Sterns Stunde: Bemerkungen über den Rothirsch

BRD 1971 · 43 Minuten
Regie: Horst Stern
Drehbuch:
Kamera: Kurt Hirschel

Doku­men­ta­tion (Beta, Farbe)

Die Jagd-Lobby der Nation stand Kopf. Und das am Heiligen Abend 1971! An Horst Sterns scharf recher­chierter Analyse über den Rothirsch entzün­dete sich eine hitzige Debatte über Jagd und Forst­po­litik in Deutsch­land. Horst Stern hatte es gewagt, der Jäger­schaft Mitschuld am Wald­sterben durch Überhege von Reh- und Rotwild anzu­lasten. Der Rothirsch im Fernsehen als umwelt­schäd­li­cher Krip­pen­fresser im deutschen Forst ange­pran­gert – das war ein bis jetzt uner­hörter Tabubruch.
Begrün­dung für die Mitver­ant­wor­tung der Jäger­schaft am Wald­sterben: Jäger und Forst­be­amte bestimmen, was und wieviel gejagd wird. So ist der Rothirsch aus Mangel an natür­li­chem Nahrungs­an­gebot und durch unge­zü­gelte Vermeh­rung zum Wald­zer­störer geworden. Die Jäger sind vor allem an kapitalen Hirsch­ge­weihen inter­es­siert, weniger am Abschuss weib­li­cher – geweih­loser – Tiere. Die Folgen für den Wald sind unstrittig und am Verbiss überall sichtbar: Es gibt weit mehr Rehe und Hirsche als seiner Gesund­heit und Verjün­gung zuträg­lich ist.

The hunting lobby of the nation was in turmoil. What a shock on Christmas Eve 1971! Horst Stern´s sharply rese­ar­ched analysis about the red deer was the starting point for a heated debate about hunting and forest politics in Germany. Horst Stern had dared to accuse the hunters of being partly guilty for the dying forests by over-feeding roe and red deer. The red deer, denounced as »manger-eater«, harmful to German forests – this meant outra­ge­ously breaking a taboo.

Redaktion: Kultur und Gesell­schaft des Süddeut­schen Rundfunks (SDR)
Redak­ti­ons­leiter: Jörg Dattler
Erst­aus­strah­lung (ARD): 24.12.1971
Herkunft der Kopie: Südwest­rund­funk (SWR), Stuttgart
Rechte: Dr. Horst Stern
(16. Inter­na­tio­nales Doku­men­tar­film­fes­tival München; Text: Gabriele Teutloff, Über­set­zung ins Englische: Eva Kluge)

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