Wood – der geraubte Wald

Deutschland/Ö/RO 2020 · 96 min. · FSK: -
Regie: Michaela Kirst, Monica Lazurean-Gorgan, Ebba Sinzinger
Drehbuch: , ,
Die Holzmafia ist unerbittlich...
(Foto: 36. DOK.fest@home)

Auf dem Holzweg

Der engagierte Dokumentarfilm macht die Dringlichkeit klar, mit der zu handeln ist, wenn wir unsere Umwelt retten wollen.

Satt und grün liegt er da, der perua­ni­sche Amazonas. Vom Wasser aus ziehen die hohen Bäume vorbei. Dann unter­bricht das Geräusch von Ketten­sägen jäh das fröhliche Gezwit­scher. Vögel flattern alarmiert auf. Die jahre­lange illegale Rodung des Regen­walds ist kein Geheimnis. Doch dieser ist weit weg. Dass das Ganze auch vor der eigenen Haustür passiert, mag zunächst erstaunen. Es zeigt aber umso mehr, dass die Zerstö­rung unserer Umwelt uns alle etwas angeht. Und dass wir nicht zögern dürfen, unan­ge­nehme Fragen zu stellen.

In Wood – der geraubte Wald folgt das Regis­seu­rin­nen­team aus Michaela Kirst, Monica Lăzurean-Gorgan und Ebba Sinzinger dem Umwelt­er­mittler Alexander von Bismarck von Peru über Sibirien und Nordchina bis nach Bukarest, Rumänien. Dort wird massiv illegaler Raubbau in Natur­parks betrieben, obwohl ganze zwei Drittel der noch vorhan­denen Urwälder Europas in Rumänien liegen. Es ist nicht das erste Mal, dass Kirst sich dem Thema widmet. Im Jahr 2012 erschien ihr Film Tatort Regenwald – Under­cover gegen die Holzmafia, in dem sie ebenfalls von Bismarcks Arbeit beglei­tete. Der ehemalige US-Marine ist der Kopf der Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­tion Envi­ron­mental Inves­ti­ga­tion Agency (EIA) und leitet die verdeckten Ermitt­lungen. Mit versteckter Kamera, Aufnah­me­gerät und gefärbten Haaren schlüpft er in die Rolle eines poten­zi­ellen Holz­käu­fers.

Ins Visier der Ermitt­lungen gerät die millio­nen­schwere öster­rei­chi­sche Firma Schweig­hofer, der vierzig Prozent des rumä­ni­schen Waldes gehören. Und sie ist bei weitem nicht die einzige Firma mit Dreck am Stecken. Mehr als fünfzig Prozent des rumä­ni­schen Waldes werde illegal gerodet, beschreibt von Bismarck, während Droh­nen­auf­nahmen riesige, kahl geschla­gene Flächen im sonst so reichen Wald zeigen. Wie in einem Thriller folgt von Bismarck den Spuren, die illegale Holz­fäller hinter­lassen, trackt LKWs und foto­gra­fiert Tatorte. Eine Jagd immer den Daten nach. Seine Strategie: gleich­zeitig Druck von oben und von unten aufbauen. Er und sein Team übergeben das Beweis­ma­te­rial an Presse und Behörden und orga­ni­sieren gleich­zeitig ein Treffen mit der rumä­ni­schen Minis­terin für Wasser- und Forst­wirt­schaft, Adriana Doina-Pană, und dem rumä­ni­schen Parlament. Dann ein nerven­auf­rei­bendes Meeting mit Schweig­hofer-Chef Karl Schmid. Dafür mimt von Bismarck den CEO einer ameri­ka­ni­schen Firma, die Holz verkauft – als falsche Persön­lich­keit. Voll­treffer. Die wackelige versteckte Kamera fängt genau das ein, was sich die Umwelt­ak­ti­visten erhoffen: Schmid bietet sogar einen Bonus für illegales Holz.

Dass der Akti­vismus nicht ganz unge­fähr­lich ist, wird spätes­tens klar, als ein Team­mit­glied von der Security eines Holz­um­schlag­platzes ange­griffen wird. Die Angst, entdeckt zu werden, springt unwei­ger­lich über, denn die Holzmafia ist uner­bitt­lich. Die Minis­terin Doina-Pană erleidet im März 2018 eine Queck­sil­ber­ver­gif­tung. Sie hatte vier Jahre zuvor den Forst-Radar einge­führt, der illegale Abholzung trackte. Weltweit werden Umwelt­ak­ti­visten ermordet.

Für von Bismarck ist klar: Die Schuld liegt bei großen Firmen wie Schweig­hofer, während die Verlierer immer die Umwelt und die lokale Bevöl­ke­rung sind. Der moralisch erhobene Zeige­finger bleibt aus, die Verant­wor­tung wird nicht auf die Konsu­menten abgewälzt. Dennoch macht der Film die Dring­lich­keit klar, mit der zu handeln ist, wenn wir unsere Umwelt retten wollen. Ein kleiner Licht­blick könnte eine App sein, die den Verbrau­chern helfen soll, nach­zu­ver­folgen, woher das Holz des nächsten IKEA-Regals wirklich stammt.