Horst Schlämmer sucht das Glück

Deutschland 2026 · 93 min. · FSK: ab 6
Regie: Sven Unterwaldt jr.
Drehbuch:
Kamera: Stephan Schuh
Darsteller: Hape Kerkeling, Tahnee Schaffarczyk, Laura Thomas, Meltem Kaptan, Kerstin Thielemann u.a.
Horst Schlämmer sucht das Glück
Die eigene Bedeutungslosigkeit im Zeitalter des Dauerwitzes...
(Foto: Leonine)

Glück im Sonderangebot und keiner kauft’s

In Sven Unterwaldts Comeback-Vehikel für Hape Kerkelings Horst Schlämmer zerfällt die einst subversive Kunstfigur zur müden Selbstparodie und mündet in eine Mockumentary, die nicht entlarvt, sondern auf allen Ebenen kapituliert

Es gibt Filme, bei denen man sich fragt, warum sie überhaupt exis­tieren. Und es gibt Filme wie Horst Schlämmer sucht das Glück, bei denen man sich fragt, ob Existenz an sich viel­leicht schon ein Fehler im System sein könnte. Dass diese Rückkehr einer Figur, die einmal als subver­sive Zumutung gegen die Selbst­zu­frie­den­heit deutscher Medi­en­kultur gedacht war, nun selbst zur Selbst­ka­ri­katur ihrer eigenen Erschöp­fung wird, ist dabei noch das Mildeste, was man sagen kann.

Hape Kerkeling kehrt also zurück als Horst Schlämmer, dieser bereits 2009 in einem ersten Langfilm – Horst Schlämmer – Isch kandi­diere! – geschei­terten Figur, der aber, das muss zuge­standen werden, immerhin im TV-Kurz­format seit dem Jahr 2005 präzise gesetzte Stachel in Fleisch der Republik gelangen, weil er mit schiefem Gebiss und noch schie­ferem Blick den blöden Betrieb der Republik bloßlegte. Und der nun selbst wie ein fossi­lierter Gag dasteht, der nicht gemerkt hat, dass die Pointe längst verdampft ist. Das Gebiss, einst ein geniales Detail, wirkt jetzt wie eine grotesk miss­ra­tene Persi­flage auf Marlon Brandos Pate im Alters­heim der Ideen­lo­sig­keit.

Der Film behauptet fast schon trotzig, eine Mocku­men­tary zu sein, und das ist viel­leicht der größte und beste Witz des ganzen Projekts. Denn was hier als doku­men­ta­ri­sches Spiel mit Realität und Fiktion verkauft wird, ist nicht mehr als eine Anein­an­der­rei­hung von White-Trash-Ulk, der sich selbst permanent kommen­tiert, als hätte man Angst, das Publikum könnte auch nur eine Sekunde eigen­s­tändig denken. Diese Metaebene – Figuren reden über den Film, der gerade entsteht – ist nicht clever, sondern wirkt wie ein verzwei­felter Versuch, aus drama­tur­gi­schem Vakuum Bedeutung zu pressen.

Und dann diese Tour d’Allemagne, die eher eine Tour d’Absurdité ist: Lachyoga mit Kamera, Wellness-Gesäusel, Provinz als Dauer­zu­stand. Schlämmer reist durch Deutsch­land, sucht, fragt nach Glück – und findet nichts, außer die erschre­ckende Erkenntnis, dass Still­stand offenbar auch als Bewegung insze­niert werden kann. Wenn er in Berlin Menschen nach dem Glück befragt, denkt man unwei­ger­lich an Drei Versuche der Goji­fi­zie­rung von Michaela Kobsa-Mark, der mit weniger Minuten so viel mehr Erkenntnis und klugen Witz generiert als dieser Film in seiner gesamten, schmerz­haft zerfa­serten Laufzeit.

Und die Witze, das eigent­liche Rohma­te­rial? Nun ja. Wenn der Höhepunkt ein Bahn-Dialog mit einer Schaff­nerin ist, der klingt wie aus der Reste­kiste eines Karne­vals­ver­eins (»Meine Lok hat noch Dampf, ich komme immer pünktlich, manchmal auch zu früh«), dann ist das kein Tiefpunkt mehr, sondern bereits geolo­gi­sches Sediment. Selbst ein Joint wird hier nicht zur Gren­zü­ber­schrei­tung, sondern zum Beweis, dass auch vermeint­liche Tabu­brüche in Deutsch­land zuver­lässig in gepflegter Harm­lo­sig­keit ersticken.

Besonders uner­träg­lich beknackt ist die Inte­gra­tion realer Figuren wie Markus Söder oder Rainer Maria Woelki, die sich durch hohlste Fragen hindurch­la­vieren müssen wie Statisten in einem Sketch, der längst vergessen hat, warum er überhaupt existiert. Was einst bei Inster­burg & Co. als kluge Polit­blö­delei begann und blendend funk­tio­nierte, verkommt hier zur schalen Pflich­tü­bung.

Zwischen­durch blitzt tatsäch­lich so etwas wie Leben auf, wenn der die Gabi-Wampel-Kurzfilme, einge­streute Minia­turen, in denen Kerkeling noch einmal seine alte Wand­lungs­fähig­keit zeigt, Doppel­rollen spielt, absurde Figuren entwirft. Für Sekunden ahnt man, was dieser Film hätte sein können – bevor er sich wieder in seinem eigenen Leerlauf verliert.

Auch der Besuch der eigenen Lesung in Hamburg, das Buch „Glück­lich­keit kennt keine Grenzen“, das hier vorge­stellt wird – all das wirkt weniger wie Selbst­ironie als wie ein Marketing-Gag, der vergessen hat, sich als solcher zu tarnen und natürlich auch nur eine müde Anspie­lung auf die alte Hape-Nummer Witzisch­keit kennt keine Grenzen ist. Die Mocku­men­tary kippt hier endgültig ins Selbst­re­fe­ren­zi­elle, das nicht mehr reflek­tiert, sondern nur noch repro­du­ziert.

Und über allem schwebt dann auch noch die Hand­schrift von Sven Unter­waldt, einem Regisseur, der schon mit Die Schule der magischen Tiere 3 bewiesen hat, dass filmische Schmerz­grenzen nicht exis­tieren, sondern immer noch ein Stück weiter verschoben werden können. Hier gelingt ihm das Kunst­stück, einen Film zu insze­nieren, der gleich­zeitig zu viel und zu wenig ist.

Am Ende bleibt eine Leer­stelle, die sich nicht einmal mehr als Provo­ka­tion lesen lässt. „Horst Schlämmer sucht das Glück“, was er aber statt­dessen findet, ist die eigene Bedeu­tungs­lo­sig­keit im Zeitalter des Dauer­witzes. Man sitzt am Ende einfach nur fassungslos da, nach dieser Reise in die Untiefen des deutschen Films, und fragt sich, nicht ohne eine gewisse exis­ten­zi­elle Kälte: Will man mit Menschen, die darüber lachen, ja, die so etwas produ­zieren, wirklich noch im selben Land leben?