aussage tätigen, die beim Zuschauer hängen­bleibt. Am Ende geht man ebenso unbe­frie­digt aus dem Film wie dessen Figuren. Niemand hat behauptet, das Simple wäre einfach.

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