| Deutschland 2025 · 98 min. · FSK: ab 12 Regie: Marcus H. Rosenmüller Drehbuch: Dietmar Jacobs, Moritz Netenjakob Kamera: Daniel Gottschalk Darsteller: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim, Anja Knauer, Friedrich Mücke u.a. |
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| Fluch und Segen zugleich... | ||
| (Foto: Studiocanal) | ||
Mit Extrawurst versucht Regisseur Marcus H. Rosenmüller nichts weniger als den ganz großen gesellschaftlichen Diskurs im vermeintlich kleinen Rahmen zu verhandeln: Integration, kulturelle Zuschreibungen, religiöse Empfindlichkeiten, deutsche Vereinsmeierei. Was als organisatorische Petitessenfrage in einem provinziellen Tennisclub beginnt – braucht es einen zweiten Grill für das einzige türkische Vereinsmitglied? – eskaliert erwartbar zur moralischen, politischen und schließlich existenziellen Grundsatzdebatte. Der Stoff ist dankbar, aktuell, pointiert. Und doch ist Extrawurst über weite Strecken ein Film, der seine eigene Prämisse überschätzt.
Die Vorlage, ein erfolgreiches Theaterstück des »Erfolgsautoren-Duos« Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, bringt ihre Herkunft unverkennbar mit auf die Leinwand. Dass die Autoren auch das Drehbuch verantworten, ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil sich Extrawurst kaum aus seiner dialogischen Enge befreit. Segen, weil viele dieser Dialoge tatsächlich funktionieren, scharf beobachtet sind und mit einem Gespür für Alltagsrassismus, Feigheit und Selbstgerechtigkeit geschrieben wurden.
Rosenmüller und Kameramann Daniel Gottschalk bemühen sich sichtbar, das Kammerspiel durch Ortswechsel und Bewegung aufzubrechen. Doch ob Vereinslokal, Sporthalle oder Werkstatt – letztlich bleiben es Räume des Redens, des Rechthabens, des permanenten Auf-der-Stelle-Tretens. Die Figuren duellieren sich in immer neuen Konstellationen, ohne dass daraus eine echte dramaturgische Entwicklung erwächst. Was auf der Bühne als Verdichtung funktioniert, verliert auf 100 Filmminuten zunehmend an Spannung. Zu viele Wiederholungsschleifen, zu wenig Progression.
Hinzu kommt eine fatale Unentschlossenheit im Tonfall. Extrawurst kann sich nicht entscheiden, ob er Komödie oder Tragödie sein will – und scheitert gerade an dieser Ambivalenz. Das Overacting, insbesondere in den komödiantischen Spitzen, wirkt oft deplatziert und schlecht getaktet. Die Kalauer-Achterbahn, vor allem gegen Ende, kippt ins Groteske, stellenweise ins Peinliche. Wo der Film lacht, lacht er zu laut. Wo er zuspitzt, überzeichnet er sich selbst.
Dabei zeigt Extrawurst ausgerechnet dann seine Stärke, wenn er die Komik zurücknimmt. In den ernsteren Momenten, wenn das strukturelle Versagen deutscher Integrationspolitik offen benannt wird, wenn aus dem vermeintlich liberalen Diskurs blanke Ausgrenzung spricht, gewinnt der Film plötzlich Schärfe. Fahri Yardim als Erol Oturan ist hier das emotionale Zentrum: zurückgenommen, verletzlich, ohne jede karikierende Geste. Auch Christoph Maria Herbst und Anja Knauer, seltener Hape Kerkeling, finden punktuell Nuancen jenseits der erwartbaren Chargen-Routine.
Doch selbst diese gelungenen Szenen werden zu oft wiederholt, zu deutlich erklärt, zu insistierend ausgestellt. Was als Sezierung gedacht ist, wird zur Endlosschleife. Man fragt sich unweigerlich, warum Rosenmüller – der in seiner letzten, im Kino gezeigten Pumuckl-Verfilmung Timing, Ton und Emotionalität so präzise ausbalancierte – hier so selten die richtige Entscheidung trifft.
Extrawurst ist kein schlechter Film. Er ist gut gemeint, stellenweise klug geschrieben, phasenweise treffend gespielt. Aber er ist zu lang, zu laut, zu selbstzufrieden mit seiner eigenen Relevanz. Die Wurst mag zwei Enden haben – dieser Film findet seines viel zu zögerlich.