Eddington

USA/GB/FIN 2025 · 150 min. · FSK: ab 16
Regie: Ari Aster
Drehbuch:
Kamera: Darius Khondji
Darsteller: Joaquin Phoenix, Pedro Pascal, Emma Stone, Austin Butler, Deirdre O'Connell u.a.
Eddington
Jeder möchte hier alle Probleme lösen...
(Foto: Leonine)

Der Anti-Diskurs und seine technische Reproduzierbarkeit

In seinem vierten Langfilm verzettelt sich Indie-Darling Ari Aster wohlwissend in politischen Streitthemen, erzählt vom amerikanischen Western, von roboterhaften Menschen, die zu ideologischen Akteuren degradiert werden

Corona ist zurück, zumindest im Kino. Ari Aster nimmt sich den Mai 2020 als zeit­li­chen Rahmen für seinen aktuellen Film, den post-post-post (?), jeden­falls modernen Western Eddington. Hand­lungsort dieses 145 Minuten langen Kuriosums ist die fiktive titel­ge­bende Klein­stadt in New Mexico, die zum Brennglas für Aktuelles, für das Zeit­ge­schehen, für Kultur­kämpfe und persön­liche Konflikte, für Mord und Totschlag, für Märtyrer und Verstoßene, für Liebe und Verrat, für Politik und Privates, für Proteste, für die Antifa, für Poli­zei­ge­walt und Black Lives Matter wird. Zumindest passieren all diese Dinge, einge­bettet in eine männliche Feind­schaft, in das poli­ti­sche Duell (mit persön­li­chem Hinter­grund natürlich) zwischen dem Bürger­meister Ted Garcia (Pedro Pascal) und dem Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix). Ersterer ordnet strenge Corona-Maßnahmen an, was letzterem überhaupt nicht passt, es wird nie ganz klar warum, zwar ist er Asth­ma­tiker, kann unter der Maske »nicht richtig atmen«, nahe­lie­gender ist aber die erwähnte persön­liche Fehde. Ted datete Joes Frau Louise (wie immer toll: Emma Stone), jene befindet sich in einer manisch-depres­siven Episode, flüchtet sich in Online-Verschwörungs­theo­rien, angeheizt von ihrer noch verbit­ter­teren, noch mani­scheren Mutter (»she’s very online«).

Diese Spannung spitzt sich immer weiter zu, die erste Eska­la­ti­ons­stufe ist erreicht, als sich Joe selbst zum Bürger­meis­ter­kan­di­daten ernennt, den persön­li­chen Krieg final poli­ti­siert.

Das ist die Ausgangs­lage, und bereits jetzt ist der Film nicht mehr zu entwirren. In diesem Stil könnte man nun ewig fort­fahren, die zig Neben­fi­guren benennen, die alle unter­ein­ander, mitein­ander, zwischen­ein­ander Streit­punkte finden. Im Hinter­grund natürlich der Corona-Diskurs, und zusätz­lich die ebenfalls in diesen Zeitraum fallende Ermordung George Floyds. Diese Themen nun verwebt Aster permanent, spitzt sie immer weiter zu, nicht aber pointiert, nicht um dem Diskurs etwas beizu­fügen, er repro­du­ziert ihn lediglich, nimmt ihn in die Atmo­sphäre auf, lässt ihn seine Figuren bestimmen, die darauf reagieren wie Roboter. Eine Subjek­ti­vität gibt es hier schon überhaupt nicht mehr, zu keiner Sekunde. Selbst der durch Eddington geis­ter­haft umher­wan­dernde Obdach­lose Lodge faselt nur vor sich hin, holt alte Traumata hervor, rennt wie fern­ge­steuert in die Bar, hin zum Alkohol, weg von sich selbst. Wann immer eine Figur einen Freiraum zu erreichen beginnt, wird sie eingeengt durch neue Grenzen: Im Wahlkampf werden Verge­wal­ti­gungs­an­schul­di­gungen heraus­po­saunt, bei einem Krimi­nal­fall stößt urplötz­lich eine andere, benach­barte Poli­zei­ein­heit dazu. Dazwi­schen, omni­prä­sent: Bild­schirme und Kameras, Handys, die alles mitfilmen, unge­fil­tert ins Netz stellen, jeden Augen­blick zu einem poli­ti­schen Talking-Point erheben.

»You just gonna keep filming?« schnauzt Joe einen Passanten an, alles wird doku­men­tiert, es gibt keine Privat­sphäre mehr, selbst Küsse werden zu Agres­si­ons­trä­gern, werden foto­gra­fiert und geteilt, alles ist eine Waffe in dieser durch­tech­ni­sierten Big-Brother-Welt. Nur gibt es diesen figu­ra­tiven Big-Brother schon gar nicht mehr, zumindest nicht personell. Jeder gibt sich selbst Preis, jeder kontrol­liert jeden, die große Para­noia­frage »Who will watch the watchmen?« gilt nicht mehr, denn jeder ist ein Watchman, und jeder beob­achtet sich wie die anderen. Im Hinter­grund wird dabei schon das nächste, dies wiederum perver­tie­rende Symbol errichtet: Das mystische, Rohstoff verschwen­dende »AI or deep learning or some crap«-Wirt­schafts­pro­jekt »solid­gold­ma­gi­karp«, das neben Eddington errichtet werden soll, bereits jetzt über dieser Stadt thront, in all seiner Häss­lich­keit lediglich den nächsten Streit­punkt darstellt.

Magikarp, das ist im übrigen ein Pokémon, was sinn­bild­lich für den zynischen, infan­tilen Humor Asters genommen werden kann. Er bedient sich stark bei Internet-Memes, Twitter und TikTok sind omni­prä­sent, werden abgefilmt, einmal steht das Bild gar selbst senkrecht. Wie die dortigen »Diskus­sionen« gestaltet sich dann auch dieser (selbst-)destruk­tive Film.

Bei BLM-Protesten sind nur weiße Klein­stadt­kids zu sehen, die den schwarzen Poli­zisten beschimpfen, heraus­for­dern, auf welcher Seite er denn steht. Alles verliert sich, nichts kann mehr wirklich ernst genommen werden, ist lediglich Auslöser für den nächsten Streit, die nächste sich selbst hinter­fra­gende, dahin­sie­chende poli­ti­sche Position. »There’s a riot going on, and your checking your emails?«, »Where’s your anger?«, »What’s it going to prove it if you set your own neigh­bor­hood on fire?«

Jeder möchte alle Probleme lösen, die Welt retten, sich aus dieser Welt retten, doch sie stecken nunmal in Eddington fest, diesem verdammten Eddington, das die ganze poli­ti­sche Frus­tra­tion unserer Gegenwart in sich hinein­zu­fressen scheint, bis es implo­diert, nur um sich neu zu errichten.

Folge­richtig insze­niert Aster auch keine Subjekte, jede Figur scheint gleich­zeitig den ganzen Schmerz der Moderne zu bedeuten, jede Träne ist verlogen, jeder Triumph wird gehässig negiert. In all diesen Trümmern dann steckt ausge­rechnet eine der am besten insze­nierten Action-Szenen des Jahres, zumindest ein ästhe­ti­scher Freiraum also gelingt für kurze Zeit, der uns ausge­rechnet mit klas­si­schen Western Standoffs und Bela­ge­rungs­sze­na­rien beein­druckt.

»The image is true. Language is evil«, heißt es an einer Stelle, gespro­chen von Austin Butlers Verschwörungs­theo­re­tiker-Sekten­an­führer-durch­trai­nierter-voll­tä­to­wierter-reli­giöser-Führer-Figur (ja, die gibts auch noch). Natürlich nur eine weitere Finte, aber viel­leicht liegt darin ja doch der Zugang zu diesem über­la­denen, unbe­frie­di­genden, kuriosen, letzt­end­lich wohl geschei­terten Film: In der Sehnsucht nach visuellen Ausbrüchen, nach großer Kinoepik, nach urame­ri­ka­ni­schen Bildern, die uns befreien können, letzt­end­lich aber neben all den Handy­vi­deos versanden werden, genauso unein­deutig sind wie unser Blick auf die reale Welt. Und hier sind wir nun wirklich in der traurigen x-ten Post­mo­derne, die alles nimmt, alles zusam­men­schmeißt, um auf der Sinn­lo­sig­keit ihren einsamen Tanz aufzu­führen. »Your being mani­pu­lated« steht in großen Lettern auf dem zum Wahl­kampf­mobil umfunk­tio­nierten Poli­zei­auto. Daneben: »Don’t let Eddington turn into Facebook.«

Die Slogans werden zu dem, was sie kriti­sieren, sie lügen und bezeichnen zugleich eine Wahrheit, die sie selbst immer weiter hervor­bringen. Der Film reiht sich in diese Tradition nahtlos ein, ob man das nun gut findet oder anspruchs­voll, ob klug oder gewitzt wird völlig bedeu­tungslos, er bildet lediglich ein weiteres Ketten­glied in seiner eigenen, sich selbst disku­tie­renden Diskus­sion.

»[N]othing runs better on MTV than a protest against MTV«, wusste Mark Fisher, ausge­rechnet Donald Trump sagt es im Grunde nur konse­quenter: »Ever­y­thing is Computer.«

So frisst sich der präsen­tierte (Anti-)Diskurs selbst, genügt sich in seiner vagen, letzt­end­lich gemüt­li­chen Mittler-Position.

»Just don’t make me think. Post it«, resi­gniert Joe zur Mitte des Films, beinahe wirkt es wie eine Entschul­di­gung Asters.

Abschied vom Prinzipiellen

Corona reloaded: Wer vom Kino Orientierung erwartet, ist in Ari Asters Eddington im falschen Film

Eines der ende­mi­schen Übel des US-ameri­ka­ni­schen Kinos des letzten Jahr­zehnts ist der aufge­setzte Exzess, das, was Philipp Stadel­maier im Sommer in einem lesens­werten »Film­dienst«-Essay zum Teil als »Neo-Monu­men­tal­film« beschrieben hatte. Es gibt auch eine neue Ästhetik des Exzesses, deren Ursache einer­seits sehr schlicht in aufge­blähten Budgets liegt, und dem Bedürfnis, sich deutlich von der Ästhetik der Fern­seh­se­rien zu distan­zieren, die in multiplen Studios unter finan­ziell engen Bedin­gungen entstehen, und ande­rer­seits von der »arte povera«, die im zeit­genös­si­schen europäi­schen Autoren­kino dominiert. Diese Ästhetik des Exzesses zeigt sich sowohl in der Monströ­sität der Schau­werte und der falschen – weil behaup­teten, hohlen – Gran­dio­sität von Damien Chazelles Babylon (2022) wie in jenen Geschichten, die den Schwer­ge­wichts-Act eines schwit­zenden Schau­spie­lers ins Zentrum stellen, etwa die jüngsten psycho­ti­schen Trips von Jennifer Lawrence in Die My Love (der gerade letzte Woche ins Kino kam) oder von fast jedem Joaquin Phoenix-Film, wie etwa den beiden Verhun­zungen der Joker:-Figur oder Beau Is Afraid (2021) – dem vorhe­rigen Film von Ari Aster.

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Der 38-jährige US-Regisseur Ari Aster ist zuvor als Horror­re­gis­seur (Heredi­tary, Midsommar) bekannt geworden. Sein neuester Film Eddington ist ein souverän insze­nierter sati­ri­scher US-Heimat­film und die Bestands­auf­nahme einer pola­ri­sierten Gesell­schaft inmitten eines Kultur­kampfes. Er erzählt somit vom gegen­wär­tigen Chaos in den Verei­nigten Staaten – und erhebt dabei das Chaos auch zur stilis­ti­schen Option. Dabei steht der Film zugleich exem­pla­risch für die Unsi­cher­heit, die einen Großteil des ameri­ka­ni­schen Kinos derzeit heimsucht, eines Kinos, das schon seit der post­mo­dernen Krise der 90er Jahre keinen klaren Kurs mehr findet. Dieses grund­sätz­liche Gefühl von Unordnung und Ungleich­ge­wicht ist sein größter Mangel – aber womöglich auch seine größte Stärke. In Eddington ist alles Desori­en­tie­rung – und damit wird der Film zum Spiegel der aktuellen ameri­ka­ni­schen Politik.

Wer aller­dings vom Kino Orien­tie­rung und Ordnungs­stif­tung erwartet, unter­liegt vermut­lich einem grund­sätz­li­chen Irrtum, und ist hier jeden­falls im falschen Film.

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Eddington ist ein bisschen albern, und ein bisschen zynisch, aber beides auf hohem Niveau, dabei manchmal sogar besser als die Filme der Coen-Brüder, weil er weniger selbst­ge­fällig ist. Und weil der Humor hier noch schwärzer ist, noch ätzender, wenn auch oft genug dann aber doch auch ein bisschen flacher. Es handelt sich bei Eddington jeden­falls um einen Film mit unan­ge­nehmem, schwer greif­barem Humor, der sich keinem seiner Charak­tere oder Themen volls­tändig verschreibt. Man wird ihm bestimmt in Deutsch­land vorwerfen, dass er seine Prot­ago­nisten und »die Menschen nicht liebt.«

Ari Aster verlegt seine Fabel in einen fiktiven Ort in New Mexico im Mai 2020. Es beginnt mit einem Obdach­losen, der die ganze Welt verflucht; ein Vogel fällt unver­mit­telt vom Himmel und irgend­eine offen­sicht­lich ziemlich böse Fabrik wird hier in einem gott­ver­las­senen Nest mitten in der Wüste gebaut. Es gibt Proteste dagegen.

Gleich­zeitig regiert die Corona-Pandemie die Nach­richten und das Leben. Es gibt Streit zwischen zwei radikal verfein­deten Seiten: Während die einen für die anderen nur »Corona-Leugner« sind, nach eigenem Vers­tändnis aber nichts leugnen, sondern Gefahren realis­tisch einschätzen und sich als kluge »Quer­denker« feiern, sind die anderen stolz darauf, zur »klugen« Mehrheit zu gehören, den »Covid-Schutz­maß­nahmen« vernünftig zu folgen, »um sich und andere zu schützen« und sehen in Anders­den­kenden Freiheits-Feti­schisten, die keinen Abstand einhalten und andere mutwillig gefährden.

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Auch im Herzen des länd­li­chen »Amerika« hielten viele das Tragen von Masken und andere »Schutz­maß­nahmen« für sinnlos und frei­heits­feind­lich. Über diese Masken­re­geln streiten sich im Film auch zwei Poli­zei­be­zirke mit absurder Härte. Als erzäh­le­ri­sches Gerüst im Zentrum des Films dient der Dauer­kon­flikt zwischen dem örtlichen Sheriff Joe Cross, der sich weigert, eine Maske zu tragen, weil er diese für eine unbe­grün­dete und unnötige Einschrän­kung seiner Freiheit hält (eine schöne Perfor­mance von Joaquin Phoenix, der Übergänge zwischen Tonlagen meis­ter­haft beherrscht), und dem woken Bürger­meister Ted Garcia (Pedro Pascal), der an den Streit zwischen »Don Camillo und Peppone« erinnert, sich jedoch während des Films immer wieder verliert, um die zuvor genannten thema­ti­schen Stränge aufzu­greifen. So findet dieser Film nie wirklich zu dem Roten Faden, den er gele­gent­lich zu suchen scheint. Statt­dessen reiht er asso­ziativ Anekdoten und Szenen lose anein­ander.

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Normen sind soziale Konstrukte, deren Macht allein von der indi­vi­du­ellen Bereit­schaft zur Aner­ken­nung und von der insti­tu­tio­nellen Bereit­schaft zu ihrer Durch­set­zung abhängt. Sie über­zeugen, wenn ihr Zweck deutlich darin besteht, Chaos und Zufälle zu redu­zieren; sie über­zeugen aber um so weniger, um so mehr es bei ihnen um Erziehung und Moral, also um schnöde Prin­zi­pien geht, die eine Seite der anderen aufdrängen will.

Eddington ist ein zeit­genös­si­scher Neo-Western (zwischen Coens’ No Country for Old Men und dem exis­ten­zi­ellen Nihi­lismus von Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia von Sam Peckinpah), eine dysto­pi­sche Fabel und poli­ti­sche Farce über die US-Politik der Gegenwart, und dabei zugleich die sehr bewusste Provo­ka­tion von links­iden­ti­tärer Wokeness und Cancel-Culture. So mündet dieses schwer verdau­liche Gebräu von Film in eine grund­sätz­liche Analogie für den alltäg­li­chen Wahnsinn in den USA, einem auch in diesem Film komplett durch­ge­knallten Land.

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Das offen­sicht­liche Problem von Ari Asters neuem Werk ist trotzdem leider, dass es tatsäch­lich zu viele Themen mitein­ander vermischt. Man kann sie aufzählen: Die Post-Truth-Gesell­schaft, Verschwörungs­theo­rien, Corona-Skepsis, der Streit um Masken, die krimi­nellen Umtriebe großer Tech-Konzerne unter dem Deck­mantel ökolo­gi­scher Nach­hal­tig­keit, das Span­nungs­ver­hältnis zwischen lokalen Auto­ri­täten und Indianer-Gemein­schaften, soziale Ungleich­heiten, die alltäg­liche Hysterie um angeb­li­chen sexuellen Miss­brauch an jedem gesell­schaft­li­chen Ort, und die Waffen­ver­narrt­heit der Ameri­kaner… All das wird hier in einen Mixer geworfen – das Ergebnis ist ein illu­si­ons­loses Gemisch, das die filmische wie philo­so­phi­sche Post­mo­derne auf die Spitze treibt und jede mora­li­sche Gewiss­heit opfert.

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Besonders angetan haben es Aster die vielen Irrtümer der »Black Lives Matter«-Proteste und die »White Guilt«-Exzesse: Nachdem der Schwarze George Floyd bei einem Poli­zei­ein­satz getötet wurde, entzün­deten sich landes­weit Proteste. Aster ironi­siert das ganz offen, indem er eine Stadt fast ohne Schwarze zeigt, in der sich Weiße soli­da­ri­sieren und voller Selbst­ge­rech­tig­keit gegen Poli­zei­ge­walt protes­tieren – der einzige Schwarze der Klein­stadt ist ein Polizist – , nicht ohne zugleich zu betonen, dass sie sich eigent­lich zu diesem Thema gar nicht äußern dürften, um es danach natürlich erst recht und besonders vernehm­lich zu tun.

Damit ist sich Ari Aster der Empörung der Linken und des Post­ko­lo­nia­lism-Publikums sicher, die sich von ihm bereits bei der Premiere des Films in Cannes provo­zieren ließen und reflex­haft über einen »politisch frag­wür­digen« Film jammerten und von »wenig durch­dachter« Provo­ka­tion schwa­dro­nierten. Dabei sind es wohl doch eher die poli­ti­schen Verhält­nisse, die hier frag­würdig sind, und darin in einem passend nihi­lis­ti­schen Szenario adäquat gespie­gelt werden.

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Doch auch das ist nicht der ganze Wahnsinn: Zu dem gehört auch noch ein New-Age-Guru, der mit bizarren Verschwörungs­theo­rien zum You-Tube-Star wird und mit dem Joes Frau Louise eines Tages durch­brennt.

Gegen Ende taucht ein Zitat aus John Fords Young Mr. Lincoln auf – offenbar, um das idyl­li­sche Amerika jener Zeit mit dem gespal­tenen, zerris­senen Land zu kontras­tieren, das in Eddington als ein Amerika am Rande eines irrsin­nigen Bürger­kriegs erscheint. Die Darstel­lung eines kleinen, fiktiven Orts in New Mexico im Jahr 2020 wird dabei von einer insta­bilen Mischung aus Stil­re­gis­tern durch­zogen – die die Haltung einer parodis­ti­schen Farce nie verlässt.
Es gibt keine echten Normen, und es ist ebenso leicht, sie zu brechen wie ihnen zu folgen – Maske tragen, Maske nicht tragen –, selbst für jemanden, der a priori dafür verant­wort­lich wäre, sie durch­zu­setzen. Das gilt für einen Sheriff, wie für einen Film­re­gis­seur.