Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit

Disclosure Day

USA 2026 · 145 min. · FSK: ab 12
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch:
Kamera: Janusz Kaminski
Darsteller: Emily Blunt, Josh O'Connor, Colin Firth, Eve Hewson, Colman Domingo u.a.
Disclosure Day
Schlechtes Wetter, schlechte Zukunft...
(Foto: Universal)

Die Möglichkeit einer anderen Perspektive

Mit Empathie die Welt retten: Steven Spielberg remixt Roswell, E.T. und die großen UFO-Mythen zu einem überwältigenden Märchen der Hoffnung

Es gab gute Gründe anzu­nehmen, dass Steven Spielberg mit seinen Fabelmans 2022 Abschied genommen hatte. Nicht vom Kino, aber viel­leicht von jener Suche, die sein Werk über fünf Jahr­zehnte geprägt hat. Kaum ein Film wirkte derart versöhn­lich, derart abge­schlossen. Spielberg blickte zurück auf seine Kindheit, seine Familie, seine Verlet­zungen und Leiden­schaften. Es war ein Film voller Weisheit, voller Melan­cholie und auch Dank­bar­keit. Ein Werk, das sich wie ein Schluss­punkt anfühlte.

Doch offenbar war es keiner.

Denn mit Disclo­sure Day – Der Tag der Wahrheit kehrt Spielberg mit fast 80 Jahren nicht nur zur Science Fiction zurück. Er kehrt zu jener Form des modernen Märchens zurück, die ihn einst zu dem Regisseur gemacht hat, der das populäre Kino des späten 20. Jahr­hun­derts entschei­dend prägte. Und viel­leicht musste es dann auch gerade jetzt geschehen. In einer Zeit, in der Kriege nicht nur wieder denkbar geworden, sondern real sind, in der poli­ti­sche Systeme erodieren, Verschwörungs­er­zäh­lungen florieren und Zukunft zunehmend als Bedrohung erscheint, antwortet Spielberg nicht mit Zynismus, sondern mit Hoffnung.

Das mag naiv und nach dem üblichen Spiel­berg­schen Block­bus­ter­blabla klingen. Doch so einfach ist es nicht

Denn Disclo­sure Day ist kein eska­pis­ti­sches Spektakel. Es ist ein Film über die Frage, warum die Mensch­heit sich selbst nicht mehr zuhören kann. Auch deshalb lautet das wich­tigste Wort dieses Films auch dementspre­chend: „Listen!“

Hört zu.

Es ist eine erstaun­liche Entschei­dung. Während viele zeit­genös­si­sche Science-Fiction-Filme ihre Antworten in Tech­no­logie, Künst­li­cher Intel­li­genz oder apoka­lyp­ti­schen Szenarien suchen, inter­es­siert Spielberg etwas anderes. Ihn beschäf­tigt die Kommu­ni­ka­ti­ons­krise der Gegenwart. Die Unfähig­keit zuzuhören. Die Sprach­lo­sig­keit zwischen Nationen, Gene­ra­tionen und poli­ti­schen Lagern.

Viel­leicht deshalb gehören die Nach­rich­ten­bilder am Ende des Film zu den berüh­rendsten Momenten des Films. Immer wieder zeigt Spielberg Menschen, die vor Bild­schirmen sitzen. Politiker. Soldaten. Familien. Jour­na­listen. Sie sehen dieselben Bilder. Und sie finden keine Worte mehr dafür. Diese Sprach­lo­sig­keit wirkt erschüt­ternder als jede Kata­strophe.

Denn Disclo­sure Day erzählt letztlich von einer Mensch­heit, die an ihren eigenen Grenzen ange­kommen ist.

Dabei greift Spielberg tief in die Schatz­kammer jener Mythen, die ihn seit Jahr­zehnten begleiten. Von Roswell bis E.T. – Der Außer­ir­di­sche, von UFO-Sich­tungen bis zu den zahllosen Verschwörungs­er­zäh­lungen der ameri­ka­ni­schen Nach­kriegs­ge­schichte. Der berühmte Roswell-Zwischen­fall von 1947 bildet dabei einen wichtigen Reso­nanz­raum, gewis­ser­maßen den Anker dieser Erzählung. Damals wurden in New Mexico Trüm­mer­teile entdeckt, die zunächst als „fliegende Unter­tasse“ bezeichnet und kurz darauf als Wetter­ballon erklärt wurden. Aus diesem Wider­spruch entstand eine der lang­le­bigsten Verschwörungs­er­zäh­lungen des 20. Jahr­hun­derts: die Vorstel­lung, Regie­rungen würden die Existenz außer­ir­di­schen Lebens geheim halten.

Spielberg inter­es­siert dabei jedoch nicht die Frage, ob diese Geschichten wahr sind. Er fragt vielmehr, warum Menschen sie erzählen.

Und seine Antwort ist über­ra­schend einfach: weil sie hoffen. Weil hinter allen UFO-Mythen letztlich dieselbe Sehnsucht steht. Die Sehnsucht, nicht allein zu sein.

Disclo­sure Day verwan­delt diese Sehnsucht in ein modernes Kunst­mär­chen. Die Außer­ir­di­schen erscheinen hier nicht als Invasoren, nicht als Bedrohung und nicht als tech­no­lo­gisch über­le­gene Herrscher. Sie erscheinen als Möglich­keit. Als Möglich­keit einer anderen Perspek­tive auf die Mensch­heit.

Eine Nonne formu­liert dies in einem der intre­r­es­san­testen Sätze des Films. Wenn der Mensch die beste von Gott geschaf­fene Spezies der Erde sei, dann müsse es irgendwo im Universum ebenfalls die besten Spezies anderer Welten geben. Ein ebenso einfacher wie zutiefst spiri­tu­eller Gedanke.

Wir sind nicht allein.

Inter­es­san­ter­weise steht Spielberg mit dieser Sehnsucht im Moment „nicht allein“ da. Erst vor Kurzem verhan­delte auch Vince Gilligans Fern­seh­serie Pluribus die Hoffnung auf eine Begegnung mit einer anderen, womöglich weiter entwi­ckelten Spezies. Doch während Gilligan diese Sehnsucht zugleich als Symptom mensch­li­cher Selb­stü­ber­for­de­rung liest und kritisch hinter­fragt, ob die Erwartung eines rettenden Anderen nicht auch eine Form der Über­grif­fig­keit bzw. Verant­wor­tungs­lo­sig­keit sein könnte, geht Spielberg einen anderen Weg. Für ihn sind die Besucher nicht Projek­ti­ons­flächen mensch­li­cher Schwäche, sondern eine reale Alter­na­tive zum gegen­wär­tigen Zustand der Welt. Wo Pluribus die Frage stellt, warum wir überhaupt nach Erlösung von außen suchen, antwortet Disclo­sure Day: weil der Blick von außen uns mögli­cher­weise wieder erkennen lässt, wer wir selbst sein könnten. Gerade dadurch wird Spiel­bergs Film zu einem bemer­kens­werten Gegen­ent­wurf zur gegen­wär­tigen Kultur des Miss­trauens. Er sucht nicht nach Entlar­vung, sondern nach Vers­tän­di­gung.

Und das bedeutet dann ja auch: Wir sind nicht auf uns selbst beschränkt, wir tragen nicht alle Verant­wor­tung dieser Welt.

Gerade hierin liegt die eigent­liche und Größe dieses Films. Spielberg erzählt keine Alien­ge­schichte. Er erzählt eine Mensch­heits­ge­schichte. Die Außer­ir­di­schen fungieren als Spiegel. Sie zeigen uns, was wir verloren haben.

Man fühlt sich dabei immer wieder an die großen Alters­werke anderer ameri­ka­ni­scher Regis­seure erinnert. Auch Robert Zemeckis suchte in seinem letzten Film Here nach dem Sinn des Mensch­seins. Und auch Francis Ford Coppolas letztes Werk Mega­lo­polis kreiste um die Frage, wie Zukunft überhaupt noch vorstellbar sein kann. Doch nirgendwo erscheint diese Ratlo­sig­keit so offen und zugleich so verletz­lich wie bei Spielberg.

Disclo­sure Day wirkt wie der Versuch eines mitt­ler­weile fast acht­zig­jäh­rigen Regis­seurs, noch einmal eine Antwort auf die drän­gendste Frage seiner Zeit zu finden: Warum schaffen wir es nicht, mitein­ander zu leben?

Die Antwort fällt erstaun­lich schlicht aus: Weil wir aufgehört haben zuzuhören.

Formal ist der Film dabei klas­si­sches Über­wäl­ti­gungs­kino, das nicht immer ganz rund läuft, das gerade zu Anfang viel Zeit braucht, um die charak­ter­li­chen Konstel­la­tionen anzu­schieben und in Fluss zu bringen. Doch diese Holp­rig­keiten werden zumeist durch das über­ra­gende Ensemble geglättet, allen voran die umwer­fenden Emily Blunt, die sich nicht nur einmal »häuten« darf. Nach dem ersten Drittel läuft es dann zunehmend rund und Spielberg insze­niert jetzt mit jener Präzision, die sein Werk seit Jahr­zehnten auszeichnet. Die Kame­ra­fahrten von Spiel­bergs lang­jäh­rigem Kolla­bo­ra­ti­ons­partner Janusz Kamiński gleiten scheinbar schwe­relos durch Menschen­mengen. Lichter brechen sich in Fens­ter­scheiben und Wolken­for­ma­tionen. Und der Himmel wird erneut zu jenem magischen Raum, der schon in Unheim­liche Begegnung der 3. Art und E.T. – Der Außer­ir­di­sche zwischen Realität und Wunder vermit­telte. Und der natürlich auch deutlich macht, was Bob Dylan schon 1965 wusste: »You don’t need a weatherman to know which way the wind blows«.

Doch anders als Dylans Klassiker »Subter­ra­nean Homesick Blues« wirkt der Sound­track von John Williams wirkt fast altmo­disch, glaubt man sich immer wieder in der Film­ge­schichte zu verirren und die Gegenwart verlassen zu haben. Doch selbst das erscheint im nächsten Moment dann auch wieder konse­quent. Denn diese Geschichte ist alt und im Kern schon viel Male erzählt worden. Sie beginnt nicht erst mit UFO-Berichten oder Science-Fiction-Filmen. Sie beginnt mit den ältesten Mensch­heits­fragen überhaupt: Woher kommen wir? Sind wir allein? Gibt es etwas Größeres als uns?

Gerade deshalb erinnert Disclo­sure Day weniger an moderne Block­buster als an die Kunst­mär­chen von Hans Christian Andersen. Wie in Der große und der kleine Klaus geht es um Macht, um Güte und um die Wider­sprüche mensch­li­chen Handelns. Und wie in der Schneekö­nigin betritt hier eine Kraft den Raum, die über den Niede­rungen des Alltags steht und diese für einen Moment aufhebt.

Nicht als Wunder. Sondern als Möglich­keit.

Das Finale von Disclo­sure Day gehört danna uch zu den bewe­gendsten Momenten in Spiel­bergs Werk. Jahr­zehn­te­lang erzählte Spielberg Geschichten über Wesen, die nach Hause wollten. E.T. – Der Außer­ir­di­sche wollte nach Hause. Die Besucher aus Unheim­liche Begegnung der 3. Art kamen von weit her. Und auch Indiana Jones und seine Reisen in die exotische oder histo­ri­sche Ferne waren immer auch Versuche, die Heimat besser, wohn­li­cher zu machen. Immer stand dabei eine Distanz zwischen den Welten im Zentrum.

Nun geschieht etwas anderes. Das Wesen am Ende dieses Films wirkt wie eine nicht sonder­lich heraus­ge­putzte Requisite, ja eigent­lich wie ein geal­terter, groß­vä­ter­li­cher E.T. – Der Außer­ir­di­sche. Und es kommt nicht, um zu verschwinden. Es kommt, um zu bleiben. Vor allem aber kommt es mit einer Botschaft.

An uns.

An die Mensch­heit.

An eine Welt, die sich zunehmend in Feind­bilder, Kriege und gegen­sei­tige Gewiss­heiten verstrickt.

Die Botschaft ist denkbar einfach.

Hört zu.

Viel­leicht liegt gerade darin dann auch die größte Radi­ka­lität dieses Films, den man ohne einen zweiten Blick leicht als fast schon klas­si­sche SF-B-Film-Ware miss­ver­stehen könnte. In einer Zeit, in der alle sprechen wollen, macht Spielberg einen Film über das Zuhören. In einer Zeit, in der Verschwörungs­theo­rien oft zur Flucht vor der Realität werden, verwan­delt er sie in eine Erzählung der Hoffnung. Und in einer Zeit, in der Zukunft vieler­orts nur noch als Bedrohung erscheint, wagt er etwas, das im zeit­genös­si­schen Kino selten geworden ist: Er glaubt an die Mensch­heit.

Nicht blind. Nicht naiv. Aber entschieden.

Disclo­sure Day ist gerade deshalb nicht nur großes Über­wäl­ti­gungs­kino. Es ist das Alters­werk eines Regis­seurs, der nach einem halben Jahr­hun­dert Film­ge­schichte noch immer dieselbe Frage stellt wie einst der kleine Junge aus Die Fabelmans: Was wäre, wenn die Welt besser sein könnte?

Und für zwei­ein­halb über­wäl­ti­gende Stunden gelingt Spielberg das Kunst­stück, uns glauben zu lassen, dass die Antwort viel­leicht tatsäch­lich im Himmel wartet. Das ist Zauberei. Der Zauber des Kinos.

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Spielberg erzählt ein hoffnungsvolles Märchen über Tele-Kommunikation

Die Aliens wissen es: Man muss den Menschen die Wahrheit in Über­set­zung beibringen. Muss sich ihnen mittels Illusion nähern. Den Kindern, mit denen sie Kontakt aufnehmen, präsen­tieren sie sich wie die Waldtiere aus Disneys Snow White, ihr Raum­schiff kleiden sie als Hexenhaus aus »Hänsel und Gretel«.

Mit anderen Worten: Die Außer­ir­di­schen verstehen sich auf Genre-Kino. Auf die Kunst, was sie zu sagen haben zu verpacken in allge­mein­ver­bind­liche, altver­traute, arche­ty­pi­sche Bilder.
Und man darf auch den Hinweis ernst nehmen, welchem Genre Disclo­sure Day selbst angehört: Nicht als Science Fiction ist er zu lesen. Sondern als Märchen.

Also: Es war einmal eine Wetterfee. Die lebte im König­reich Kansas. Und kündete den Menschen über einen Zauber­spiegel, »Fernsehen« genannt, von Sonne, Sturm und Hagel. Eines Tages aber, da sprach sie plötzlich in den Zungen fremder Länder. Und schaute den Menschen in die Herzen, was sie dort Geheimes bewegten. An jenem Tage aber, da redete sie vor ihrem fernen Publikum auf einmal in fließendem Außer­ir­disch.
Es gab aber nur einen Jüngling, der sie verstand. Der war ein schmäch­tiger Bild­schirm­ritter, der einst lange den Herr­schenden gedient hatte. Auf dass ewig verborgen bliebe die Kunde, dass es Wesen gab, die nicht von dieser Welt waren. Nun jedoch hatte er sich aufge­schwungen zum Kreuzzug, der Mensch­heit diese Botschaft, sei sie froh oder furchtsam, offen zur Kenntnis zu bringen. Wofür er seine holde Dame in einem Kloster zurück­ließ.
Und so verbün­deten die Wetterfee und der Ritter von der traurigen Gestalt sich, als wären sie Geschwister. Und flohen gemeinsam vor dem bösen Zauberer, der an zwei Orten gleich­zeitig zu sein vermochte, und vor dessen Schergen vom Orden WARDEX. Welche die Welt weiter im Dunklen halten wollten.

Es ist eine höchst seltsame Mär, die da aufge­tischt wird von Spielberg und Autor David Koepp (Jurassic Park einer­seits, Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull ande­rer­seits...). Eine Fantasie von einer Welt am Rande des Atom­kriegs – in der sich das gesamte Mensch­heits­schicksal entscheidet über Wohl und Wehe zweier Leute inmitten der USA. Zwischen Auto­ver­fol­gungs­jagden und tele­pa­thi­schen Mord­ver­su­chen. Wo etwa eine stumm­film­reife Action­se­quenz an und auf einem Zug endet in einem Güter­waggon, dessen Fracht (wunderbar unerklärt) lauter Konzert­flügel sind.

Soweit man Disclo­sure Day doch als Science Fiction, als Thriller nehmen will, hat der Film immerhin das Glück eines Ensembles, welches noch die absur­deste Expo­si­tion, den glor­reichsten Mumpitz mit Gravitas und Über­zeu­gung vortragen kann. (Alias: »Die Morgan Freeman-Gabe«.)

Aber Spätwerke vers­tärken nunmal (siehe auch den anderen großen Märchen­onkel, Stephen King) oft die idio­syn­kra­ti­schen Aspekte einer künst­le­ri­schen Persön­lich­keit, während sie die allge­mein­taug­lich-populären schleifen. Spätwerke verab­schieden sich oft aus dem direkten Zugang zum kollek­tiven Unbe­wussten, sind oft mehr die Träume eines Menschen statt einer Gesell­schaft.
Disclo­sure Day hat nicht mehr die ikoni­schen, sich ins Popkultur-Vokabular einbren­nenden Bilder, die Spielberg früher fast in jedem Film gelangen. (Wie auch John Williams' Filmmusik diesmal bewusst unter­ma­lend, ohne Ohrwurm-Themen ist.) Aber er hat noch immer Spiel­bergs Themen, seine Weltsicht. Seine pure Erzähl­freude.

Durch sein auto­bio­gra­phi­sches Meis­ter­werk The Fabelmans scheint Spielberg auch die jugend­liche Lust an der filmi­schen Virtuo­sität wieder­ge­funden zu haben.
Die Kamera von Janusz Kamiński vollführt Kreis­fahrten im Auto­in­neren, spielt mit perfekt plat­zierten Spie­ge­lungen. Und muss bei einer Action-Plan­se­quenzen schonmal ums Auto hetzen, um auf dem Beifah­rer­sitz Platz zu nehmen.

Disclo­sure Day beginnt furios mit einem Wrestling-Match aus der Subjek­tiven. Und kurz kann man darin einen Verweis auf die aktuelle Politik und Kultur der USA vermuten, mit ihren Käfig-Fights vorm Weißen Haus zum Präsi­den­ten­ge­burtstag.
Doch die heutige Welt verab­schiedet sich bald aus dem Film. Aller nahe­lie­gender Diskurs um Verschwörungs­er­zäh­lungen, um das Verhältnis Staat und Bevöl­ke­rung wird vermieden. Am Rande wird mal gesagt, WARDEX sei keine Regie­rungs­or­ga­ni­sa­tion. Damit hat es sich.
Und Hort der Aufklärung ist in Disclo­sure Day ganz klassisch ein TV-Sender – Handys nutzt man in dieser Filmwelt zum Fernsehen.

Aber wie gesagt: Das alles ist ein Märchen, sich seiner Künst­lich­keit bewusst. Wie so oft bei Spielberg geht es um die Suche nach einer Ersatz-Familie. Geht es um eine Rückkehr und ein Neuschreiben der Kindheit.
Doch das Portal dazu wird in Disclo­sure Day selbst­re­flexiv als Studiobau nach­ge­schaffen. (Was an Nathan Fielders groß­ge­niale Expe­ri­mental-Comedy Serie The Rehearsal erinnert.)

Wirklich schwach ist der Film nur, wo er explizit profund werden will: Wäre das große Problem am Bekannt­werden von Aliens wirklich der Verlust reli­giösen Glaubens?
Aber auch hier ist das Vorder­grün­dige die falsche Fährte. Zum wahren Kern des Films führt, was nebenbei einmal über den Orden erzählt wird, in dem die Freundin des Helden Novizin war: Es ist jener der Heiligen Klara von Assisi. Die an ihrem Leben­s­ende zu schwach war, eine Mitter­nachts­messe zu besuchen. Und dieser statt­dessen in einer Vision beiwohnte.

Das ist das Thema, das Disclo­sure Day eigent­lich durch­zieht und trägt: Die Kommun(ikat)ion über scheinbar unüber­wind­bare Barrieren und Entfer­nungen hinweg. Die, im wahrsten Sinne, Tele-Kommu­ni­ka­tion.
Andauernd geht es um das Verstehen fremder Sprachen, um die Über­tra­gung von Kenntnis und Empfin­dung, um das Über­setzen, das Fass­bar­ma­chen, das Erreichen von Menschen, die nicht direkt anwesend sind.
Der zentrale McGuffin ist ein Alien-Artefakt, das es erlaubt, an fernen Orten präsent zu sein, in die innersten Gedanken fremder Menschen zu dringen. Der Böse nutzt das, um andere zu mani­pu­lieren, ihnen seinen Willen aufzu­zwingen. Die Helden nutzen es, um einen Weg zum Mitgefühl zu öffnen.

Außer­ir­di­sche waren bei Spielberg immer vor allem Kata­ly­sa­toren: Wichtig nicht so sehr als Prot­ago­nisten, Anta­go­nisten – sondern wegen der Reak­tionen, die sie bei den Menschen auslösen.
Da ist Disclo­sure Day im leuch­tenden Herzen ein zuver­sicht­li­cher Film über Tele­pa­thie und Empathie. Der fanta­siert, wie man sich über Distanz und Fremdheit hinweg vers­tän­digt.
Habt keine Angst vor dem Unbe­kannten, sagt er immer wieder ausdrück­lich. Und zitiert auch das »You are not alone« aus Close Encoun­ters of the Third Kind.
Disclo­sure Day glaubt fest daran, dass in allen Menschen etwas schlum­mert, über das man sie tief berühren kann. Wenn man nur die richtigen Worte, Bilder findet. Und – wie das Ende einfor­dert – die Bereit­schaft zum Zuhören.