22.07.1999

»Ich bin Ameri­kaner, ich mag Happy-Ends«

Filmszene »The Opposite if Sex«
Christina Ricci und ihr schwuler Lover
(Foto: Movienet)

Don Roos über Independent-Filme, Christina Ricci und The Opposite of Sex

Don Roos, wurde bisher als Dreh­buch­autor bekannt. Jetzt kommt seine erste Regie­ar­beit, The Opposite of Sex – Das Gegenteil von Sex ins Kino.
Rüdiger Suchsland sprach mit ihm.

artechock: Warum hat es solange gedauert, bis Sie selbst Regie geführt haben?

Don Roos: Weil man mich nicht gelassen hat. (lacht)

artechock: Sie haben Erfah­rungen mit Inde­pend­ents und mit Studio­filmen. Was sind die Unter­schiede für sie.

Roos: Studio­filme müssen höflicher sein, konser­va­tiver, mehr Mittel­klasse. Inde­pend­ents sind radikaler, nicht ganz so anständig. Das Gegenteil von Sex ist sicher ein Inde­pend­ent­film. Aber ich habe versucht, alles ein bißchen glamouröser zu machen. Die düsteren, schmut­zigen Inde­pend­ent­filme mag ich nicht so gern.

artechock: Mit Shooting-Star Christina Ricci haben sie ja eine Ideal­be­set­zung.

Roos: Sie sieht doch richtig glamourös aus, oder? Vom Nacken abwärts sieht sie „inde­pen­dent“ aus, vom Nacken aufwärts hat sie einen Studio-Look. Und sie ist nicht abgehoben. Sie kümmert sich nicht dauernd um ihr Haar und Makeup. Ihre bishe­rigen Rollen sind ja auch sehr erwachsen. Jetzt, wo ich sie etwas besser kenne, weiß ich: Sie ist ihrem Film­cha­rakter auch persön­lich ziemlich ähnlich. Sie ist sehr offen, rebel­lisch, benutzt schmut­zige Worte. Sie wußte schon vorher mehr über die Figur, als ich.

artechock: Ihr Film ist mutig und ironisch. Gegen Ende scheinen sie aller­dings dem Massen­ge­schmack Tribut zu zollen.

Roos: Viel­leicht ein bißchen. Ich habe das Ende während des Drehs abge­än­dert. Aber ich bin Ameri­kaner, ich mag Happy-Ends. Aber es ist immerhin kein dummes Ende.

artechock: Am Ende stehen konser­va­tive „family values“. Ist das ihre Antwort auf die derzei­tigen US-Debatten? Sollen Schwule auch brave Homo-Familien gründen?

Roos: Ich finde, es gibt keinen Grund, über Familie, Liebe und Bank­konten zu spotten. Ich bin sehr konser­vativ. Der Film auch. Er sagt, daß Sex Konse­quenzen hat. Das ist nicht sehr radikal. Insofern geht es sehr stark um Fami­li­en­werte.

artechock: Und Christina Ricci spielt die Rebellin gegen all' das, die am Schluß endlich gezähmt ist?

Roos: Ja, aber sie wird gezähmt durch ihre eigenen Erfah­rungen. Am Ende denkt sie endlich einmal nach, bevor sie etwas tut. Aber niemand zähmt sie. Sie ist selbst durch ihr Leben angekotzt.

artechock: Es gibt da den Satz in ihrem Film: »Put that PC-Crab aside«. Täusche ich mich, oder wollen sie sich über die ganze PC-Debatte lustig machen?

Roos: PC bedeutet Gleich­ma­cherei. Aber wir haben alle Vorur­teile. Ich habe Vorur­teile. Und eine Welt ohne Vorur­teile stelle ich mir ziemlich lang­weilig vor. Ich möchte nicht all' meine Kate­go­rien aufgeben. So funk­tio­niert das mensch­liche Leben: Wir stecken Menschen in Schub­laden, und haben unsere Erfah­rungen. Wir sollten offen sein mit unseren Vorur­teilen. Und es wäre ziemlich blöd, wenn alle alle gleich lieben würden.