| China/F/USA 2025 · 159 min. · FSK: ab 16 Regie: Bi Gan Drehbuch: Bi Gan Kamera: Dong Jinsong Darsteller: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue u.a. |
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| In den grünen Apfel beißen… | ||
| (Foto: Plaion) | ||
»In diesen Tagen darf sich niemand auf das versteifen, was er kann. In der Improvisation liegt die Stärke. Alle entscheidenden Schläge werden mit der linken Hand geführt werden.«
– Walter Benjamin Einbahnstraße Seite 16
»Resurrection« vom Chinesen Bi Gan, dessen »Long Day’s Journey Into Night« von 2018 eines der großen unbekannten Kino-Meisterwerke der letzten Jahre war, ist ein rätselhafter, schwieriger und unglaublich schöner Film.
Es handelt sich um eine weitere hypnotische Traumreise, die die Zuschauer in Trance versetzt. »Resurrection« ist eine Geschichte, die in fünf stilistisch streng getrennten und doch inhaltlich zusammenhängenden Teilen erzählt wird; der letzte allerbeste Teil spielt an Silvester 1999/2000 und ist eine romantische Vampirgeschichte. Die erste Episode verschmilzt Méliès mit Murnau und den Lumières... Es folgt dann jeweils der Film Noir, der Neorealismus, das Kino der »Fünften Generation«. Am Ende Wong Kar-wai.
Alles sieht wunderschön aus, ist sinnlich, spielt mit den Mitteln und Formen des Kinos im 20.Jahrhundert und ist insofern auch ganz einfach eine Hommage an den Kinofilm an sich. Aber gleichzeitig ergibt die Rahmenerzählung als geschlossene Erzählung auch keinen richtigen Sinn. Es sind Kinokurzgeschichten, aufgeladen mit Bezügen und Verweisen, Fragmente einer Universalpoesie des Kinos, Kinoromantik. Jedenfalls habe ich die Handlung, wenn es eine durchgängige gibt, nicht verstanden. Aber dies ist ein Film, über den das Nachdenken und die innere Arbeit lohnen – im Zweifelsfall wirkt er dann nachvollziehbarer und ist zugleich selbst eine Kritik am begradigten Mainstream.
Im Ganzen entfaltet sich ein traumhafter, fantasievoller Trip durch das Kino und seine Selbstreflexion voller naiver Begeisterung und melancholischem Abgesang für das Medium, der das filmische Imaginäre des 20. Jahrhunderts bewusst feiert und zu neuem Leben erwecken will. Gleichzeitig ist dies auch eine Reise ins 20. Jahrhundert Chinas. Eine dystopische Fabel, die visuell spektakulär ist, voll elektrisierender ästhetischer Kraft und politisch virtuos und kühn, auch in ihrer Lust am visuellen Exzess und an amoralischer Handlung, am Barocken: Pathos und Melancholie feiern Hochzeit.
Eine wagemutige, unkonventionelle und ambitionierte Filmkomposition, die allein schon durch ihre Anregungen ausreichen würde, um ein ganzes Festival zu rechtfertigen.