Die Stimme von Hind Rajab

Sawt Hind Rajab

TN/F/USA/GB/I/Saudi-Arabien 2025 · 89 min. · FSK: ab 12
Regie: Kaouther Ben Hania
Drehbuch:
Kamera: Juan Sarmiento G.
Darsteller: Saja Kilani, Motaz Malhees, Clara Khoury, Amer Hlehel u.a.
Die Stimme von Hind Rajab
Die »Guten« unter sich...
(Foto: Studiocanal)

Darf Moral Kunst ersetzen?

Kaouther Ben Hanias Film vermischt Fiktion und Dokumentation bis zur Unkenntlichkeit

Dieser Film ist naiv, er ist propa­gan­dis­tisch und er ist vor allem wahn­sinnig obszön.

Schon klar: Bei den Arabern im Land­strich Palästina kennen sich alle aus und alle wissen, wer hier die Guten und wer die Bösen sind in diesem euphe­mis­tisch »Nahost­kon­flikt« genannten inter­na­tio­nalen Propa­ganda-Krieg zwischen den arabi­schen Staaten und ihren Partei­gän­gern einer­seits und Israel und den Juden ande­rer­seits. Auch Film­kri­tiker. Sie schreiben dann, dass die Israelis Araber »ermordet« hätten und über­nehmen nicht nur hier ungeprüft Narrative der arabi­schen Propa­ganda. Nur wenige besonnene Stimmen wie Sabine Horst und Georg Seeßlen bei epd und Michael Kienzl im Film­dienst gleichen diese dumme Einsei­tig­keit in Deutsch­land zumindest ein bisschen aus.
Sie haben zumindest in Frage gestellt, wie die tune­si­sche Regis­seurin Kaouther Ben Hania in ihrem offen­sicht­lich von den Golf­staaten mitfi­nan­zierten und der Hamas unter­s­tützten Film Die Stimme von Hind Rajab Fiktion und Doku­men­ta­tion bis zur Unkennt­lich­keit vermischt. Sie fragen sich, ob Moral Kunst ersetzen kann, ob Gewiss­heit Fragen dispen­sieren kann, und ob es eigent­lich, gerade wenn man so viel und gern von Moral redet, statthaft ist, die letzten Lebens­stunden eines kleinen Mädchens für einen fiktio­nalen Film auszu­beuten, diese Lebens­stunden auch noch tenden­ziös auf 70 Minuten herun­ter­zu­stutzen, anstatt wenn es schon sein muss, dieser Stimme und ihrer Kraft zu vertrauen.

Das ist obszön. Ebenso die Tatsache, dass das paläs­ti­nen­si­sche Mädchen, das mögli­cher­weise von israe­li­schen Streit­kräften getötet wurde, den Hamas-Terror­an­griff auf Israel und die Pogrome am 7. Oktober 2023 als Auslöser des Krieges nicht einmal am Rande thema­ti­siert.

Dieser Film macht das Gleiche wie die Hamas, die sich hinter Kindern und unter Kran­ken­häu­sern versteckt und diese als Schutz­schilde für ihren Terror benutzt.

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Die größte Stärke und eigent­liche Daseins­be­rech­ti­gung des Films ist die Verwen­dung der realen Stimme des sechs­jäh­rigen Mädchens, das am 29. Januar 2024 an einer Tank­stelle in Gaza getötet wurde. Hind war drei lange Stunden in einem Auto einge­schlossen, das von 355 Kugeln getroffen worden war, und überlebte dort neben vier getöteten Verwandten. Über Tele­fon­an­rufe des Roten Halbmonds – dem Pendant zum Roten Kreuz in isla­mi­schen Ländern – erreichte man sie; sie flehte um Rettung, der Rote Halbmond schickte Hilfe, zugleich aber machten die Helfer Selfies inmitten der Notsi­tua­tion – im Auftrag der Terro­risten, die die Chance erkannten, den Fall propa­gan­dis­tisch zu verwerten.
Im Besitz der Aufnahmen und der Tapes dieser Tele­fo­nate insze­nierte die smarte tune­si­sche Regis­seurin nur die Seite der Gespräche, die das Team des Roten Halbmonds in Ramallah betrifft. Die Büro­kratie dieser Koor­di­na­tion, zusammen mit dem Angriff auf den Kran­ken­wagen selbst, besie­gelte das Grauen der Tragödie.

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Dies ist ein Film über Israel, ohne dass auch nur ein Israeli zu sehen wäre. Es wird nur über »sie« und »die« gespro­chen.

Die Stimme von Hind Rajab ist ein Machwerk voller perfide verbrämtem Anti­se­mi­tismus. Es wurde von Brad Pitt und Joaquim Phoenix mit produ­ziert, und verrät in seiner Kombi­na­tion aus selek­tiver Empörung, unpo­li­ti­scher Gefühls­du­selei und Mora­lismus mehr über die geistige Lage der Cham­pa­gner-Linken in Hollywood als über den Nahost­kon­flikt.

Ich muss hier am Ende persön­lich und unsach­lich werden: Dieser Film nervt mich, er empört mich, er kotzt mich an. Das alles ersetzt natürlich kein Argument.

Kein Film, dem ich weniger Zuschauer wünsche als diesem.