Home Entertainment

Deutschland 2025 · 84 min. · FSK: ab 12
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch:
Kamera: Alexander Sass
Darsteller: Nadine Dubois, Joseph Bundschuh, Karoline Teska, Anna Brüggemann, Valentin Stilu u.a.
Home Entertainment
Gemeinsam einsam...
(Foto: Zorro Film)

Abend ohne Eigenschaften

Dietrich Brüggemanns Kammerspiel seziert mit trockenem Witz und präziser Grausamkeit eine Gegenwart, in der selbst Intimität nur noch eine Option unter vielen ist – und jede Entscheidung in Unzufriedenheit endet. Ein Pro und Contra.

Pro:
Belie­big­keit des Lebens. Auf dem Filmfest München 2025 in der Reihe Neues Deutsches Kino urauf­ge­führt, handelt Dietrich Brüg­ge­manns kluges, bewusst ohne Budget und nahezu volls­tändig auf einem einzigen großen beigen Sofa gedrehtes Kammer­spiel an der Ober­fläche vom vermurksten Abend eines Paares, das sich auf der Suche nach Beschäf­ti­gung an den Untiefen des digitalen Alltags reibt. Mit Home Enter­tain­ment geht Brüg­ge­mann nach fünf »normal« finan­zierten Filmen und mehreren „Tatorten“ bewusst einen Schritt zurück aus dem deutschen Förder­system – und findet gerade in dieser radikalen Reduktion eine erstaun­liche Präzision. Mit Nadine Dubois und Joseph Bundschuh in groß­ar­tiger Präsenz erzählt der Film sehr subtil auch von einer Gesell­schaft der Belie­big­keit, in der selbst Sex nur eine Möglich­keit ist und das Leben so wichtig und unwichtig wie ein Fußball­spiel erscheint. Eine reale Dystopie, so noncha­lant erzählt, dass sie pure Freude und zugleich abgrün­digster Grusel ist. – Axel Timo Purr

Contra:
Die Qual der Wahl. Ich will ja nichts sagen, aber dieses Atmen klingt Deutsch. Endlich hat sich das Paar beim gemütlich geplanten Fern­seh­abend auf einen Film geeinigt, da naht schon die nächste Kata­strophe: Synchron­fas­sung, welch Graus. Also wird weiter­ge­scrollt durch die schier endlosen Optionen der Abend­ge­stal­tung. Die Film­aus­wahl ist zu groß, der Algo­rithmus keine Hilfe, das Passwort fürs Strea­ming­konto vergessen, das Internet ruckelt. Es muss so sein: Die Situation eskaliert im über­schau­baren, zwischen­mensch­li­chen Rahmen. Dabei könnte alles so einfach sein, doch am Ende bleibt eine unsichere Unzu­frie­den­heit mit dem Leben. Auch beim Zuschauer: Der Film wagt nie mehr Tiefe, verlässt sich ganz auf Wieder­erken­nung alltäg­li­cher Szenen, ohne den scharfen Blick eines Polt oder Loriot. Wer sich damit zufrieden gibt, hat sich für den richtigen Film entschieden, immerhin. – Anna Edelmann